Die Blogs, die Katheter, der Chefredakteur

Über journalistischen Standesdünkel habe ich vor gerade mal zwei Monaten in einem längeren Artikel an dieser Stelle ausgelassen. Im MEX Blog lese ich heute ein Zitat, das Peter Felixberger, Chefredakteur des Online-Magazins ChangeX zugeschrieben wird.

Blogs sind Katheter der persönlichen Befindlichkeiten.

Au, das tut weh. Da hat der Mann also offenbar alles an schwerer Munition aufgefahren, die sich im Waffenarsenal eines vom ganz schweren Dünkel betroffenen Berufsschreibers so findet. Sinngemäss soll weiter salbadert worden sein, dass es nur einen Berufsstands gäbe, der dazu berufen sei, Neuigkeiten in die Welt zu setzen. Das seien nicht die Blogger, sondern die Journalisten. Jawohl!

Also nichts gegen ChangeX, aber könnte der Herr Chefredakteur mal das Wort „Wandel“ im Zusatz seines Magazins ersatzlos streichen? Jemand, der einem tiefgreifenden Wandel in der Online-Welt, der sich gerade ansatzweise durch Blogs, Wikis & Co zeigt, so hilf- und argumentationslos begegnet, berichtet vielleicht besser nicht mehr über Wandel. Könnte leicht überfordert sein.

Apropos: Gewandelt hat sich ChangeX auch. Waren früher Artikel frei zugänglich, die es zum Teil wenigstens verdient hatten, auch mal in der Brand Eins zu erscheinen, ist für die ungestörte Lektüre nun ein Abo nötig. Leider findet sich im geschlossenen Bereich aber immer weniger zum Wandel selbst, sondern mehr Rezensionen zu Büchern oder Lebensweisheiten von Trainern zum „Überleben im Veränderungsdschungel“. Die Trainer dürfen dann bestimmt auch bald ein Buch schreiben, das dann von den berufenen Journalisten der ChangeX rezensiert wird.

Äh, kann es sein, nun, dass es in der Kritik vielleicht mehr darum geht, dass es inzwischen in der Blogosphäre frei zugänglich Artikel gibt, die es zum Teil wenigstens verdient hätten, in der…?

3 Antworten auf Die Blogs, die Katheter, der Chefredakteur

  1. Christiane 15/7/2005 at 23:33 #

    Ich verstehe die Aufregung so mancher Journalisten auch nicht. Ich bin Journalistin geworden, weil ich gerne schreibe, mit Sprache umgehe und andere informiere. Wenn diese Leidenschaft noch andere teilen, freut mich das – auch wenn das Ergebnis am Ende nicht Zeitung, Zeitschrift etc. sondern Blog heißt. Zudem habe ich noch nie so viel Meinungen zu meinen Artikeln lesen können wie in den vergangenen 12 Monaten. Das muss man ertragen können, aber es ist auch lehrreich und manchmal fällt ja doch ein Lob ab. 🙂

  2. Stephan 16/7/2005 at 15:07 #

    Hallo Christiane,

    auch wenn das Ergebnis am Ende nicht Zeitung, Zeitschrift etc. sondern Blog heißt.

    Ich glaube, solche Kommentare entstehen durch blosse Existenzangst. Ich habe da eine ähnliche Einstellung wie Du, sehe meinen Beruf zwar auch durchaus als Berufung, bin aber (jetzt einfach mal bei Giesbert geklaut) nur ein Gebrauchstexter. Letztlich wird es einfach so sein, wie beim Durchbruch jeder neuen Technik: Die einen finden es auf Anhieb toll, die anderen haben Angst davor. Das soll schon so bei der Erfindung der Eisenbahn gewesen sein 🙂

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