Der Tell a friend Schwachsinn

Kaum eine Fibel zum Internetmarketing kommt inzwischen ohne den Hinweis auf virales Marketing aus. Zum Standardrepertoire von Beratern und solchen, die sich dafür halten, gehört es, den Unternehmen einzureden, dass unbedingt eine „Tell a friend“-Funktion auf den Seiten oder in den Produkten zu finden sein muss.

Da die Bereitschaft der Besucher, eine solche Funktion zu nutzen, wohl inzwischen auch nicht mehr in die erwartete Richtung geht, wird nun mit Belohungen aller Art gewinkt: „Nehmen Sie an einer Verlosung teil, verdienen Sie sich einen Freimonat, kaufen Sie günstiger in unserem Shop…“

Nun bekomme ich jeden Tag reichlich total wichtige Artikellinks von diversen Online-Magazinen und wenigstens eine solche Produktempfehlung. Dazu tragen ein weitreichender Freundes- und Bekanntenkreis bei, aber auch die Nennung meiner Mailadresse in meinen Büchern. So bekomme ich eben auch „Tell a friend“-Mails von Leuten, von denen ich nie im Leben etwas gehört habe.

Machen wir uns nichts vor: Tell a friend ist nichts anderes als Spam mit einem neuen Namen und einem kleinen Deckmäntelchen. Die Unternehmen freut es: Gelangen Sie damit doch gleich an die zwei (offensichtlich) validen Mailadressen des Werbers und des Empfängers. Und wie bei Spam selbst ist das erstaunlichste, dass das System funktioniert. Wenn die Menge der Mails groß genug, klicken auch genügend Leute auf den Link.

Aber ein bisschen einfallsreicher darf es meiner Meinung nach schon sein. Orkut, Googles Mail oder auch Hi5 betreiben schon eher das, was ich mir unter „Marketing“, das auch noch viral sein soll, vorstelle. Das, was die anderen Firmen implementiert haben (und sicherlich mit viel Geld bei ihren Beratern bezahlen), erinnert mich mehr an das Gießkannenprinzip. Und das gehört nun nicht gerade zu den schlagkräftigen Waffen des Marketings im 21. Jahrhundert.

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