Warum ich Genazino mag

Ich mag Wilhelm Genazino, nicht erst seit er von der breiten Öffentlichkeit ent- und mit dem Büchner-Preis 2004 eingedeckt wurde. In seinen Werken finden sich wunderbare, sprichwörtlich „nach“-denkenswerte Aussprüche. Zuletzt habe ich von ihm „Ein Regenschirm für diesen Tag“ gelesen.
Sprachlich wunderschön und witzig schildert Genazino hier die Merkwürdigkeiten unseres Alltags. In einer Leichtigkeit, einem Plauderton, wie ich ihn auch an Fontane schätze, gelingt es ihm, uns allen unsere Umwelt vorzuhalten, die plötzlich in einem anderen Licht erscheint. So bemerkt der Titelheld auf einem seiner Spaziergänge als Tester für Luxusschuhe:

„Endlich gelingt es mir, die Jugendlichen interessant zu finden. Gleich fünfmal müssen sie ausdrücken, daß sie jung sind: durch die Zappeligkeit ihrer Körper (1), durch die Gegenstände (Cola, Popcorn, Comics, CDs) in ihren Händen (2), durch ihre Bekleidung (3), durch ihre Musik, dargestellt durch Stöpsel in den Ohren und Drähten um den Hals (4), und durch ihren Slang (5).“

Und schon hält dieser Autor einem den Spiegel der eigenen Vergangenheit vor. Ich wünschte mir mehr Werke wie dieses in der deutschen Literatur.

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