Die geistige Brandstiftung von Szene Ahrensburg geht weiter

Gerade gestern schrieb ich über das politische Klima in Ahrensburg. Und habe mir die Frage gestellt, wie es eigentlich möglich ist, dass Menschen so verrohen können, dass sie eine Fraktionskollegin beim Aufhängen eines Plakats in der körperlichen Unversehrtheit bedrohen.

Ein weiteres unappetitliches Bespiel ist der heutige Aufmacher von Szene Ahrensburg. Ich zitiere mal: „Es sind dieses (sic!) Vertreter der WAB, die angeblich eine ‚Wählergemeinschaft Ahrensburg für Bürgermitbestimmung‘ sind. In Wahrheit jedoch sind sie ein Haufen von billigen Lügnern und Demagogen, die Ahrensburger Bürgern ganz gezielt die Unwahrheit berichten, um damit ihre persönlichen Vorstellungen zu befriedigen. Und ich bezweifle, dass alle dieser Damen und Herren tatsächlich im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind.“

Ohne irgendeinen Beleg, nur weil die Meinung der Kollegen aus der WAB den eigenen Ansichten nicht passt. Das natürlich mit einem Foto der Fraktion, damit der Internet-Pranger auch funktioniert.

Ganz ehrlich, Herr Skowronnek. Das ist das Umfeld, in dem das Kaufhaus Nessler wirbt, wie unschwer am Werbebanner zu erkennen ist. Identifizieren Sie sich tatsächlich mit Inhalten, wo engagierte Bürger als „Lügner“ bezeichnet und ihnen die geistige Gesundheit abgesprochen wird?

Schäm dich Ahrensburg! Wenn Kommunalpolitiker zu Zielscheiben werden

Ich bin Kommunalpolitiker. Das ist in meiner Heimatstadt Ahrensburg ein Ehrenamt (sieht man von einem Sitzungsgeld von 25 Euro ab). Ich tue es gern, weil ich etwas für das Gemeinwesen tun möchte.

 
Und ich bin entsetzt. 


Vor wenigen Tagen wurde eine Fraktionskollegin beim Aufhängen von Plakaten mit Schrauben aus einem fahrenden Fahrzeug beworfen. Eine Kollegin, die weit über unsere Fraktion in Ausschüssen und in Versammlungen anerkannt ist, weil sie sich insbesondere in allen Fragen rund um Schule, KiTas und sozialen Fragen engagiert. Und das zum Wohle aller!


Zum Hintergrund: In Ahrensburg gibt es die Vorbereitungen zu einem Bürgerentscheid. Das gehört zur Demokratie. Meine Partei, wie auch andere Fraktionen, sieht den Inhalt des Entscheids kritisch und versucht, die Bürgerinnen und Bürger davon zu überzeugen, eben nicht dafür zu stimmen. Dafür haben wir ebenso Gründe und Argumente, wie die Gegenseite.


Der Streit und der Austausch von Argumenten ist Zeichen einer politischen Auseinandersetzung. Für mich steht aber außer Frage, dass derjenige, der nicht meiner Meinung ist, in erster Linie ein Mensch ist. Und ein Mensch, der etwas Positives für das Gemeinwesen bewirken möchte.

Jemand in seiner körperlichen Unversehrtheit zu bedrohen, ja Körperverletzung in Kauf zu nehmen, weil er ein demokratisches Recht in Anspruch nimmt und / oder eine andere Meinung vertritt, hat mit Demokratie nichts mehr zu tun. Es ist eine Grenzüberschreitung und ich schäme mich für meine Heimatstadt. Und das erstmals in über 48 Jahren, in denen ich hier lebe.

Ich erspare Ihnen die Hintergründe des Bürgerentscheids. Nur so viel: Einer der Hauptinitiatoren ist der Betreiber eines hiesigen Kaufhauses. Wie gut das Geschäftsmodell „Warenhaus“ funktioniert, sehen wir alle daran, dass wir als Steuerzahler GaleriaKaufhof mit Millionen unterstützen. Geld, das wir wohl nicht wiedersehen werden. Denn das Warenhaus ist nun einmal tot. Das zeigen auch die Geschäftsberichte des Kaufhauses beim Bundesanzeiger, deren Trendlinie beim Umsatz eindeutig nach unten führt. Und das seit Jahren stetig.

