Gut in Deutschland zu sein

Es ist toll in Deutschland zu sein. Hier ist alles so hübsch sauber und ordentlich (von einigen an Hauswänden gesprühter Grafiken verirrter Jugendlicher einmal abgesehen). Der Wettbewerb zwischen Unternehmen ist juristisch geregelt, wodurch sich Werbemailings und Prospekte so ordentlich gleichen, weil sich ja niemand gegenüber seinem Mitbewerber in juristisch abmahnfähiger Form exponieren möchte. Und richtig toll ist das Markenrecht: Man registriert seine Marke und hat damit ein höchst schützenswertes Gut für sich.

Und das mit dem Gut, das ist auch gut so. Sonst könnte ja der weltweit bekannteste Suchmaschinenanbieter auf die saudoofe Idee kommen, seinen neuen Maildienst einfach „GMail“ zu nennen. Na, auf die Idee kann er schon kommen, aber wenn er es dann tatsächlich auch tut. Das geht nicht an. Markenschutzrechtsverletzungsalarm!

Gut, dass das passiert ist. Denn nun heisst Googles Mail-Dienst eben Google Mail. Das ist auch irgendwie viel ordentlicher und entspricht damit viel mehr der deutschen Mentalität. Diese Amis, da müssen wir erst kommen, damit sie sich einen vernünftigen Namen für ihren Maildienst ausdenken.

Das Ende der Geschichte? Nein, weit gefehlt. Wie heute bei Heise hier zu lesen ist, hat der Anwalt, der sich bisher dadurch auszeichnete, andere Leute kostenpflichtig zu behelligen, weil sie sich des Vergehens (Markenschutzrechtsverletzungsalarm!) der Versteigerung von *Mail-Einladungen schuldig gemacht hatten, wobei die eigentliche Versteigerung nicht das Vergehen war, sondern das Führen des geschützen Namens – dieser Anwalt hat heute bei Gericht eine einstweilige Verfügung erwirkt, die es Google untersagen soll, deutschen Nutzern E-Mail-Adressen unter der Domain gmail.com anzubieten.

Liebe Hamburger Richter! Das war aber auch höchste Zeit. Gut, dass Ihr diese wegweisende einstweilige Verfügung ausgesprochen habt. Denn damit kehrt endlich wieder Ordnung in der deutschen virtuellen Realität ein. Oder aber Google widerspricht dieser Verfügung. Dann könnte in einem Verfahren endlich der Groteske ein Ende bereitet werden.

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