UMTS – bloss vier Buchstaben?

Seit 20 Jahren wird in meiner Heimatstadt im Juni ein großes Straßenfest gefeiert. Ob die übliche Zusammenstellung von Imbißbuden und Verkaufständen fliegender Händler nun als amüsant empfunden wird, liegt ganz im Auge des Betrachters. Dieses Jahr besonders auffällig: Zwei Stände an denen intensivst UMTS von Vodafone beworben wurde. Wer wollte, konnte gleich einen entsprechenden Datenübertragungsvertrag ausfüllen und seine UMTS-Karte für das Notebook mitnehmen.

Was daran berichtenswert ist? Meiner Ansicht nach zeigt diese Präsenz vor Ort die Verzweiflung der großen Telcos: gehören Familien und Jugendliche ja wohl kaum zu den Businesskunden, die sich die happigen Übertragungspreise bei Nutzung von UMTS leisten könnten. Aber was soll’s: Die Kosten für die UMTS-Lizenz (ein Meisterstück von Hans Eichel) müssen ja wieder hereingeholt werden. Halt das klassische Augen zu und durch!

Nüchtern betrachtet, ermöglicht mir UMTS Datenübertragungen aller Art in ansprechender Geschwindigkeit von jedem Ort. Eine Verfügbarkeit an meinem aktuellen Aufenthaltsort natürlich vorausgesetzt. Bloss: Was soll ich damit?

Offensichtlich stehe ich mit dieser Frage nicht allein, denn so richtig scheint das Geschäft mit UMTS noch nicht zu boomen, oder kennen Sie etwa jemanden, der das nutzt? UMTS – das klassische Buzz-Wort einer Branche. Auf den einschlägigen Messen werden schicke Designstudien präsentiert, die die flüssige Darstellung gestreamter Videos in doppelter Briefmarkengröße erlauben. Tja. Die werden die Businesskunden wohl kaum benötigen.

Also geht es doch mehr um Zugriff auf zentral ablegte Daten aus dem Firmennetzwerk, oder um das Versenden eines aktuell aufgenommenen Auftrag ins Büro? Allein: Ich komme recht viel herum und war bislang noch in keinem Unternehmen, in dessen Räumen ich nicht per LAN oder WLAN ins Internet gelangen konnte. In den meisten Konferenzräumen sind heute zumindest frei zugängliche LAN-Anschlüsse Standard. Da Systemadministratoren auch wenig Lust auf Gefummel technischer Art haben, wird den Anschlüssen dann meist per DHCP eine IP-Adresse mitgeteilt. Einstöpseln und los geht es.

Präsentationen habe ich immer lokal dabei. Einmal auf der Festplatte und einmal auf einem USB-Stick. Dafür brauchts auch kein UMTS. Und so eilig war noch nichts, als dass es nicht auch nach meiner Rückkehr verschickt werden konnte.

Wofür könnte ich das UMTS denn noch nutzen? Der ganze multimediale Kram? Na, ja. Ich sag’s halt eigentlich nur sehr ungern, liebe Vodafoner: Aber was die Geräte da bis heute können, kann mein Amilo denn doch noch eine Ecke besser.

Achja, telefonieren kann man mit den Geräten ja auch noch!Leider telefoniere ich ganz selten von unterwegs. Die leidigen Mithörer und peinlichen Situationen an Bahnhöfen – sie kennen das vielleicht auch? Wenn ich denn unbedingt mal jemanden erreichen muss, geht das mit meinem P800 ganz ausgezeichnet, das auch einfache Prepaid-Karten verkraftet.

Wie gesagt: Ich scheine kein Einzelfall zu sein, wenn UMTS nun auch schon auf Volksfesten beworben werden muss. Pech, dass die Telcos zum Erfolg verdammt sind, um ihre hohen Kosten wieder einzuspielen. Dafür muss Ihnen aber noch eine echte „Killer-Applikation“ einfallen. Derzeit sehe ich eine solche nicht.

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