Ich kann aber verstehen, dass sich der Betreiber versucht, nach Kräften gegen den Niedergang zu wehren. Obwohl sein Problem im Grunde eben nicht die Parkplätze in der Innenstadt sind, sondern strukturelle Schwierigkeiten des Geschäftsmodells. Aber natürlich respektiere ich eine solche Abstimmung, die auch das notwendig Quorum gefunden hat, um durchgeführt zu werden. 

Kurzum: Ich bin nicht mit den Befürwortern einer Meinung. Aber auch ich gehe davon aus, dass sie etwas zum Besseren (aus ihrer Sicht) bewegen wollen. 
Und dieser feige Mensch hat in meiner Kollegin eben nicht den Menschen gesehen, der etwas zum Besseren bewegen will, der in seinem Amt lediglich eine andere Meinung vertritt. 

Das ist schlimm und beschämend!

Und natürlich frage ich mich, wie es zu einer solchen Verrohung kommen kann. Vielleicht hat derjenige seine Position aus einem „Medium“ der Stadt bezogen, die sowohl die Verwaltung als auch uns Kommunalpolitiker als korrupte, faule, überbezahlte, Lügner und Betrüger sieht?

Doch, ein solches Medium gibt es leider auch in meiner Heimatstadt. Ein paar Kostproben der vergangenen Tage: 

„XX hört nicht auf, die Bürger zu belügen“: Gemeint ist der Kollege einer anderen Fraktion. 

„Wie die Stadt Ahrensburg das Steuergeld der Bürger veruntreut“

Veruntreut? Es geht um ein Fahrradparkhaus, das von den Bürger:innen nicht angenommen wird. Dessen Bau sah ich persönlich auch eher kritisch, aber „veruntreut“ wurde da nichts. 

„Umso schlimmer, dass die Stadtverwaltung das genehmigt hat. Es zeigt, wie korrupt die Stadt Ahrensburg ist.“ Als Kommentar darauf, dass die Gegner des Entscheids, eine Demonstration dagegen durchführen wollen. Eine Besetzung von Parkplätzen. Aber ordentlich als Demonstration angemeldet. Mit genauso viel Recht wie der Volksentscheid selbst. Das ist Demokratie. 

Und, welches Geistes Kind der Verfasser solcher Zeilen ist, zeigt sich schon allein daran, dass er von „Genehmigung“ spricht. Das Versammlungsrecht ist ein Grundrecht. Da ist nichts zu genehmigen. Es kann nur sehr entschiedene Gründe geben, dieses einzuschränken. Wir erinnern uns: Pandemie und so. 

In einem solchen aufgeheizten Klima und mit Texten (das gilt auch für Kommentare auf diese Artikel), die jeden Respekt gegenüber dem Vertreter einer anderen Meinung vermissen lassen, dürfen wir uns wohl nicht wundern, wenn Menschen, die sich in ihrer Freizeit politisch engagieren, beschossen werden. Denn aus Sicht der Täter trifft es ja offenbar keinen Menschen, sondern einen Lügner und Betrüger.

Das ist widerlich. Und Ahrensburg, ich schäme mich für dich!

Ich werde mein öffentliches Engagement indes sicherlich nicht überdenken, denn gerade in solchen Zeiten heißt es: Jetzt erst recht…

Meine Lektüre 2021

Das Jahr 2021 ist in wenigen Stunden Geschichte. Da wegen der Pandemie die sonstigen Ablenkungsmöglichkeiten überschaubar geblieben sind, konnte ich viel Zeit der Lektüre widmen. Und das trotz eines sehr erfreulichen Geschäftsjahres. Es folgen einmal wieder die Titel, die ich dieses Jahr gelesen habe.

