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Formel 2 – ein Buch erinnert an die geilste Rennserie aller Zeiten

Sagen Ihnen die Namen Geoff Lees, Mike Thackwell oder RALT-Honda noch etwas? Dann haben Sie in den 80er Jahren das Geschehen der Formel 2 Serie aufmerksam verfolgt. Ich war zu jung, um die Rennen dieser Serie in den 60er und 70er Jahren zu verfolgen. Schade, denn gerade in den Anfängen der Formel 2 gaben sich regelmäßig auch die Piloten der Formel 1 die Ehre und griffen beherzt in die Lenkräder. Meine Erinnerung an die Formel 2 beginnt erst Ende der 70er und reicht bis zu ihrem Ende im Jahr 1984, als die Formel 3000 der erklärte Nachfolger wurde.

Ein großer Fehler, denn die Formel 3000 erbte die Probleme der Formel 1. Die Rennstrecken dieser Zeit waren nicht mehr auf die eher breiten Fahrzeuge und deren Motorisierung ausgelegt. Schon gar nicht auf die die wahnsinnigen Kurvengeschwindigkeiten, die durch Ground-Effekt-Seitenkästen möglich wurden. Abgesehen davon, dass die Formel 3000 als Nachwuchsserie auch zu teuer war. So blieb dem Nachfolger nur eine kurze Lebenszeit. Die Formel 2 EM gab es in dieser Form nie wieder.

Aber ich schweife ab. Aus meiner Sicht wurde mit der Formel 2 eine der, Verzeihung, geilsten Rennserien aller Zeiten zur Grabe getragen. Die Rennen waren unglaublich spannend, es gab tolle Manöver und das Publikum konnte spätere Champions sozusagen während der Ausbildung verfolgen.

Das Buch „Formel 2: Die Story von 1964 bis 1984“ kann ich Ihnen nur ans Herz legen. Es macht die Serie wieder lebendig und lebt von den wunderbaren Aufnahmen des Meisters Ferdi Krähling. Der Mann kann zu dieser Zeit eigentlich nie zu Hause gewesen sein und besitzt offensichtlich einen unerschöpflichen Fundus an Aufnahmen, die die Atmosphäre der Rennwochenenden und die Persönlichkeiten der Fahrer wieder lebendig machen.

Rennfans werden den Kauf des Buches nicht bereuen!

Das nenne ich Arbeit, oder morgen komm ich später rein?

Markus Albers hat ein kluges Buch geschrieben, aber ob es auch ein wichtiges Buch ist? Nach dem Motto „Morgen komm ich später rein“ zeigt er alternative Modelle von Arbeitszeiten und Arbeitsplätzen und plädiert damit für Veränderungen im Dasein von Festangestellten. Begeistert von seinem Thema wird Albers nicht müde, die Vorteile für Arbeitnehmer und Unternehmen aufzuzeigen. Höhere Attraktivität für Arbeitnehmer und Kostenersparnis für Unternehmen, bessere Work-Life-Balance und mehr Kreativität für die Mitarbeiter. Dabei befragt er regelmäßig Arbeitnehmer, die bereits in solchen flexiblen Modellen arbeiten. Das macht sein Buch sympathisch, denn er hat nicht das kreative Prekariat im Blick, das sich Digitale Boheme nennt, um das selbstausbeuterische Arbeiten in Projekten überhöht und Dauerpraktika und lose Projekte „Arbeit“ nennt.

Wer sich mit diesem Thema bereits intensiver auseinandergesetzt hat, verrät Albers allerdings nichts Neues. Genannt werden die üblichen Beispiele wie ROWE bei BestBuy, SAP und ThinkTanks bei 3M oder Google. Das ist alles unterhaltsam geschrieben und Albers wird auch nicht müd zu betonen, an welchen unterschiedlichen Orten und Situationen sein Buch entstanden ist. Aber sein Diskussionsbeitrag wird Arbeitnehmer, die den Trott in den Büros als beschwerlich empfinden, in deren Sichtweise bestärken, aber ob es denn zu konkreten Veränderungen führen wird, wage ich zu bezweifeln.
Denn die Theorie, dass ich viel produktiver sein werde, wenn ich nicht mehr täglich ins Büro fahre, die ja jeder einfache Mitarbeiter seinem Chef gegenüber zu vertreten hat, wird aus dessen Sicht auch nicht glaubwürdiger, wenn immer wieder betont wird, wie viele gute Erfahrungen andere Unternehmen damit gemacht haben.

Dennoch ein lesenswertes Buch und sei es für Angestellte, die von mehr Freiheit träumen.

 

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Gelesen: Guerilla-Marketing mit Open-Source-Tools

Einen kräftigen Bruch gehoben, haben sich die Autoren Sascha Langner und Holger Reibold mit dem bei Bomots erschienenen Titel. Klar „Guerilla-Marketing“ und „Open-Source“ sind gleich zwei Buzzwords, mit denen sich ja trefflich Geschäfte machen lassen. Der (von wem auch immer) ernannte Marketing-Experte Langner hat einige Seiten zum Buch beigesteuert, die müde und oberflächlich den Marketing-Überbau des Werkes spendieren.

