Archiv der Kategorie: allgemein

Das Front in Hamburg — für immer ein magischer Ort

Hamburg, 1985: Mit dem Jahr verbinde ich eine Menge. Musikalisch aber indes erst mal nichts. Im Jahr zuvor hatte meine Lieblingsband (immer noch) Depeche Mode künstlerisch einen großen Schritt nach vorn gemacht. „Some Great Reward“ hieß das Album, das mich mit seiner düsteren Art faszinierte. Und nur noch vom Nachfolger „Black Celebration“ übertroffen wurde, welches die Düsternis tiefschwarz färbte, mit gelegentlichen Farbnuancen, die wie Neonfarbe eines Graffiti wirkten. Aber das wollte ich gar nicht erzählen.

Hamburg, 1985: Es war ein typischer hanseatischer Herbstabend. Es war also reichlich kühl, es war reichlich windig und es nieselte. Streng genommen war es das, was man auch als arschkalt bezeichnen konnte. Aber das merkte ich nicht so richtig.

Ich stand in der Dunkelheit eines Freitagabends in einer Schlange wartender Menschen. Mein Herz klopfte bis zum Hals und in meinen Ohren rauschte es, so aufgeregt war ich.

Alle paar Sekunden sagte die innere Stimme „Komm, geh einfach. Das klappt sowieso nicht“.

Noch gefühlt 6 Leute vor mir.

„Und selbst wenn es klappt, was dann?“

Ja, was dann eigentlich? Ich hatte nur gehört, dass diese Disco etwas ganz Besonderes sein sollte. Etwas Spezielles. Verruchtes…

Noch 3 Leute.

Jetzt hätte man mein Herz wahrscheinlich durch das Shirt schlagen sehen können. Doch noch gehen? Wieder 25 Minuten mit der Bahn zurück in den Vorort?

Zu spät.

Das Wunder geschah. Ein mürrisch aussehender Türsteher, der in seiner Kluft einem Comic von Ralf König entsprungen sein konnte, hatte signalisiert, ich durfte weiter.

Der eher blasse, schmächtige (ja war ich damals) Junge aus der Provinz betrat das damals schon legendäre Front.

Ziemlich unsicher machte ich die ersten Schritte in eine neue Welt. So muss sich Armstrong auf dem Mond gefühlt haben. Bei mir lag es nicht an der mangelnden Schwerkraft, mehr an den weichen Knien. Und einem fassungslosen Staunen darüber, dass das doch ziemlich einfach war.

Langsam durchatmen. Cool wirken.

„Wer hat Dich denn reingelassen? Du bist doch nie im Leben 18, oder?“

Die strenge Stimme gehörte Willy. Aber den Namen kannte ich damals noch nicht. Willy Prange hatte mit seinem Freund Philip den Tanztempel eröffnet. Auch Willy hätte ohne Weiteres Ralf König für einen seiner Knollennasencharaktere Modell sitzen können. Seine Worte zeigten aber die gewünschte Reaktion.

Wenn Sie jemals vor Verlegenheit errötet sind, dann wissen Sie, wie sich das anfühlt, wenn die Wangen straff und warm werden.

Tatsächlich war ich ganz knapp vor dem 17. Geburtstag und sah mich schon auf direktem Wege wieder vor die Tür gesetzt werden. Aber das hatte ja auch so kommen müssen. Scheiße.

„Oh, der kann ja rot werden. Hör mal, ich will keinen Ärger. Wenn was passiert… da kannste dich klein machen.“

Das war bereits das zweite kleine Wunder des Abends. Unter einem hörbaren „aber schöne Haare hat er“ (tatsächlich waren das damals deutlich mehr als heute und sie waren dunkelblond) ging der Typ, der wohl was zu sagen hatte, von dannen.

Ich war drin. Ich durfte bleiben. Unfassbar.

Unfassbar klein war die eigentliche Tanzfläche, auf der sich verschwitzte Leiber zur Musik bewegten. Das hatte nichts mit Posing zu tun. Hier ging man hin, um zu tanzen.

Falsch, um zu leben. Hedonistisch, gierig auf das Leben. Die Atmosphäre des Ladens war aufgeladen. Von Lebenslust, dem Geruch nach Schweiß, mir unbekannten chemischen Substanzen, Sex.

