Der Tell a friend Schwachsinn

Kaum eine Fibel zum Internetmarketing kommt inzwischen ohne den Hinweis auf virales Marketing aus. Zum Standardrepertoire von Beratern und solchen, die sich dafür halten, gehört es, den Unternehmen einzureden, dass unbedingt eine “Tell a friend”-Funktion auf den Seiten oder in den Produkten zu finden sein muss.

Da die Bereitschaft der Besucher, eine solche Funktion zu nutzen, wohl inzwischen auch nicht mehr in die erwartete Richtung geht, wird nun mit Belohungen aller Art gewinkt: “Nehmen Sie an einer Verlosung teil, verdienen Sie sich einen Freimonat, kaufen Sie günstiger in unserem Shop…”

Nun bekomme ich jeden Tag reichlich total wichtige Artikellinks von diversen Online-Magazinen und wenigstens eine solche Produktempfehlung. Dazu tragen ein weitreichender Freundes- und Bekanntenkreis bei, aber auch die Nennung meiner Mailadresse in meinen Büchern. So bekomme ich eben auch “Tell a friend”-Mails von Leuten, von denen ich nie im Leben etwas gehört habe.

Machen wir uns nichts vor: Tell a friend ist nichts anderes als Spam mit einem neuen Namen und einem kleinen Deckmäntelchen. Die Unternehmen freut es: Gelangen Sie damit doch gleich an die zwei (offensichtlich) validen Mailadressen des Werbers und des Empfängers. Und wie bei Spam selbst ist das erstaunlichste, dass das System funktioniert. Wenn die Menge der Mails groß genug, klicken auch genügend Leute auf den Link.

Aber ein bisschen einfallsreicher darf es meiner Meinung nach schon sein. Orkut, Googles Mail oder auch Hi5 betreiben schon eher das, was ich mir unter “Marketing”, das auch noch viral sein soll, vorstelle. Das, was die anderen Firmen implementiert haben (und sicherlich mit viel Geld bei ihren Beratern bezahlen), erinnert mich mehr an das Gießkannenprinzip. Und das gehört nun nicht gerade zu den schlagkräftigen Waffen des Marketings im 21. Jahrhundert.

TagCloud wieder verschwunden

Wie der eine oder andere sicher bereits bemerkt hat, habe ich das Experiment TagCloud bereits wieder für beendet erklärt. Ich fand es optisch durchaus nett anzuschauen, die Gründe für das Ende sind aber ganz praktischer Natur:

  1. Problem mit Umlauten: TagCloud hat leider ein Problem mit den deutschen Umlauten. Diese könnte ich zwar dadurch umgehen, dass ich regelmäßig die Liste der Stoppworte in meiner Cloud anpasse. Dazu fehlen mir aber die Lust und die Zeit.
  2. Geschwindigkeit: Die Abfrage des Servers in den USA dauert einfach schlicht zu lange.

Schade..vielleicht versuche ich es später noch einmal.

Freehand RIP

Gestern flatterte mir die Ankündigungs PM von Macromedia zum neuen Studio-Paket in den elektronischen Postkasten. Habe ich mich zunächst nur etwas über das fehlende Freehand gewundert, hatten die Kollegen von news.com bereits vermeldet, dass Freehand nicht mehr weiterentwickelt wird. Nach der Übernahme von Macromedia durch Adobe war klar, dass es zu einer Bereinigung der Produktpalette kommen würde, allerdings finde ich es dennoch schade, dass Freehand wohl die interne Prüfung nicht überstanden hat.

Zwar hat Adobe im professionellen Umfeld mit dem Illustrator de facto einen Standard gesetzt, allerdings war Freehand meiner Ansicht nach dem Konkurrenten durchaus ebenbürtig, hatte aber das schickere Bedienkonzept.

Nun ist also wieder eine (kommerzielle) Alternative weg gefallen. Wer derzeit nach einem Programm aus dem OpenSource-Bereich sucht, dem empfehle ich nachdrücklich Inkscape, das bereits in seiner aktuellen 0.42 eine beeindruckende Funktionsvielfalt anbietet.

Hardwareluxx goes print

Hardwareluxx, das Online-Magazin für den gehobenen Hardwareanspruch, versucht einmal den umgekehrten Weg. Vom Online-Business an den Bahnhofskiosk. In den Zeiten der redaktionellen Sparzwänge und des Innovationsstaus in den Verlagshäusern ein bewundernswerter Schritt. Ich wünsche den Machern, dass ihr Konzept aufgeht. [via Netzausfall]

Post It Notes für den Webserver

Was sich mit etwas Talent aus Python, JavaScript und einer Datenbank so machen lässt, zeigt eindrucksvoll Webnote. Tony (Softwareentwickler bei Google.com) stellt auf seinem Webserver für jeden kleinen Post-It Notes zur Verfügung. Alles was zur Bedienung benötigt wird, ist ein aktueller Webbrowser. Die Funktionalität ist einfach, aber bestechend. Ein Mausklick auf das Symbol einer neuen Notiz und schon können Sie losschreiben. Die Notizzettel lassen sich mit der Maus auf der Arbeitsfläche anordnen. Auch an einen Filter hat der Programmierer gedacht: Geben Sie ein Stichwort ein, werden Ihnen nur die relevanten Notizen zum gesuchten Begriff angezeigt.

Screenshot Webnote

Wer das Angebot nutzt, sollte daran denken, dass auf Tonys Server keine Möglichkeit besteht, die Notizen mit einem Passwort zu versehen. Der Download des Sourcecodes ist aber nur einen Mausklick weit entfernt: Schon können Sie auf Ihrem Web-Server mit der Anwendung arbeiten und natürlich den Zugang etwa mit htaccess absichern. Ein schönes Stück Software, das ich auch gleich auf meinem System installiert habe!