Erneut gelesen

  • Thomas Mann: Der Zauberberg
  • Gustave Flaubert: Madame Bovary
  • Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm
  • Anna Seghers: Transit
  • Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
  • Robert Harris: Vaterland
  • George Orwell: 1984
  • Dostojewski: Der Spieler
  • Dostojewski: Der Idiot

Neu gelesen

  • Guy de Maupassant: Stark wieder Tod
  • Simenon: Maigret amüsiert sich
  • Simenon: Maigret und die Bohnenstange
  • George Packer: Die Abwicklung
  • Philipp Blom: Der taumelnde Kontinent
  • Donna Tartt: Der Distelfink
  • Simenon: Maigret hat Angst
  • Simenon: Maigret und der gelbe Hund.
  • Simenon: Maigret und der Mann auf der Bank.
  • Simenon: Maigret und die Schleuse Nr. 1
  • Virginia Woolf: Mrs. Dalloway
  • Stefan Zweig: Maria Stuart
  • Annet Mooij: Das Jahrhundert der Gisele
  • William Maxwell: Zeit der Nähe
  • Fritz J. Raddatz: Tagebücher 2002–2012
  • Jörn Leogrande: Bad Company
  • Florian Werner: Die Raststätte
  • Julien Green: Leviathan
  • Julien Green: Der andere Schlaf
  • Anna Haag: Denken ist heute überhaupt nicht mehr in Mode
  • Simenon: Der Präsident
  • Helge Hesse: Die Welt neu beginnen
  • Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrigblieb
  • Steffen Kopetzky: Propaganda
  • Gustave Flaubert: Jules und Henry
  • Julian Barnes: Die einzige Geschichte
  • Patrick Modiano: Unsichtbare Tinte
  • George Simenon: Maigret in der Liberty Bar
  • Iwan Gontscharow: Eine gewöhnliche Geschichte
  • Wilhelm Genazino: Wenn wir Tiere wären
  • Saul Friedländer: Proust lesen
  • Stig Sacterbarken: Durch die Nacht
  • Gustave Flaubert: Lehrjahre der Männlichkeit
  • Simenon: Maigret und der Fall Nahour
  • Hermann Stresau: Von den Nazis trennt mich eine Welt.
  • Anatol Regnier: Jeder schreibt für sich allein
  • Christian Adam: Lesen unter Hitler
  • Simenon: Maigret und der verstorbene Monsieur Gallet
  • Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende
  • Simenon: Maigret und der Spitzel
  • Simenon: Maigret und der Treidler der Providence
  • Klaus Bringmann: Augustus
  • Celeste Albaret: Monsieur Proust
  • Benedict Wells: Hardland
  • Simenon: Maigret und die Affäre Saint-Fiacre
  • Julian Barnes: Der Mann im roten Rock
  • Yoko Ogawa: Insel der verlorenen Erinnerung
  • Andreas Rauscher: 100 Seiten Star Wars
  • Sascha Mamczal: 100 Seiten Science Fiction
  • Wieland Schwanebeck: 100 Seiten James Bond
  • Leo Tolstoi: Kreutzersonate
  • Cäsar Aira: Was habe ich gelacht + weitere Novellen
  • Simenon: Hier irrt Maigret
  • Simenon: Maigret verteidigt sich
  • Vladimir Nabokow: Pnin
  • Simenon: Maigret contra Picpus
  • Simenon: Maigret erlebt eine Niederlage
  • Uwe Wittstock: Februar 1933
  • Jonathan Franzen: Crossroads
  • Dostojewski: Verbrechen und Strafe
  • Tsitsi Dangarembga: Aufbrechen
  • Hermann Stresau: Als lebe man nur unter Vorbehalt
  • Andreas Gusti: Dostojewski
  • J. J. Voskuil: Direktor Beerta
  • J. J. Voskuil: Schmutzige Hände
  • J. J. Voskuil: Plankton
  • Simenon: Der Witwer
  • Simenon: Maigret und das Schattenspiel
  • Simenon: Maigret regt sich auf
  • Simenon: Maigret hat Skrupel

Meine Top 3

Nun gehöre ich zu den Menschen, die sich bei einem langweiligen Buch nicht „durchbeißen“. Was mir nicht gefällt, lege ich weg. Unterhalten, angesprochen oder berührt fühlte ich mich also bei allen diesen Werken. Am meisten beeindruckt haben mich in diesem Jahr:

Donna Tartt: Der Distelfink

Was für ein Buch! Bei der Lektüre fühlte ich mich fast in meine Schülerzeiten zurückversetzt, so gebannt habe ich diesen Wälzer regelrecht verschlungen. Okay, ab und an zeigt der Plot kleine Schwächen, aber es ist eine ganz wunderbare und überraschende Geschichte. Klare Empfehlung! Es gibt eine tolle Rezension drüben beim Kaffeehaussitzer.