Kennen Sie die Szene aus einem der Matrixfilme, als die freien Menschen von Zion sich in der Nacht in Erwartung der Maschinen in Ekstase tanzen? Genau wie das Front. Nur ohne Maschinen. Und an diesem Abend ohne Frauen.

Allein und miteinander tanzten Jungs und junge Männer mit verschwitzen Frisuren, die aber mal geföhnt und mit viel Haarspray gebändigt worden waren. Eher schlicht, aber schick im Stil der 80er gekleidet. Und dann waren dann die zahlreichen „gestandenen“ Kerle. Mit den unvermeidlichen Schnäuzern und in viel Leder.

Die Lust auf das Leben und die Musik vereinten sie. Sie schrien, sie tanzten, sie lebten.

Und ich hatte das Gefühl, genau hier will ich sein. Hier bin ich richtig.

Und diese Musik. Sie war wuchtig, sie trieb dazu an, sich zu bewegen. Sie vermittelte den Eindruck, als sei das alles ein überlanges Stück. Rhythmen und Bässe nahmen kein Ende. Und es war laut. Richtig laut. Dafür sorgte die für die Größe der Location doch recht großzügig bemessene Lautsprecheranlage. Ab und an meinte ich auch mal einen Titel aus meiner eigenen Plattensammlung zu erkennen, aber dann wieder auch nicht.

Das man so etwas mit den Platten machen konnte… wieder so etwas, was den Jungen aus der Provinz zum Staunen brachte.

Die karge Ausstattung der Räume, das Fehlen von Chi-Chi oder die eher spärlichen Lichteffekte — davon haben so viele Berichte erzählt. Auch, dass Jungs und Männer nicht nur die Lust am Leben vereinte, sondern dass auch häufig Vereinigungen noch vor Ort folgten, was das Entleeren der Blase auf dem Örtchen manchmal kompliziert machte. Das erspare ich mir an dieser Stelle.

Für zwei Jahre wurde das Front für mich zu einem magischen Ort. Schon die Fahrt in diesen toten Stadtteil wurde zum Ritual.

Tanzen, trinken, sich unendlich lebendig fühlen. Sich so geben, wie man sich fühlt. Damals verstand ich zum ersten Mal, wie sich „Heimat“ anfühlt.

Das von Willy gezeigte Versteck brauchte ich an diesem Abend übrigens nicht.

Danach war es aber schon ganz gut, zu wissen, wo es war. Schließlich habe ich meiner Mutter jede Woche eine andere Geschichte erzählt, wo ich denn wäre. Durch die „Zuführung“ Ihres Sohnes mitten in der Nacht der Lüge überführt zu werden. Das wäre mir doch unangenehm gewesen.

Mitte 1990 war ich dann nochmals da. Aber das fühlte sich nicht mehr richtig an. Eher wie die Begegnung mit einem Ex-Partner, mit dem einen nichts mehr verbindet.

Das Front — es gab in meinem Leben nie wieder einen Ort, an dem ich mich so aufgehoben und, ja, sicher gefühlt habe, wie dort.

Und wenn ich heute durch den Heidenkampsweg komme, werde ich immer noch sentimental.

Kindle Oasis – der (fast) perfekte E-Reader

Einen E-Book-Reader von Amazon besitze ich schon seit einigen Jahren. Ich hatte seinerzeit ein Testmuster eines Tolinos der ersten Generation und einen Kindle (den mit der Tastatur) für einen Vergleichstest in Haus. Der Tolino war, kurz gesagt, scheußlich. Das System war schleichend langsam. Der Kindle funktionierte. So gewann der Kindle. Und ich bin dabei auch geblieben (ja, ja, der Lock-in-Effekt).

Nach einigen Jahren habe ich mir dann den gegönnt. Nach einigen Jahren habe ich mir dann den Kindle Paperwhite gegönnt. Dank der Hülle mit aufgesteckter Beleuchtung konnte ich damit bereits im Bett lesen, aber bequemer und schöner wurde es dann mit dem Paperwhite. Der ist nach wie vor ein sehr guter E-Book-Reader und nimmt auch im Gepäck nicht viel Platz weg. Er ist sehr stabil, bietet ausreichend Platz für viele Bücher (die auch für einen längeren Urlaub reichen) und lange Akkulaufzeit.

