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Ordnung ohne Stress

Von Frank-Michael Rommert habe ich freundlicherweise ein Rezensionsexemplar seines Buches “Ordnung ohne Stress” erhalten. Dafür vorab ein herzliches Dankeschön. Wie der Untertitel verrät, will Frank-Michael nicht einfach zeigen, wie Sie aufräumen, sondern verrät vielmehr, wie Sie Ihre Unterlagen mit der Mappei-Methode in den Griff bekommen. Das Buch ist im Gabal-Verlag erschienen und macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Hardcover und Lesebändchen(!) sind Attribute, die viele Sachbücher heute leider vermissen lassen. Nun ist Verpackung ja nicht alles, deswegen auch flott zum Inhalt.

Im ersten Teil des Buches zeigt der Autor die vielen Vorteile, die eine Ablage in Einzelvorgängen gegenüber den klassischen Ordnern bietet, denn was die meisten Anwender nicht vermuten, ist der Raum- und Zeitgewinn, der sich durch ein solches System umsetzen lässt. Hängemappen sind im Zweifel auch keine Lösung, denn durch die Mechanik wird erneut unnötig Platz verschwendet. Auch auf das Selbstmanagement nach der GTD-Methode wird hier Bezug genommen.

Danach werden die Instrumente von Mappei vorgestellt. Der Autor geht intensiv auf Mappen, Boxen und Beschriftungsmöglichkeiten ein. Allerdings ist aus meiner Sicht eine Beschreibung, wie ich denn ein Etikett beschrifte und anklebe, überflüssig. Dieser Teil ist mit knapp 70 Seiten nicht gerade kurz und eignet sich sehr gut als Nachschlagewerk und Inspiration, wenn es denn mit Mappei etwas zu organisieren gibt. Der eigentliche Erkenntnisgewinn für den Leser ist aber eher überschaubar.

Gut gelungen ist dagegen dann wiederum der letzte Teil des Buches, der sich konkreten Anwendungsfällen widmet. Erstens schaue ich persönlich ohnehin anderen gern beim Organisieren ihre Aufgaben und Dokumente zu, zum anderen geben die Beispiele dem Leser konkrete Handreichungen, wie er seinen Arbeitsalltag mit dem System bewältigen kann.

Das Buch ist insgesamt sehr flott geschrieben und reich bebildert, was die hochwertige Ausstattung noch einmal unterstreicht. Wer noch keine Erfahrungen mit einem Ablagesystem gemacht hat, der findet hier eine gute Argumentationshilfe, um etwa in seinem Unternehmen für das Classei / Mappei System zu werben. Und wer sich bisher ratlos fragte, wie sich ein solches System einsetzen lässt, werden die vielen Tipps eine gute Hilfe sein.  Allein der Katalogteil bläht den Titel unnötig auf.

PC Welt ist nun endgültig ComputerBild 2

Ach, was waren das für friedvolle Zeiten. Das Internet war irgendwie noch nicht so richtig erfunden und die Zeitschrift «PC Welt» war prall und dick. Gefüllt mit allerlei Workshops, Listings für Batch-Dateien oder kleinen Apps sowie wirklich fundierten Tests. Dann trat das böse Internet in die friedliche Welt der IT-Zeitschriften und die Auflagen sanken. Auch bei IDG muss das Management langsam die Nerven verloren haben und bestellte mit Harald Kuppek einen neuen Chefredakteur. Wenn Sie sich in der Branche nicht so recht auskennen sollten: Herr Kuppek war Gründungschefredakteur der «Computer BILD» und gilt in der Branche nicht gerade als weichgespülter Softie, mit dem Sie Pferde stehlen können. So wird kolportiert, dass der eine oder andere schreibende Kollege bei der «ComputerBILD» durchaus Magenschmerzen hatte, wenn der Herr Chefredakteur im Hause weilte. Nachdem derselbe im Hause Springer sehr lange an einem Konkurrenten zur Zeitschrift der Stiftung Warentest erfolglos herumgebastelt hatte, nun also die Arbeitsstation IDG.

Mit Erfolg: Da, wo Kuppek ist, wimmelt es dann gleich vor Kästen, die einfachste Sachverhalte für Dummies am Ende eines Artikels erklären und den wenigen Inhalt, der für stolze 4,99 Euro angeboten wird, noch weiter schmälern. Und natürlich ist da auch wieder das «Internetzugriffs-Programm». Leute: Der Browser heißt nun eben Browser. Ich bemühe mich in meinen eigenen Artikeln auch Anglizismen zu vermeiden, aber komme ja nun auch nicht auf die Idee «Offenes Büro Schreibprogramm» statt «OpenOffice Writer» zu schreiben.

