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Da geht jetzt bisschen was schief Crocodiles Hamburg

Vorab: Ich gehe gern zu den Crocodiles. Ich habe es schon gern getan, als ich noch keine Dauerkarte bei den Hamburg Freezers hatte. Und ich tue es bislang auch (noch) ganz gern.

Ich habe bei den Crocodiles einige tolle Spiele gesehen. Aber ebenso sensationelle Niederlagen, als der Verein an manchen Tagen die Schießbude der Oberliga Nord war.

Nun sind die Freeezers Geschichte und dank eines Zufalls die Crocodiles die Nummer eins im Eishockey in der Hansestadt. Das hat in der vergangenen Saison einen regelrechten Boom ausgelöst. Man muss schon zu den Veteranen gehören, um sich noch zu erinnern, wann zuletzt so viele Menschen ins Eisland Farmsen gepilgert sind. Noch vor zwei Jahren konnten Zuschauer im Mannschaftsbus zu Auswärtsspielen mitfahren. Und wenn sich an einem Abend mehr als 170 Zuschauer in der Halle verteilten, waren die Spiele gut besucht.

Der Boom ist positiv. Er eröffnet mehr finanziellen Spielraum und mehr Möglichkeiten. Nun bin ich realistisch genug und habe in der Hansestadt zu viel erlebt, als in die Euphorie des einen oder anderen Fans zu verfallen, der von einem sportlich ausgerufenen Ziel (Sportlicher Aufstiegskandidat in die DEL2) dann auch tatsächlich an die Crocos in der DEL2 glaubt. Oder anders: Dazu kenne ich das Business zu gut. Und derzeit sehe ich keinen Mäzen, der reich und verrückt genug wäre, eine für die DEL2 taugliche Spielstätte in Hamburg errichten zu wollen.

Nichtsdestotrotz will man sich in Farmsen stärker professionalisieren. Und genau deshalb ist auch mein Anspruch größer geworden. Vor zwei Jahren ging man an einem Sonntag in die Halle, zahlte 10 Euro und mit Pommes und einer Cola sah man mit Glück für 15 Euro tolle Tore und Spielzüge der Heimmannschaft. Und wenn es nicht so gut lief, dann sah man die Tore und Spielzüge auf der anderen Seite. Preis-Leistung voll okay.

Dann kamen der Boom und die erste Dauerkarte. Bei 26 Heimspielen war der Preis gegenüber DEL-Niveau immer noch ein Schnäppchen. Die Spiele waren toll. Viele Tore, viele Siege. Kein Wunder. War es den Crocos doch gelungen, eine Paradereihe zu holen, die teilweise in der Qualität weit über Oberliga-Niveau spielte.

Das war vergangene Saison. Und nun sollte es noch professioneller werden. Sportlicherweise wurden die Preise für die Dauerkarten bereits im Mai verkündet. Unterdessen hatte die Liga aber Modus und Zahl der Vereine verändert. Rechnerisch wurde die vorher moderate Preiserhöhung prozentual unverschämt. In der Summe zahle ich zwar „nur“ 50 Prozent von den Dauerkarten bei den Freezers, nur hatte meine Tochter damals auch noch eine. Überschlagsmäßig bezahle ich jetzt für eine Vollzahler- und eine Ermäßigungskarte (für meinen Junior) 75 Prozent gegenüber der DEL.

Achja: Neulich wollte man Junior noch nicht einmal reinlassen, weil er keinen Schülerausweis hat, der aber Voraussetzung für die Ermäßigung sein soll. Da klappt es dann schon mit der Professionalität.

Der Besuch der Spiele ist also mal bangig teurer geworden. Damit habe ich noch nicht bequemer gesessen, die Halle ist nicht heller, die Toiletten genauso desolat und die Show für die Zuschauer scheint niemand zu interessieren. Sonst könnte man wenigstens beim Bäderland mal darauf hinwirken, dass die Scheiben der Banden gereinigt werden. Von den teilweise zerkratzten Scheiben will ich nicht reden.

Nehmen wir das also mal als Vorfinanzierung der sportlichen Entwicklung. Mit anderen Worten: Etaterhöhung. Nun sind Leistungsträger angeschlagen. Und jetzt offenbart sich, dass der Etat zwar erhöht worden sein mag. Der wurde nur nicht in die Tiefe des Kaders gesteckt. Leider. Die Vorbereitungsspiele haben noch den Mantel darüber gelegt, wo die Crocos derzeit sportlich stehen. Unverständlicherweise hat man sich nur „einfache“ Gegner ausgesucht. Das soll ja, je nach Philosophie, einer Mannschaft Selbstvertrauen geben. In diesem Fall hat es eher eingelullt.

Denn was sportlich derzeit in Farmsen geboten wird, ist Oberliga. Nur eben wie vor zwei, drei Jahren. Kein Körperspiel. Stockfehler zum Weglaufen. Kein Einsatz und vor allen Dingen kein Kampfgeist. Beim Relegationsspiel zum Verbleib in der Oberliga war sich kein Spieler zu schade, sich schützend vor dem Torhüter in die Pucks zu werfen. Die Crocos dieser Saison begleiten freundlich grüßend den gegnerischen Stürmer bis direkt vor den Torraum, damit er dort ungehindert zum Abschluss kommt.

