Lange habe ich nichts über meine Arbeitstools geschrieben. Zeit für ein Update, denn fast alles hat sich verändert.
Hardware
Mein aktueller Hauptrechner ist ein Mac Mini mit M4-Prozessor und großer SSD. Der Vorgänger lief noch tadellos und war schnell genug. Aber der kompakte Formfaktor hat mich gereizt, also habe ich gewechselt.
Unterwegs läuft ein MacBook Air mit M2. Beide Maschinen bleiben flüsterleise, selbst wenn ich längere Audios transkribiere.
Software
Als professioneller Schreiber setze ich täglich auf eine Handvoll Programme. Irgendwann wurde mir der Zoo zu groß und ich habe ausgemistet.
Schreibprogramme
Von insgesamt drei Anwendungen habe ich mich vollständig verabschiedet.
- Papyrus (Autor): Der Software bin ich viele Jahre treu geblieben und habe regelmäßig das Update gekauft, nicht zuletzt wegen der vorbildlichen Integration des Duden-Korrektors. Aber der Preis für das letzte Update war schlicht unverschämt. Die Oberfläche wirkt auf dem Mac nach wie vor wie ein Fremdkörper. Und LanguageTool in der Pro-Version steht dem Duden inzwischen in nichts nach.
- MS VS Code: Ich liebe Editoren. Auch mit dem Microsoft-Editor war ich lange zufrieden, gerade wegen der zahlreichen Extensions. Aber über 1 GB auf der Festplatte für einen Texteditor sind zu viel.
- Ulysses: Noch ein Kandidat. Ich schreibe gern in Markdown, und das Tool sieht schick aus. Aber 50 Euro im Jahr für ein Programm, das selten neue Funktionen bekommt, sind schwer zu rechtfertigen. Zumal ich zwischenzeitlich auch auf meine Texte unter Windows zugreifen musste.
Auf der Platte geblieben ist Scrivener. Ich mag das Programm nach wie vor, nur fehlt mir aktuell ein passendes Projekt im Buchformat.

Womit schreibe ich also jetzt?
- CotEditor: Ein kostenloser, schneller Texteditor für den Mac, der mir alles bietet, was ich brauche. Auch umfangreiche Dateien öffnet er zügig, die Suche arbeitet mit regulären Ausdrücken. Ein Plus: Die App unterstützt LanguageTool direkt.
- Obsidian: Das Programm hat Ulysses als Textzentrale abgelöst. Damit ich auf allen Rechnern denselben Datenbestand nutze, zahle ich für Obsidian Sync, statt eine eigene Lösung aufzusetzen. Besonders wertvoll ist das transparente Dateisystem: So kann ich meine Texte parallel im CotEditor bearbeiten. Aktuell: LanguageTool unterstützt jetzt auch Obsidian direkt, ohne Plug-in.
Tools rund um das Schreiben
Neben dem Textprogramm setze ich weitere Tools ein, um finale Texte zu produzieren.
- Pandoc begleitet den Schreibprozess, bleibt dabei aber fast unsichtbar. Das Tool wandelt meine Markdown-Texte in die Formate um, die Auftraggeber verlangen, in der Regel die beiden gängigen Office-Formate. Damit ich die Parameter nicht jedes Mal neu eintippe, rufe ich ein kleines Shellskript über Kurzbefehle auf.
- Typinator spart mir täglich Zeit. Das Textersetzungs-Tool arbeitet blitzschnell und bietet dank Variablen viele Möglichkeiten, etwa das Anlegen einer Artikelgrundstruktur auf Knopfdruck. Die Lizenz lohnt sich.
- PopClip: Kaum wegzudenken. Das Tool erscheint, sobald du Text markierst, und zeigt vorab ausgewählte Aktionen an, etwa Kopieren, zur Zwischenablage hinzufügen oder Anführungszeichen setzen. Kostet wenig, spart viel.
- Paste: Die Zwischenablage nutzt du wie ich viele Male täglich. Paste speichert diese Einträge und macht sie durchsuchbar. Braucht nicht jede, zu meinem Workflow passt es.

Bildbearbeitung
Zu einem Text gehören Bilder. Für Screenshots greife ich auf allen Plattformen auf das Bordwerkzeug des Betriebssystems zurück.
Fotos bearbeite ich mit Pixelmator Pro, also skalieren und zuschneiden. Die KI-Funktionen zum Freistellen und Skalieren sind stark. Deshalb hat mich die Übernahme der Firma durch Apple auch nicht begeistert. Ob ich auf das »Kreativ-Bundle«von Apple wechsle oder meine Version so lange nutze, wie es geht, wird sich zeigen.
Transkription
Zum Job gehört es, regelmäßig Interviews zu führen. Früher war das anstrengend: konzentrieren, gleichzeitig Notizen machen. Oder später eine Kassette stoppen und starten, um Zitate herauszuschreiben. Heute läuft das anders. Seit Corona hat keine einzige Person abgelehnt, ein Interview per Teams oder Zoom zu führen. Ich zeichne das Gespräch auf und verpasse nichts mehr. Meine Aufmerksamkeit gehört dem Gegenüber und dem, was es erzählt.

Texte und Zitate brauche ich weiterhin. Die Arbeit erledigt MacWhisper lokal auf meinem Rechner. Wer eines der großen Sprachmodelle nutzt, bekommt Ergebnisse, die die eingebauten Funktionen von Teams und Co. übertreffen. Und dank des Mac Mini kann ich parallel weiterarbeiten, während das Programm transkribiert.
Recherche und KI
Hier setze ich auf zwei Dienste:
- Inoreader: Den Dienst habe ich hier schon einmal vorgestellt. Inoreader als Feed-Aggregator zu bezeichnen, wird ihm schon lange nicht mehr gerecht. RSS-Feeds lassen sich damit nach wie vor verwalten, aber die integrierte KI ist inzwischen so ausgereift, dass ich auch Pressbereiche und Newsräume zuverlässig verfolgen kann, die keinen Feed anbieten. Das sind leider immer mehr. Praktisch: Direkt in Inoreader lassen sich Newsletter abonnieren. So landen fast alle Recherchequellen an einem Ort und die täglich eintreffenden Newsletter verstopfen nicht den Posteingang.

- Claude.ai: Die Anthropic-KI nutze ich über einen eigenen API-Schlüssel. Wer bereit ist, etwas zu basteln, kommt deutlich günstiger weg als mit einem Monatsabo. Claude übernimmt zwei Aufgaben. Längere Texte oder Präsentationen lasse ich zusammenfassen. Gelegentlich muss ich aus Featuretabellen die Unterschiede zwischen Geräten herausarbeiten. Da liefert die KI brauchbare Ergebnisse, ein Gegencheck bleibt aber sinnvoll. Das zweite große Thema ist das Redigieren. Ich setze auf einen schlichten Prompt: Wiederholungen eliminieren, Gendern, Substantivierungen auflösen, Füllwörter finden und streichen. Grundlage ist ein längeres Training mit meinen eigenen Dokumenten.
Soweit meine Übersicht. Sieht vermutlich immer noch nach viel Software aus, für meine Verhältnisse ist es aber überschaubar geworden.