Im wesentlichen geht es dann aber um die OpenSource-Tools und da wurde, ob es nun passt oder auch nicht, so ziemliches jedes Werkzeug verwurschtelt, zu dem sich im Verlagsprogramm auch ein Titel finden lässt. Was ein Ticket-System mit Marketing zu tun haben soll, muss mir nochmal jemand in Ruhe erklären. Blöd nur, dass die Seiten zu jedem Programm über die Kurzbeschreibung einer Readme-Datei nicht hinausgehen. Da ist der Leser nach 10 Minuten Web-Recherche einfach weiter.

Fazit: Das Geld für das Buch lässt sich besser in anderen Waren anlegen. Wer sich bis hier nicht hat abschrecken lassen, darf das Buch gern über den Link unten bestellen. Vielleicht kann ich mir dann so eine Kugel Eis mehr kaufen.

Die veraltete Technik in Unternehmen

In einem Artikel der von mir sehr geschätzten Zeitschrift Business Technology, der sich mit der Investionsfreudigkeit in deutschen Unternehmen auseinandersetzt, habe ich einen nachdenkenswerten Satz gefunden.

Dieser besagt, sinngemäß zitiert, dass das Tempo der Erfahrung eines Mitarbeiters im Umgang mit IT heute vom privaten Umfeld dominiert wird. Online-Anwendungen aus dem Web 2.0 und die Geschwindigkeit und Bedienbarkeit schneller Spiele-PC stünden in einem Gegensatz zu der in vielen Unternehmen eingesetzten IT-Landschaft.

Eine Aussage, der ich nur zustimmen kann und die mir immer dann wieder sehr bewusst wird, wenn ich etwa in Schulungsräumen auf die eingesetzten Computer sehe. Wenn der Teilnehmer Glück hat, handelt es sich bereits um einigermaßen schnelle Dell-Computer mit einem vernünftigen TFT-Display. Kommt Pech hinzu, flackern Röhrenmonitore, die an nicht mehr taufrischen Geräten aus dem Hause Siemens Nixdorf hängen. Ich möchte an dieser Stelle kein Plädoyer für Windows Vista oder KDE 4 halten, aber wer dann auf das Standard-Design von NT schaut, wird sich im Vergleich zu seinem Heim-PC mit Sicherheit in die Vergangenheit zurückgesetzt fühlen. Das fröhliche Grau der Fensterrahmen hat sich, wenn es denn je modern war, heute klar überlebt und macht auch keine Freude im Umgang. Ähnlich verhält es sich mit den Sicherheitsrestriktionen in vielen Unternehmen, die eine Nutzung von aktuellen Web 2.0 Anwendungen fast unmöglich machen, da die eingesetzte Firefall den notwendigen Datenverkehr dann einfach behindert. Wer dies auf Dauer seinen Mitarbeitern zumutet, muss sich nicht wundern, wenn diese sich (insbesondere in technischen und kreativen Berufen) nach einem moderneren Arbeitgeber umsehen. Die Visitenkarte eines Unternehmen ist aus meiner Sicht nicht nur die Website und der Empfangsbereich; es ist auch die eingesetzte IT-Technologie.

 

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Bemüht: Das Zeit-Spezial Internet Teil 1

Wie beginnt man einen Blogeintrag über eine Beilage der Wochenzeitung „Die Zeit“ ohne das geflügelte Wort von der guten alten Tante zu verwenden? Egal, irgendwie habe ich es jetzt ja doch drin, aber irgendwie auch nicht.

Dem stark beworbenen Spezial zum Thema Internet galt meine Neugierde und natürlich habe ich dies gestern auch gleich aufmerksam gelesen. Ein Artikel über das Bloggen mit all den üblichen Verdächtigen, wie etwa dem Shopblogger, den ich auch einmal ganz lustig fand, der sich bei regelmäßiger Lektüre denn aber doch als Krämerseele voller Ressentiments in der norddeutschen Provinz erweist, und dessen ewiges Gejammer über die bösen Ladendiebe, ungewaschene Kunden und unzuverlässige Bewerber von der Arbeitsagentur doch eher anödet. Wer selber bloggt oder Blogs liest, erzählt der Artikel nichts Neues.

Klar, Liebe, Erotik und Porno dürfen in einem solchen Heft natürlich nicht fehlen. Auf den letzten Seiten darf es biederlich bürgerlich mal so richtig schmutzig werden, denn hier werden Webadressen vorgestellt, wo der Surfer dann Pornofilme in Briefmarkengröße betrachten darf. Die besten Sites für die Partnersuche dürfen da auch nicht fehlen.

Eine Betrachtung des Phänomens Social-Networks ist auch schon drin. Zu Wort kommt auch padeluun, im Netz unterwegs, als das Internet in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte und man sich in Mailboxnetzen wie dem Fido vergnügte. Das macht seine aus meiner Sicht falsche These, sich hinter Pseudos zu verstecken und gerade nicht eine digitale Identität zu pflegen, um das Netz auch für die eigene Reputation zu nutzen, aber nicht besser. Insgesamt ein bemühtes Heft, von dem ich mir aber mehr Tiefgang versprochen hatte.