Als Gartenarbeit noch idyllisch und ein Wintermorgen stille war

Gehören Sie zu den Menschen, die am Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts oder sogar früher geboren worden sind? Dann erinnern Sie sich vielleicht noch daran, dass der Beruf des Gärtners durchaus idyllische Züge hatte. In meinem Elternhaus gab es nicht ausreichend liquide Mittel und schon gar keinen Garten, somit entfiel Kenntnisse über die Gartenarbeit durch Beobachtung eines „eigenen“ Gärtners zu gewinnen. Meine Beobachtungen beschränken sich also auf städtische Angestellte, die es (vielleicht) schon wegen ihres Status etwas ruhiger haben angehen lassen. Aber ich erinnere mich, dass es Spaß machte, beispielsweise im Herbst einen Gärtner dabei zu beobachten, wie er Laub zusammenharkte und -fegte. Gleichmäßig und anmutig waren die Bewegungen und dank der besonders großen Harken und breiten Besen bildete sich in kürzester Zeit ein beeindruckender Laubhaufen. Hörbar war davon allenfalls ein leichtes, gemächliches Kratzen der Werkzeuge auf dem Erdboden.

Das ist heute leider vorbei. Nach meiner Einschätzung seit etwa zwei bis drei Jahren haben knatternde, stinkige Laubbläser ihren Siegeszug auch in privaten Haushalten angetreten. Vorbei sind idyllische Herbstnachmittage, schließlich soll der Garten ja sauber werden. Da wird geblasen, was das Zeug hält. Abgesehen davon, dass ich befürchte, dass diese Laubsauger zu den größten ökologischen Irrtümern zumindest seit Erfindung der FCKW-Spraydosen gehören, frage ich mich, wieso eigenlich noch niemand auf die Idee gekommen ist, einen „Führerschein“ für Laubsauger anzubieten oder zu fordern. Anscheinend ist das Gros der Nutzer von diesen Geräten überfordert oder das Laub schlicht zu widerspenstig. Da wird in alle möglichen Richtungen und Ecken geblasen, nur ein Laubhaufen will sich einfach nicht bilden. Interessanterweise passiert dies auch Profis, wenn ich unterstellen darf, dass die Angestellten einer Gartenbaufirma Profis sind. So nerven die Zweitakter lautstark vor sich hin und meine Erinnerung sagt mir, dass mit Harke und Besen der Fall wohl schon erledigt wäre.

Doch nicht genug, dass die Idylle des Herbstes entschwindet. Vernahm ich in meiner Jugend an einem Wintermorgen wie diesem ein gleichmäßiges Schaben und Kratzen auf den Bürgersteigen, sind motorbetriebene Schneebesen offenbar in einem Preissegment angelangt, dass ihren breiten Einsatz auch in privaten Haushalten befürchten läßt. So räumte ein Nachbar heute morgen ab 5 Uhr in der Frühe den vor seinem Grundstück liegenden Bürgersteig. Das ist im Vergleich zu anderen Grundstückseigentümern in meinem Viertel durchaus lobenswert, da diese gern etwas länger schlafen und den Schnee einfach liegen lassen. Aber für knappe 7 cm Neuschnee und etwa 30 laufende Meter Grundstück ratterte der Motor lautstark nervende 45 Minuten. Eine Zeitspanne, die mich gegen 5 Uhr in der Früh durchaus stört. Es scheint mir, dass die Schneeräumungswerkzeuge für die privaten Haushalte dem klassischen Schema der Industrie entsprechen. Damit sie zu einem profitablen Preis angeboten werden können, der den Privatmann nicht abschreckt, wird an der Qualität gespart. Damit braucht der Nutzer zwar viel länger, als mit einem professionellen Werkzeug, hat aber zugleich den Eindruck, gaaaaanz viel Zeit und vor allem Mühe im Vergleich zu früheren Zeiten gespart zu haben. Nerven tut es trotzdem…

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