Der Oasis-Effekt

Ich muss allerdings zugeben, dass mich der neue Oasis bei seiner Vorstellung schon angesprochen hat. Zum einen mag ich Geräte in einem Metallgehäuse (das mag der Macbook-Effekt sein), zum anderen lockte mich die Vorstellung, ein Gerät im Gepäck zu haben, das gegen Feuchtigkeit resistent ist. Ja, der Oasis darf auch in die Badewanne fallen. Allerdings wollte ich das nicht unbedingt ausprobieren. Nach einem zähen Ringen mit mir selbst, das ich dann verlor, bestellte ich vor einigen Wochen den Oasis.

Mein persönlicher Eindruck nach gut 8 Wochen

  1. Design: Das Gerät ist leicht keilförmig gestaltet. Ein Randbereich ist deutlich dicker als der andere. Und das ist durchaus sinnvoll. Denn damit wird das Halten des Oasis sehr angenehm. Er liegt satt in der Hand und trotzdem können die Tasten für das Umblättern angenehm gedrückt werden. Insgesamt wirkt der Oasis in seiner Optik schon recht edel. Das Branding von Amazon auf der Rückseite hätte man vielleicht etwas dezenter gestalten können, etwa wie das Windows-Logo auf dem Surface.
  2. Haptik: Sensationell! Der Oasis ist ein echter Handschmeichler. Auch die schön abgerundeten Ecken haben es mir angetan.
  3. Display: Erscheint mir rein vom Leseerlebnis noch ein Tick besser als beim Paperwhite zu sein. Die automatische Regelung der Helligkeit funktioniert. Und die Werbung lügt nicht. Mit dem Oasis kann man auch im prallen Sonnenlicht wunderbar lesen. Man sollte nur auf das Eincremen nicht vergessen.
  4. Akkulaufzeit: Deswegen habe ich dem Beitrag diese Überschrift verpasst. Im Vergleich zum Paperwhite fordern die Technik und das Design ihren Tribut. Der Oasis hält leider nicht so lange durch. Während der Paperwhite lediglich alle drei Wochen an das Netzteil angeschlossen wurde, ist bei Oasis bereits nach etwas über einer Woche Schluss.

Trotz dieses kleinen Makels kann ich für den Oasis eine klare Kaufempfehlung geben. Das Gerät ist formschön und solide verarbeitet. Und eigentlich Luxus pur.

PhraseExpress auf dem Mac: Von hinten durch die Brust (Update1)

Nachdem mein Surface immer mehr zum primären Arbeitsgerät wurde, habe ich mir eine Pro-Version von PhraseExpress gegönnt. Es ist seit vielen Jahren durchaus freundlich besprochen und bietet mit seiner Funktion der Historie für die Zwischenablage, wobei man die Inhalte dann nach eigenen Belieben getrennt ausgeben kann, etwas, was ich auch auf dem Mac sehr gern einsetze.

Auf dem Mac nutze ich seit vielen Jahren Typinator als Textersetzungsprogramm. Nur wie bekomme ich meine Textbausteine nun einheitlich auf beide Plattformen?

Ja, wenn ich Textexpander verwenden würde, wäre das wohl kein Problem. Denn PhraseExpress für den Mac bietet einen direkten Import der Textbausteindateien an. Nur benutze ich eben kein Textexpander. Und damit wird es kompliziert und ein Lehrstück für Fallstricke, die aus Sicht von Produktmanagern, die heute ganz agil ja meist Product Owner heißen, nicht so wichtig sind.

Typinator bietet einen Export in das CSV-Format. Und natürlich wird da eine CSV-Datei geschrieben, die den auf dem Mac eingestellten UTF-Zeichensatz verwendet.

Dann ist es natürlich dumm, dass man beim Import von CSV in PhraseExpress keine Zeichenkodierung angeben kann. Das Ergebnis sieht unter Windows nicht schön aus. Zum Glück besitze ich ja ein bisschen Erfahrung mit Computern. Ich habe also:

  1. In Typinator eine CSV auf dem Mac erstellt.
  2. Die CSV unter Windows in Excel importiert. Denn dort kann man Zeichenkodierung auswählen.
  3. Die Datei als CSV unter neuen Namen gespeichert.
  4. Die CSV-Datei in PhraseExpress importiert.

Das hat auch geklappt, aber leider exportiert Typinator die Bausteine in der aus Sicht von PhraseExpress falschen Reihenfolge. Also die Datei flugs bearbeitet. Und Schritt 4 wiederholt.