Helge Hesse: Die Welt neu beginnen

Ohne Zweifel mein Sachbuch des Jahres! Helge Hesse hat sich durch einen Berg Sekundärliteratur gepflügt und verknüpft verschiedene Ereignisse und Entwicklungen auf gekonnte Weise miteinander. Unterhaltsam und ganz wunderbar geschrieben, versteht er es eine Epoche anschaulich und lebendig zu beschreiben. Lassen Sie sich entführen!

J.J. Voskuil: Das Büro Band 1: Direktor Beerta

Ich bin immer etwas skeptisch, wenn mir jemand ein Opus ankündigt, das in einer Liga mit Proust spielen soll. „Das Büro“ ist ein Monument. Und ein unterhaltsames dazu. Sicherlich nicht für jeden, aber je mehr Zeit ich damit verbracht habe, umso stärker zog es mich in seinen Bann. Obwohl vorderhand wenig passiert; nur der Alltag im Wissenschaftsbetrieb geschildert wird, bleibt man „dran“. Ein wenig wie Seinfeld nur als Literatur. Dazu trägt auch die sehr reduzierte Sprache bei. Hier erinnert Voskuil an Simenon. Kein Wort zu viel, direkt auf den Punkt. 

Die NHL auf Sky – keine gute Idee

Sky-Kunden können der aktuellen Werbung kaum aus dem Weg gehen. „Die NHL hat eine neue Heimat – jetzt auf Sky“ tönt es da vollmundig. Und das ist nur vordergründig gut.

NHL auf Sky: Sie haben es schon wieder getan

Das große Problem an Sky ist die Forderung nach Exklusivität bei den Übertragungsrechten. Und nachdem Lizenzhändler aufgehört haben, Regionen zu vermarkten, sondern sich nicht entblödeten, auch noch Regionen und Übertragungstechnik zu unterscheiden (im Zeitalter von Konvergenz eine selten dämliche Idee), wird das alles bis zu einem gewissen Grad sehr undurchsichtig. Was die Fans bei den einzelnen Anbietern erwartet, läuft immer stärker in Richtung „Forrest Gump“. Sie wissen schon; die Schachtel Pralinen und niemand weiß, was er kriegt.

Jedenfalls hatte ich nach der Ankündigung von Sky, auch die NHL übertragen zu wollen, ein Déjà-vu. Wie in meiner Kritik zur Sky-IP-TV-Box geschrieben, bin ich bei Sky gelandet, um die Rennen der Formel 1 zu schauen. Und das nicht ganz freiwillig. Weil ich das ewige Gesabbel von Heiko Wasser und Kai Ebel nicht mehr ertrug, schloss ich ein Abo bei „F1.tv“ ab; die offiziell von der Formel 1 produzierten TV-Bilder im Stream. Mit englischem Kommentar und jeder Menge Zusatzmaterial. Und das zu einem Preis, der mit Netflix und anderen Streaming-Diensten konkurrieren kann.

Und dann kam Sky: Weil man die (gleichen!) Bilder wie auf F1.tv exklusiv haben wollte, wurden die Live-Übertragungen des Streaming-Dienstes in Deutschland kurzerhand gestrichen. So schön es natürlich auch ist, sich historische Rennen der 80er-Jahren aus dem Archiv anzuschauen, war ich an Liveübertragungen interessiert. Die gibt es für Deutschland auf dem offiziellen (!) Streaming-Dienst der Formel 1 nicht mehr.