Ich habe für die «PC Welt» durchaus gern geschrieben und einige Jahre Softwaretests verfasst. Was von der Rubrik übriggeblieben ist, ist symptomatisch für das ganze Heft. Eine Spalte pro Programm mit einem Bildschirmfoto und wirren Listen der Funktionen und einer Bewertung. Redaktionelle Hinweise oder eine persönliche Wertung des Autoren? Fehlanzeige! Und da wundern sich die Verlage, dass die Menschen sich auf Blogs und soziale Netzwerke verlassen? Da kämpft eine aseptische Tabelle gegen persönliche Erfahrungen und Einschätzungen von Menschen, die auch noch etwas von sich erzählen. Wer da auf Dauer gewinnen wird, steht für mich außer Frage. Schade, «PC Welt», Du hast mich lange begleitet.

Medium Magazin Relaunch – ist hübsch geworden

Das Mediummagazin, eine Zeitschrift rund um den Berufsstand des Journalisten, hat sich ein neues Layout verpasst. Hier schien dem Verlag offensichtlich Handlungsbedarf geboten, nachdem bereits vor einiger Zeit ‚Der Journalist‘, das offizielle Organ des DJV, mit neuer Optik und aktuelleren Inhalten glänzte. Ich finde die neue Optik sehr gelungen, wenn auch das Titelbild, das stark an einen Lifestyle-Titel erinnert, nicht so ganz zur nachfolgenden Seitenaufteilung passt. Die kommt zwar ebenfalls modern daher, ist aber deutlich bodenständiger. Alles in allem aber ein sehr gelungener Relaunch. Ich wünsche dem Blatt weiterhin viel Erfolg!

Martin Suter: Der Koch

Ich muss gestehen, dass ich bisher nicht sonderlich häufig über das Werk von Martin Suter gestolpert bin. Vor einigen Monaten habe ich dann sein Buch “Der letzte Weynfeldt” gelesen und war regelrecht begeistert. Mit großem sprachlichem Geschick hingeworfene Figuren, die authentisch und nachvollziehbar agierten, ein einfacher Handlungsstrang, der dennoch Spannung aufkommen ließ und ein überraschendes Ende. Ein kleines Meisterwerk, das als Kriminalroman daherkam. Deswegen landete auch “Der Koch” auf meinem Stapel ungelesener Bücher.

Auch hier habe ich die gleichen Qualitäten vorgefunden. Der eigentliche Handlungsstrang ist schnell erzählt und das Ende überraschend. Die Kulisse der Handlung bildet die Schweiz im Jahre 2008, als eine schlechte Nachricht über die Finanzkrise die nächte ablöste. Seine Charaktere sind fein gezeichnet und gut beobachtet, wirken aber wie flüchtige Skizzen von genialer Kraft. Keine langen tiefenpsychologische Monologe, sondern Empfindungen und Gefühle, die aus dem Leben gegriffen scheinen. Ein schöne und kurzweiliges Buch, das sich bei ein oder zwei Gläsern Wein an einem Abend vergnüglich durchlesen lässt.

Unvollständige Erinnerungen von Inge Jens

Das Buch von Inge Jens lag nun schon seit einigen Wochen auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Sicherlich verdankt sich der kommerzielle Erfolg des Buches auch der Tatsache, dass sich die Käufer einen Blick “durchs Schlüsselloch” versprechen, denn schließlich ist bekannt, das Walter Jens, eine der Ikonen der intellektuellen Szene der Republik seit einigen Jahren unter Demenz leidet. Natürlich erzählt Inge Jens auch von diesem Abschnitt ihres Lebens. Sie tut dies in sachlicher Form, die dennoch unterhaltsam geschrieben ist. Aber natürlich geht es auch um viele andere Begegnungen und Geschehnisse in einem mehr als 80 Jahre dauernden Menschenleben. Krieg, Wiederaufbau, Aufblühen der Intellektuellen-Szene der jungen Bundesrepublik, ihre Begegnungen mit den 68ern und natürlich das Ende der deutschen Teilung. Das alles hat diese Frau hautnah erlebt und weiß davon zu berichten. Ein schönes Buch, ein lesenswertes Buch, das ich Ihnen gern ans Herz legen möchte.