Soweit so gut. Nun füge ich aber ständig neue Textbausteine hinzu und es wäre also schön, die auf beiden Plattformen zu benutzen. Nach Lektüre der Produktseite bin ich Tor also davon ausgegangen, dass ich eine Textbausteindatei von PhraseExpress auf beiden Plattformen nutzen kann. Es ist da zwar die Rede davon, dass nicht alle Funktionen zur Verfügung stehen, aber wenn der Hersteller sogar in seiner Anleitung schreibt, dass man eine zentrale Datei verwenden kann, glaube ich das.

Also erwarb ich auch eine Pro-Version von PhraseExpress für den Mac. Zunächst habe ich es auf dem Mac mit dem Import einer Datei probiert. Denn unter Windows sind auch einige Ordner, die ich auf dem Mac nicht benötige. Den Hinweis, dass bestimmte Windows-Bausteine nicht importiert würden, habe ich dann brav bestätigt. Das waren nur leider alle.

Okay. Also noch mal das Handbuch studiert. Unter Windows meine Textbausteindatei zentral auf meinen lokalen Server gespeichert. Funktioniert unter Windows. Kein Problem.

Auf dem Mac das Kommando „Datei öffnen“ gewählt. Doof, dass sich die gerade erstellte Datei im Dateidialog noch nicht einmal selektieren lässt.

Ich bin auf die Antwort des Supports gespannt. Indes scheint mir, dass man, bevor man ein Produkt für 50 Flocken für den Mac veröffentlicht, schon mal die eine oder andere Eventualität geprüft haben sollte. Gerade habe ich über den Umweg „Datei öffnen mit“ auf dem Mac den Hinweis erhalten, dass PhraseExpress Dateien mit der Endung „pxp“ nicht öffnen kann. Schade, ist sein eigenes Format.

Update: Die Antwort vom Support kam. Sie lautet:

Jedoch scheint die Macversion mit der aktualisierten Windowsversion v13.6 inkompatibel geworden zu sein und es werden deshalb keine Textbausteine importiert.

Wir arbeiten zur Zeit an einem Update der Macversion, um das Problem zu beheben. Für die Unannehmlichkeit bitten wir um Entschuldigung.

Ohne Worte. Da hat sich aber jemand einen Bruch bei der Entwicklung und QS gehoben.

Buch der Woche „Call me your name“ – (k)ein Coming-out-Roman

Okay, homophob sollte man besser nicht sein, wenn man dieses Buch liest. Denn „Call me by your name“ von André Aciman ist eine schwule Liebesgeschichte. Zumindest für den, der nur die offensichtliche Handlung wahrnimmt.

Elio ist 17 und verbringt wie jedes Jahr seine Ferien an der italienischen Riviera. Der Sohn eines Gelehrten ist es gewohnt, dass alljährlich besonders talentierte Nachwuchswissenschaftler den Sommer auf Einladung des Vaters im Haus verbringen. So auch der sieben Jahre ältere Oliver, der frisch Harvard absolviert hat, und in der malerischen Umgebung an einem philosophischen Buch arbeiten soll.

Elio fühlt sich sofort zum intelligenten und schönen jungen Mann hingezogen. Doch die beiden sind zu schüchtern und ängstlich, um sich ihre Gefühle einzugestehen – bis es fast zu spät ist. Doch wenige Wochen vor der Abreise von Oliver kommt es zur ersten sexuellen Begegnung. Und aus gegenseitiger Anziehung wird eine große Liebe. Gefühle, die auch noch Jahrzehnte bestehen.
Aciman hat keinen typischen Entwicklungsroman oder eine klassische Coming-out-Geschichte geschrieben. Auch wenn die aus der Perspektive Elios geschilderten Gefühle und Begegnungen so gelesen werden können.

Im Zentrum steht nicht die Suche nach der (schwulen) Identität eines jungen Mannes, sondern eine obsessive Liebe. Eine gegenseitige Anziehungskraft, gegen die sich die zwei Individuen nicht wehren können. Wer schon einmal das große Glück erleben durfte, eine solche Liebe zu finden, wird sich an vielen Stellen wiedererkennen. „Wir hatten die Sterne gefunden, du und ich. Und das wird einem nur einmal geschenkt“.