Beinharte Techies werden jetzt einwenden, dass ich es mit anderen Adressangaben und einem VPN ja trotzdem hätte erreichen können. Aber da halte ich es mit Herrn Drosten: „Ich habe besseres zu tun“. Und außerdem spreche ich jetzt für einfache Fans, die diese Möglichkeit nicht haben.

So kündige ich also F1.tv und landete bei Sky. Und nun spielt sich das gleiche Drama bei NHL.tv ab.

Ein Rückschritt für die Eishockey-Fans

Nun muss ich zugeben, dass ich persönlich von der unschönen Entwicklung nicht ganz so stark betroffen bin. Ich habe mein Abo von NHL-TV (dem großen Vorbild für Magenta Sport in Sachen Eishockey) vor zwei Saisons nach vielen Jahren nicht mehr verlängert. Das lag zum einen am Zeitmangel, mir genügend Spiele in der Nacht live anzuschauen. Aber in erster Linie daran, dass ich keine Lust mehr darauf hatte, mir die Niederlagen meiner Flyers anzusehen. Die kommen seit Jahren nicht voran und meine Leidensfähigkeit ist begrenzter, als ich vermutet hatte.

Aber: Für 120 Dollar im Jahr konnten Fans aus Deutschland alle Spiele der NHL live verfolgen und auch als Re-Live. Wobei „alle“ nicht ganz zutreffend ist. Am Wochenende gab es durchaus einmal eine Begegnung, die unter die „Black Out“-Option fiel. Mit der NHL.tv auch transparent umgeht. In der Regel handelt es sich um Spiele, die landesweit in den USA von NBC ausgestrahlt werden. Da die sich aber eher auf Kings, Capitals, Bruins und Penguins fokussieren, betraf mich das so nicht.

Das sieht nun dank Sky leider nach ersten Rückmeldungen aus meinem Umfeld anders aus. 200 Spiele will der Sender live zeigen. Die ersten sind auch bereits gelaufen, nur diesmal nicht für die Zuschauer von NHL.tv aus Deutschland. Wenn das also wegen der Lizenzrechte so durchgezogen wird, entfällt ein erheblicher Anteil des Angebots auf der Plattform – sofern die Fans nicht auch noch ein Sky-Ticket buchen wollen. Was die monatlichen Kosten verdoppelt.

Und Sky bietet auch nicht die gleiche Leistung. Denn Sky sendet live oder als Aufzeichnung im weiteren Programmschema. Bei NHL.tv können die Fans in der Regel bereits rund 30 Minuten nach einer Begegnung diese im Re-Live anschauen. Eine Partie aus der Nacht, morgens beim Frühstück zu schauen, war also kein Problem. Das gibt es bei Sky offenbar (noch?) nicht.

Und das ist definitiv ein Rückschlag für die NHL in Deutschland. Und schade für die deutschen Fans. So macht das Geschäftsmodell von Sky ein weiteres grandioses Portal für deutsche Zuschauer weniger attraktiv.

Klasse Box: SKY IP-TV

Seit zwei Monaten habe ich jetzt die neue IP-TV-Box von SKY im Einsatz. Also genügend Zeit für einen Erfahrungsbericht aus dem Alltag. Für den Schnellleser: Ich kann den Einsatz empfehlen, auch wenn ich noch einige Verbesserungswünsche habe.

Warum die IP-TV-Box?

Eigentlich hatte ich in den vergangenen Jahren immer einen Bogen um Sky, oder besser, Vertragsangebote von Sky gemacht. Ab und ab habe ich mir mal das Sky Ticket gegönnt, vorzugsweise aber gerade auch deshalb, weil es rein über den Internetanschluss funktioniert. Genutzt hatte ich die App auf dem Fire-TV-Cube, ab und an auch per XBox, weil dort das Angebot an Live-Sendern größer ist. (Ja, ja die Rechteproblematik)

Nachdem sich Sky aber die Exklusivrechte der Formel 1 gesichert hat und ich gern mal wieder einige Rennen regelmäßig schauen wollte, buchte ich das entsprechende Ticket-Paket. Das ist, wenn man denn keine Vertragslaufzeit wünscht, zwar flexibel, aber teuer. Da kam das neue Angebot der IP-TV-Box „Sky Q über das Internet“ gerade recht. Denn es bot auf einem Blick ziemlich viel von dem, was ich benötigte.

