Surface Pro im Journalisten-Alltag

Seit einigen Jahren ist der Mac meine bevorzugte Arbeitsumgebung. Als Technik-Schreiber brauche ich aber auch regelmäßig einen Windows-Rechner, um Sachen auszuprobieren. Nachdem der letzte Rechenknecht von Asus dank Windows 10 quälend langsam wurde, stand eine Neuerwerbung an. Und wenn man sich erst einmal eine Weile an Optik und Haptik eines Mac gewöhnt hat, dann fällt es schwer, sich an eine der klassischen Plastik-Office-Kästen zu setzen. Der neue Windows-Rechner sollte schick und leicht sein.

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Nach einigen Recherchen und Ausprobieren (jawohl, ich schaue auch immer noch gern im stationären Handel vorbei) waren zwei Geräte in der engeren Auswahl.

  • Acer Swift: Einen Swift 7 habe ich im vergangenen Sommer beim Digital Kindergarten von achtung! ausprobiert. Da ist Acer ein schönes Stück Hardware gelungen. Schön leicht, wertig und hübsch anzuschauen.
  • Microsoft Surface Pro: Dank Alu-Gehäuse auch richtig schnittig. Zuerst lag der Swift auch vorn, aber der geschätzte Kollege Volker Weber schrieb im vergangenen Jahr häufiger über seine Erfahrungen mit dem Surface, sodass da ein Umdenken einsetzte. Warum nicht einfach mal ein Tablet?

Die Entscheidung war gefallen.

iOS taugt (immer noch) nicht zum Arbeiten

Als freier Journalist und Redakteur habe ich, zumindest glaube ich das, gar keine so hohen Ansprüche. Ich brauche für unterwegs (Messen, Konferenzen und im Café) einen möglichst kompakten und leichten Rechner. Ich brauche ein Schreibprogramm – in meinem Fall genügt in aller Regel ein einfacher Editor, der aber Markdown unterstützen muss. Eine einfache Bildbearbeitung, um mal eine Illustration zu beschneiden und zu skalieren, und einen Browser. Vor allen Dingen brauche ich aber eine Möglichkeit, möglichst einfach (!) und schnell (!!!) Informationen mittels der Zwischenablage zwischen Apps auszutauschen. Und ich brauche einen ebenfalls einfachen Zugriff auf das Dateisystem, denn 80 Prozent meiner Arbeiten landen online. Es müssen also Grafiken in ein CMS geladen werden. Und genau hier versagt iOS, zumindest, was meine Ansprüche betrifft, nach wie vor jämmerlich. Das iPad ist ein tolles Tablet und iOS ein sensationelles Betriebssystem für Tablets (was man auch erst so richtig merkt, wenn man längere Zeit mit einem Android-Tablet gearbeitet hat). Aber es ist kein Betriebssystem zum Arbeiten. Jedenfalls nicht für mich. Punkt.

Das Surface Pro beim Auspacken

Zurück zum Surface Pro. Gekauft habe ich das Modell mit Intel i7, 8 GB RAM und 256 GB SSD. Ich bin kein großer Freund dieser „Unboxing“-Videos. Das erspare ich Ihnen also. Das Surface wird in einer schicken Verpackung geliefert, die das Auspacken einfach macht. Der erste Eindruck von der Haptik ist toll. Das Gerät ist in dieser Hinsicht Apple durchaus ebenbürtig. Die beiden kleinen Details, wie der ausklappbare Ständer sowie die magnetische Ladebuchse haben es mir sofort angetan. Die Einrichtung ist in wenigen Schritten erledigt (auch Windows Hello!).

Aber Microsoft wäre halt nicht Microsoft, wenn es nicht doch etwas zu meckern gäbe. Denn unmittelbar nach dem Start ist dann auch das erste Update fällig. Und das ging dann auch gleich mal gut los. Denn trotz schneller Internetverbindung und SSD waren nach zwei Stunden gerade einmal 94 Prozent erledigt. Also einfach mal nach dem Update-Programm in der Systemsteuerung geschaut. Und siehe da, dort gab es den kleinen Schalter „Neustart“ und nach selbigen ging es dann recht flott weiter.