„Call me by your name“ ist ein wunderbares Buch, voller Gefühle und ganz abseits des Kitsches. Eine Liebesgeschichte und doch auch so viel mehr. Es lohnt sich, dieses Werk zu lesen, auch wenn es darin über das Lesen heißt: „Leute, die lesen, sind Verberger. Sie verbergen, wer sie in Wirklichkeit sind. Wer etwas verbirgt, kann sich oft selbst nicht leiden“.

Surface Pro im Journalisten-Alltag

Seit einigen Jahren ist der Mac meine bevorzugte Arbeitsumgebung. Als Technik-Schreiber brauche ich aber auch regelmäßig einen Windows-Rechner, um Sachen auszuprobieren. Nachdem der letzte Rechenknecht von Asus dank Windows 10 quälend langsam wurde, stand eine Neuerwerbung an. Und wenn man sich erst einmal eine Weile an Optik und Haptik eines Mac gewöhnt hat, dann fällt es schwer, sich an eine der klassischen Plastik-Office-Kästen zu setzen. Der neue Windows-Rechner sollte schick und leicht sein.

Nach einigen Recherchen und Ausprobieren (jawohl, ich schaue auch immer noch gern im stationären Handel vorbei) waren zwei Geräte in der engeren Auswahl.

  • Acer Swift: Einen Swift 7 habe ich im vergangenen Sommer beim Digital Kindergarten von achtung! ausprobiert. Da ist Acer ein schönes Stück Hardware gelungen. Schön leicht, wertig und hübsch anzuschauen.
  • Microsoft Surface Pro: Dank Alu-Gehäuse auch richtig schnittig. Zuerst lag der Swift auch vorn, aber der geschätzte Kollege Volker Weber schrieb im vergangenen Jahr häufiger über seine Erfahrungen mit dem Surface, sodass da ein Umdenken einsetzte. Warum nicht einfach mal ein Tablet?

Die Entscheidung war gefallen.

iOS taugt (immer noch) nicht zum Arbeiten

Als freier Journalist und Redakteur habe ich, zumindest glaube ich das, gar keine so hohen Ansprüche. Ich brauche für unterwegs (Messen, Konferenzen und im Café) einen möglichst kompakten und leichten Rechner. Ich brauche ein Schreibprogramm – in meinem Fall genügt in aller Regel ein einfacher Editor, der aber Markdown unterstützen muss. Eine einfache Bildbearbeitung, um mal eine Illustration zu beschneiden und zu skalieren, und einen Browser. Vor allen Dingen brauche ich aber eine Möglichkeit, möglichst einfach (!) und schnell (!!!) Informationen mittels der Zwischenablage zwischen Apps auszutauschen. Und ich brauche einen ebenfalls einfachen Zugriff auf das Dateisystem, denn 80 Prozent meiner Arbeiten landen online. Es müssen also Grafiken in ein CMS geladen werden. Und genau hier versagt iOS, zumindest, was meine Ansprüche betrifft, nach wie vor jämmerlich. Das iPad ist ein tolles Tablet und iOS ein sensationelles Betriebssystem für Tablets (was man auch erst so richtig merkt, wenn man längere Zeit mit einem Android-Tablet gearbeitet hat). Aber es ist kein Betriebssystem zum Arbeiten. Jedenfalls nicht für mich. Punkt.

Das Surface Pro beim Auspacken

Zurück zum Surface Pro. Gekauft habe ich das Modell mit . Ich bin kein großer Freund dieser „Unboxing“-Videos. Das erspare ich Ihnen also. Das Surface wird in einer schicken Verpackung geliefert, die das Auspacken einfach macht. Der erste Eindruck von der Haptik ist toll. Das Gerät ist in dieser Hinsicht Apple durchaus ebenbürtig. Die beiden kleinen Details, wie der ausklappbare Ständer sowie die magnetische Ladebuchse haben es mir sofort angetan. Die Einrichtung ist in wenigen Schritten erledigt (auch Windows Hello!).

Aber Microsoft wäre halt nicht Microsoft, wenn es nicht doch etwas zu meckern gäbe. Denn unmittelbar nach dem Start ist dann auch das erste Update fällig. Und das ging dann auch gleich mal gut los. Denn trotz schneller Internetverbindung und SSD waren nach zwei Stunden gerade einmal 94 Prozent erledigt. Also einfach mal nach dem Update-Programm in der Systemsteuerung geschaut. Und siehe da, dort gab es den kleinen Schalter „Neustart“ und nach selbigen ging es dann recht flott weiter.

