Schlagwort-Archive: Lektüre

Hab mal die Tomorrow gelesen

Beim letzten Besuch des Bahnhofskiosk meines Vertrauens sah mich die aktuelle Ausgabe der Tomorrow so verlockend an, dass ich sie zum angepriesenen Kampfpreis von einem Euro einfach mitnehmen musste. Nachdem sich der Chefredakteur bereits an der PC Welt versucht hat, verleiht er der Tomorrow ein neues Gesicht.
Das Blatt hat inhaltlich ja eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Zunächst wohl mehr als Internet-Programmie und Pl@net-Verschnitt gestartet, ging sie dann ziemlich stark in Richtung eines Standard-PC-Magazins. Nun wird fröhlich gebaut und herausgekommen ist ein Magazin, das ganz augenscheinlich seine Zielgruppe sucht.
Für Geeks und Nerds werden die neuesten Gadgets in Wort und Bild vorgestellt. Aber Geeks und Nerds braucht niemand Web 2.0 Dienste zu erklären, als seien die Leser vier Jahre alt. Ganz schlimm die Abbildung eines geöffneten Aktenkoffers, mit Verweisen auf Web-Angebote, die die Funktion eines dargestellten Gegenstands übernehmen könnten. Dann darf wiederum Lars Hinrichs seine Lieblingsanwendungen im Web vorstellen. Ob sich aus einem kleinen Kasten der Nutzen von openBC für Einsteiger, die ja nun auch Zielgruppe des Magazins zu sein scheinen, erschließt?
In Richtung PC-Magazine geht dann die Vorstellung der kleinen und preiswerten Notebooks (OLPC&Co), kratzt aber nur an der Oberfläche. Alles insgesamt nett präsentiert, aber weder so recht Fisch noch Fleisch. Aber für einen Euro habe ich wenigstens eine schöne Home-Story über Marissa bekommen.

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Mal wieder Proust lesen

Nach meiner Erfahrung, neigt man mit zunehmenden Alter eher dazu, Werke aus der Literatur, die einen tiefen Eindruck hinterlassen habenm noch einmal zu lesen. So geht es mir gerade mit Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, das ich im Alter von 18 oder 19 Jahren binnen weniger Wochen verschlungen habe. Die Monumentalität, die Sprachgewalt faszinieren mich auch heute noch, allerdings lese ich nunmehr doch bereits drei Wochen an „In Swanns Welt“. Das ist wohl der wesentlichste Unterschied zwischen den Studentenjahren und der Berufstätigkeit. Ich habe leider weniger Zeit dafür.

Kompliment an den Journalist

Es gab schon Tage, da kam die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Journalist und ich trug sie nahezu ungelesen zum Altpapier. Was aber seit dem Wechsel in der Chefredaktion so im Postkasten liegt, ist sehr lesenswert geworden. Ich wünsche der Redaktion, dass Sie das Händchen für gute Themen behält und das Heft sich nicht wieder zur altbackenen Vereinspostille zurückentwickelt.

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Charles Lewinsky: Melnitz

Schon lange wollte ich den Roman von Charles Lewinsky lesen, aber die über 700 Seiten ließen es angeraten, mit der Lektüre auf den Sommerurlaub zu warten. Die Entscheidung war richtig, denn andernfalls hätte ich mit tiefen Ringen unter den Augen am Arbeitsplatz gesessen, denn das Buch hat mich nicht losgelassen. Das Werk Lewinskys ist monumental, wie es sich für Familienchroniken gehört, denn nichts anderes wird hier erzählt. Die Geschichte der jüdischen Familie Meijer aus der Schweiz. Vom Auftauchen eines entfernten Verwandten im Jahre 1871 bis zum Ende des 2. Weltkriegs.

Der Autor erzählt aber nicht nur die fiktive Geschichte dieser jüdischen Familie sondern damit zugleich auch ein Stück Schweizer und Weltgeschichte. Sprachlich wunderbar und feinsinnig, einfühlsam und in seinem Grundtenor von Traurigkeit und Melancholie ist das Buch geprägt. Am Ende sind einem die Charaktere ans Herz gewachsen und fast zur eigenen Mischpoche geworden.

Auch wenn der Urlaub vorbei ist, die langen Herbstabende kommen mit Sicherheit!

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