Die erste Woche: Durchschnittliches Tablet, tolle Arbeitsmaschine

Bestellt habe ich zum Surface das Type Cover mit Alcantara-Bezug. Das klingt erst mal merkwürdig, fühlt sich aber beim Tippen sehr nett an. Denn die Tastatur ist nie kalt. Grobmotoriker werden wahrscheinlich beklagen, dass sich das Cover beim Tippen durchbiegt, weil der gesamte Korpus eben aus Kunststoff gefertigt ist. Da ich aber die Tastatur zur Buchstabeneingabe verwende und nicht als Hackbrett, tritt das Verhalten bei mir nicht auf. Der Hub ist jedenfalls in Ordnung.

Ich habe diese Woche ganz bewusst sämtliche Artikel mit dem Surface geschrieben. Und es hat Spaß gemacht und funktioniert. Der Bildschirm ist ähnlich groß wie auf meinen Macbook, das Gerät flott eingeschaltet und auch mit der Akkulaufzeit bin ich mehr als zufrieden.

Natürlich habe ich zunächst den Versuch unternommen, das Surface als Desktop-Ersatz zu benutzen. Glücklicherweise hatte ich hier für Apple noch einen Adapter für HDMI auf Mini-Display-Port. So war der Hardwareanschluss kein großes Problem. Das hat jedenfalls reibungslos funktioniert und auch in dieser Hinsicht hat sich Windows mit seinen Mehrfachdesktops und der Ausrichtung von Anzeigen dem Mac genähert. Nach ein paar Minuten Gewöhnung war ich nicht weniger produktiv als am Mac.

Und klar: Auch die Nutzung als Tablet wollte ich ausprobieren. Die nächste Anschaffung war also ein Eingabestift. Ich habe mich hier gegen den Microsoft Pencil entschieden und aus Budgetgründen heraus (der Hauptteil meiner Arbeit besteht eben im Tippen) für den Bamboo Ink entschieden. Der Einsatz als Tablet bereitete mir jedenfalls die größten Umstellungsschwierigkeiten. Windows 10 bleibt eben Windows. Das ist nur bedingt ein Betriebssystem für ein Tablet und kann in dieser Hinsicht nicht mit iOS mithalten.

Software und Tools

An Programmen brauche ich für den Arbeitsalltag recht wenig. Um meine Arbeitsabläufe nicht vollständig auf den Kopf zu stellen, sollte auch auf dem Surface das primäre Dateiformat für Texte Markdown bleiben. Regelmäßig muss ich auch Screenshots anlegen. Über den Speicherort meiner Daten brauche ich mir dank Cloud (Nextcloud auf eigenem Server) keine Gedanken zu machen. Damit ist das Setup auch übersichtlich:

  • iAWriter für Windows: Ich hatte kurz über die Installation von Atom nachgedacht, mich dann aber dagegen entschieden. Stattdessen habe ich eine Lizenz für iAWriter erworben. Der Editor ist nahezu mit der Mac-Version identisch, arbeitet flott und stabil.
  • Pandoc: Ich nutze nicht die eingebauten Funktionen des Editors zum Export. Stattdessen setzte ich auch auf dem Surface Pandoc ein, weil es mir einfach mehr Möglichkeiten bei der Umwandlung der Markdown-Dateien bietet.
  • Edge: Warum sollte ich die hervorragende Akkuleistung des Surface durch Chrome schmälern? Für die Tools, die ich online nutze, wie Pocket, gibt es auch Erweiterungen für Edge.
  • 1Password: Gibt es auch für Windows. Die Zusammenarbeit mit Edge könnte etwas schneller sein und gelegentlich stürzt der Passwort-Manager auch ab. Aber das nehme ich in Kauf.
  • Penbook: Ich rezensiere ja regelmäßig Fachbücher. Dabei mache ich mir Notizen, um später den Artikel in einem Rutsch zu verfassen. Dafür habe ich mir die kleine App besorgt, mit der sich Notizbücher anlegen lassen. Bei Bedarf können das Buch oder einzelne Seiten daraus auch als PDF exportiert werden. Da es sich nur um flüchtige Notizen handelt, brauche ich die Funktion nicht, habe sie aber natürlich ausprobiert.

Fazit: Aktuell ist das Surface Pro mein absoluter Lieblingsrechner. Der Computer sieht schick aus, ist absolut alltagstauglich, stromsparend und macht mobiles Arbeiten einfach.

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