  1. Funktioniert ohne Satellitenschüssel oder Kabelanschluss. Ein Internetzugang genügt. Versteht sich von selbst, dass es besser ist, eine große Bandbreite gebucht zu haben.
  2. Angeboten werden die bekannten Programmpakete.
  3. Es sind eine ganze Reihe von linearen TV-Sendern im Paketpreis enthalten.
  4. Wie beim Fire-TV gibt es viele Apps, um mit dem Gerät auch Netflix oder Amazon Prime Video zu schauen.

Für mich das ideale Angebot, da ich das Formel 1 Paket günstiger nutzen kann und gleichzeitig meinen Account bei Waipu-TV in den Ruhestand versetzen konnte.

Anschluss und Einrichtung

Geliefert wird ein kleines Paket, in dem sich die Box, das Netzteil, ein HDMI-Kabel und die Fernbedienung befinden. Das ist alles – wohl auch von allen technischen Laien – binnen ein paar Minuten zusammengesteckt. Nach dem Einschalten geht es in den Setup-Prozess. Was mir dabei auffiel, war die etwas ungewöhnliche Eingabemaske für die Anmeldedaten. Die Buchstabenauswahl in einem vertikalen Feld anzuordnen, hatte ich so noch nicht gesehen. Zur Einrichtung des WLAN kann ich nichts sagen, da ich die Box ausschließlich per Ethernet betreibe. Router und Box befinden sich im gleichen Raum, da bietet sich das einfach an.

Benutzung im Alltag

Dass Sky mit der Box den Anspruch erhebt, mehr abzuliefern, als nur eine weitere Streaming-Box, zeigt sich beispielsweise in der Option, der Box auch die Steuerung von Fernseher und Soundsystem zu überlassen. Das funktioniert durch Ausprobieren verschiedener Optionen, nachdem ein Hersteller aus einer Liste ausgewählt wurde. Schneller geht es, wenn die genaue Typenbezeichnung bekannt ist. Und es funktioniert auch nach der Einrichtung problemlos.

Das Angebot an linearen Sendern reicht meinen Ansprüchen vollkommen. Es sind die öffentlich-rechtlichen Sender dabei, die Sender der P7S1- und RTL-Gruppe. Die Menüführung ist aus meiner Sicht einsichtig. Beim Zappen habe ich deutliche Verzögerung nur beim ersten Aufruf eines Programms bemerkt. Kurzum: Wer mit Zattoo oder Waipu.TV zufrieden ist, wird in Hinblick auf das Handling keinen Unterschied zur Sky Box bemerken.

Während der vergangenen Wochen musste ich einmal die Box neu starten. Offenbar konnte sie die entsprechende URL nicht mehr aufrufen. Das funktioniert auf dem klassischen Weg (Ziehen des Netzsteckers). Womit wir bei meinen Wünschen wären.

Was fehlt der SKY IP-TV-Box noch?

Ein Neustart (Soft Reset) direkt über die Oberfläche wäre so eine Funktion, die aus meiner Sicht nicht schaden könnte. Das bieten der Magenta-TV-Stick und der Fire-TV Cube auch.

Leider gibt es aktuell keine Möglichkeit, die Wiedergabe des Programms zu unterbrechen oder eine Sendung neu zu starten. Es sei denn, die Sendung steht auch im jeweiligen Programmpaket auf Abruf zur Verfügung. Dann bietet die Box direkt beim Programmwechsel einen entsprechenden Hinweis.

Damit verbunden: Ganz oben auf der Wunschliste steht eine Aufnahmemöglichkeit. Dank Cloud-Speicher kann das nicht sonderlich schwer umzusetzen sein und technisch würde die IP-TV-Box damit auch dem regulären Q-Receiver gleichgestellt.

Dann wäre die Box aus meiner Sicht eine perfekte Alternative für alle Sky-Kunden, die nach einer platzsparenden und energieeffizienten Lösung suchen, um lineares Fernsehen und Sky zu verbinden. Und das allein per Internetanschluss.