Die erste Woche: Durchschnittliches Tablet, tolle Arbeitsmaschine

Bestellt habe ich zum Surface das Type Cover mit Alcantara-Bezug. Das klingt erst mal merkwürdig, fühlt sich aber beim Tippen sehr nett an. Denn die Tastatur ist nie kalt. Grobmotoriker werden wahrscheinlich beklagen, dass sich das Cover beim Tippen durchbiegt, weil der gesamte Korpus eben aus Kunststoff gefertigt ist. Da ich aber die Tastatur zur Buchstabeneingabe verwende und nicht als Hackbrett, tritt das Verhalten bei mir nicht auf. Der Hub ist jedenfalls in Ordnung.

Ich habe diese Woche ganz bewusst sämtliche Artikel mit dem Surface geschrieben. Und es hat Spaß gemacht und funktioniert. Der Bildschirm ist ähnlich groß wie auf meinen Macbook, das Gerät flott eingeschaltet und auch mit der Akkulaufzeit bin ich mehr als zufrieden.

Natürlich habe ich zunächst den Versuch unternommen, das Surface als Desktop-Ersatz zu benutzen. Glücklicherweise hatte ich hier für Apple noch einen Adapter für HDMI auf Mini-Display-Port. So war der Hardwareanschluss kein großes Problem. Das hat jedenfalls reibungslos funktioniert und auch in dieser Hinsicht hat sich Windows mit seinen Mehrfachdesktops und der Ausrichtung von Anzeigen dem Mac genähert. Nach ein paar Minuten Gewöhnung war ich nicht weniger produktiv als am Mac.

Und klar: Auch die Nutzung als Tablet wollte ich ausprobieren. Die nächste Anschaffung war also ein Eingabestift. Ich habe mich hier gegen den Microsoft Pencil entschieden und aus Budgetgründen heraus (der Hauptteil meiner Arbeit besteht eben im Tippen) für den entschieden. Der Einsatz als Tablet bereitete mir jedenfalls die größten Umstellungsschwierigkeiten. Windows 10 bleibt eben Windows. Das ist nur bedingt ein Betriebssystem für ein Tablet und kann in dieser Hinsicht nicht mit iOS mithalten.

Software und Tools

An Programmen brauche ich für den Arbeitsalltag recht wenig. Um meine Arbeitsabläufe nicht vollständig auf den Kopf zu stellen, sollte auch auf dem Surface das primäre Dateiformat für Texte Markdown bleiben. Regelmäßig muss ich auch Screenshots anlegen. Über den Speicherort meiner Daten brauche ich mir dank Cloud (Nextcloud auf eigenem Server) keine Gedanken zu machen. Damit ist das Setup auch übersichtlich:

  • iAWriter für Windows: Ich hatte kurz über die Installation von Atom nachgedacht, mich dann aber dagegen entschieden. Stattdessen habe ich eine Lizenz für iAWriter erworben. Der Editor ist nahezu mit der Mac-Version identisch, arbeitet flott und stabil.
  • Pandoc: Ich nutze nicht die eingebauten Funktionen des Editors zum Export. Stattdessen setzte ich auch auf dem Surface Pandoc ein, weil es mir einfach mehr Möglichkeiten bei der Umwandlung der Markdown-Dateien bietet.
  • Edge: Warum sollte ich die hervorragende Akkuleistung des Surface durch Chrome schmälern? Für die Tools, die ich online nutze, wie Pocket, gibt es auch Erweiterungen für Edge.
  • 1Password: Gibt es auch für Windows. Die Zusammenarbeit mit Edge könnte etwas schneller sein und gelegentlich stürzt der Passwort-Manager auch ab. Aber das nehme ich in Kauf.
  • Penbook: Ich rezensiere ja regelmäßig Fachbücher. Dabei mache ich mir Notizen, um später den Artikel in einem Rutsch zu verfassen. Dafür habe ich mir die kleine App besorgt, mit der sich Notizbücher anlegen lassen. Bei Bedarf können das Buch oder einzelne Seiten daraus auch als PDF exportiert werden. Da es sich nur um flüchtige Notizen handelt, brauche ich die Funktion nicht, habe sie aber natürlich ausprobiert.

Fazit: Aktuell ist das Surface Pro mein absoluter Lieblingsrechner. Der Computer sieht schick aus, ist absolut alltagstauglich, stromsparend und macht mobiles Arbeiten einfach.