Und das ärgert mich. Nicht, dass Sie das falsch verstehen. Wenn Sie mal im Archiv hier gucken, kann ich auch mit hohen Niederlagen eines Vereins umgehen. Auch mit Durststrecken. Nur Professionalität kann nicht bedeuten, mehr auf der einen Seite haben zu wollen, auf der anderen Seite dann aber nichts zu liefern. Dazu gehört, dass ich eine Mannschaft sehe, die Eishockey spielt. Nicht Eiskunstlauf zeigt.

Oberliga hautnah – als Zuschauer mit den Crocodiles auf Auswärtsfahrt

Wer Eishockey nur aus den modernen Mehrzweckarenen kennt, erhält einen falschen Eindruck von diesem wunderbaren Sport. Eishockey findet bundesweit überwiegend in kleinen, kalten und lauten Hallen statt, in denen ein (mehr oder weniger kleiner) Haufen von Fans lautstark sein Heimteam anfeuert. Pucks knallen hier nicht mit einem leichten Schnalzen in die Bande, sondern krachen deutlich hörbar mit ihrer Urgewalt in die Spielfeldbegrenzung.

Eishockey lebt (nicht nur in Deutschland) von der Opferbereitschaft seiner Spieler und Anhänger. Wer als Kleinstschüler auf Auswärtsfahrt geht, muss am Wochenende oft sehr früh aufstehen. Denn meistens müssen die Begegnungen bereits spätestens um 10 Uhr beendet sein, wenn die Eishalle für den Publikumsverkehr eröffnet wird. Und in Ober- und Regionalligen gibt es in jedem Team zumindest eine gute Seele, die sich rührend um die Spieler kümmert, und von Getränken über Heftpflaster bis zu Handyladekabeln alles dabei hat, was so gebraucht werden könnte.

Wer diesen Sport völlig ungefiltert und abseits des Glamours der DEL erleben will, hat im Hamburger Raum dank der Hamburg Crocodiles eine gute Gelegenheit dazu. Unter dem Motto „Oberliga hautnah“ können Fans und solche, die es werden wollen, die Mannschaft im Teambus zu einer Auswärtsfahrt zu begleiten.

Klar, dass mein Sohn und ich die Gelegenheit ergriffen, um gleich bei der ersten Ausfahrt nach Timmendorf mit dabei zu sein. Nachdem sich die Abfahrt am Treffpunkt etwas verzögerte, wurde die Zaungäste von Crocodiles-Legende Wolfgang Asmuß kurzerhand zu einem Glas Mineralwasser in den Aufenthaltsraum direkt an der Eishalle Farmsen eingeladen. Gegen 17 Uhr war der Bus dann da. Bis aber Spieler, Material und Gäste verladen waren, dauerte es erneut eine Weile. Gegen 17 Uhr 30 ging es dann endlich Richtung Timmendorf.

Der Empfang ist herzlich. Die Mannschaft sitzt wenige Meter entfernt. Klar ist aber auch, dass es sich um eine Auswärtsfahrt handelt, nicht um eine touristische Rundreise. Entsprechend stehen die Pläne und Bedürfnisse der Spieler im Vordergrund.

Sportlich hatte sich die Fahrt spätestens gegen 21:30 Uhr gelohnt, dann da führten die Crocodiles bereits deutlich. Der Endstand der Begegnung täuscht etwas über die Leistung der Beach Boys hinweg. Diese waren nicht so unterlegen, wie das 1:4 nahelegt. Allerdings war das Spiel der Timmendorfer oft zu kompliziert und wenn sich einmal eine gute Möglichkeit ergab, trafen die Spieler entweder das leere Tor nicht oder scheiterten am glänzend aufgelegten Keeper der Crocos. Der Farmsener Sieg erschien so nie gefährdet.

Auf die Rückreise ging es erst gegen 23 Uhr 30, und da noch ein Zwischenstopp für hungrige Kufencracks bei McDonald fällig war, traf die Reisegruppe dann auch erst um kurz nach 1 Uhr nachts wieder an der Eishalle ein. Steht zu vermuten, dass im Falle der Niederlage die Abfahrt etwas rascher erfolgt wäre.

Fazit: Für unter 20 Euro bieten die Crocodiles da eine wirkliche tolle Möglichkeit, Eishockey authentisch zu erleben. Ob Sohnemann und ich es in dieser Saison noch einmal schaffen, ist etwas zweifelhaft. Wünschenswert wäre aber auf jeden Fall, das Angebot auch in der nächsten Spielzeit beizubehalten. Wer jetzt Lust bekommen hat, sieht am besten auf der Homepage der Crocos vorbei und meldet sich dann per Mail an mifahren@crocodiles-eishockey.de.