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Zu Besuch bei der DEG – und was Hamburg draus lernen könnte (Update)

Regelmäßige Leser dieses Blogs werden sich vielleicht an den Spielbericht zur Begegnung gegen die DEG erinnern. Der Nachmittag fing damals für meinen Sohn nicht sonderlich gut an, als ihn ein Puck auf dem Kopf traf.

Es folgte ein munterer Dialog mit der Düsseldorfer EG auf Twitter, der schließlich in einer Einladung meines Sohnes plus Begleiter (da hatte ich dann einfach mal laut »Hier« geschrien) gipfelte. Update: Die Einladung umfasste die Eintrittskarten zum Spiel. Nicht die Reise und das Hotel. Die DEG ist ja nun auch nicht Krösus.

In der vergangenen Woche war es dann so weit.

Das wird kein Spielbericht. Wir haben ein spannendes und schnelles Spiel gesehen. Am Ende hatten die Krefelder Pinguine die Nase vorn, somit konnten wir auch leider keinen Eindruck davon gewinnen, wie denn dort am Rhein ein Sieg gefeiert wird. Aber 9 Tore in einem Spiel sind ja schon einmal für den Zuschauer etwas.

Interessant fand ich einmal den Einblick in eine so ganz andere Atmosphäre und damit den direkten Vergleich zur O2 World in Hamburg, wo wir ja Dauerkarten für die Spiele der Hamburg Freezers besitzen.
Für den schnellen Leser: Ich glaube, dass Hamburg als Eishockey-Standort eine Menge von Düsseldorf lernen könnte. Trotz der Unterschiede im Temperament, die sich kaum abstellen lassen werden.

DEG Treff – eine wirklich hübsche Idee

Die Einladung der DEG umfasste nicht nur die reinen Eintrittskarten, sondern auch Zutritt zu einem geschlossenen Bereich in der Arena, dem DEG Treff. Das mag erst einmal nach Bierseligkeit klingen, ist aber ein mit eigenem Eingang versehener Abschnitt im ISS Dome. Hier kann man sich eineinhalb Stunden vor dem Spiel, während der Pausen und nach dem Spiel nicht nur nett unterhalten. Es gibt Getränke und ein leckeres und reichhaltiges Buffet. Man greift einfach zu und isst und trinkt, soviel man eben schafft.

Den Besuch des Fantreffs kann man offensichtlich auch separat zu seiner Karte zubuchen. Mir hat dabei sehr gut gefallen, dass man nicht einen eigenen VIP-Bereich für sich hat, oder in einer Loge geparkt wird.

Das Publikum kann sich direkt ein Bild davon machen, was die Besucher für einen Spaß dort haben und wie es hier zugeht. Da dürften mögliche Hemmschwellen gar nicht erst aufkommen lassen und gute Werbung dafür sein.

Erste Reihe im ISS-Dome – man sieht mehr

Wer sich in der Hamburger O2 World in die erste Reihe setzt und eher von kleinerem Wuchs ist, wird überrascht sein, wie tief er denn sitzt. Und gerade Kinder sehen in der ersten Reihe nichts, weil ja gleich über der Bande auch noch ein breiter Streifen mit Sponsorenaufschrift die Sicht verdeckt.
Die erste Reihe im ISS Dome, für die wir Karten hatten, ist eher mit der Reihe 2 oder 3 in Hamburg zu vergleichen. Nichts verdeckt die wirklich ausgezeichnete Sicht. Achja. Nett bei den Plätzen war, dass die Trainer oder auch Herr Köberle direkt durch diesen Bereich zur Spielerbank gehen. Das ist alles insgesamt familiärer als in Hamburg.

Dichtere Atmosphäre – dank eines einfachen Tricks

Bereits beim Hinsetzen hatte ich den merkwürdigen Eindruck, näher am Geschehen als in Hamburg zu sein. Faktisch eigentlich kaum möglich. Des Rätsels Lösung: Da der Oberrang vollständig abgehängt wurde, also die Karten zunächst für den Unter- und Mittelrang verkauft werden, um diesen zu auszubuchen, entsteht eine dichtere Atmosphäre. Einfach, aber wirkungsvoll.

Denn damit gibt es auch nicht die vielen Lücken, die mich bei weniger stark besuchten Begegnungen in Hamburg immer stören und es schwer machen, dass der Funke überspringt, wenn es um das Anfeuern der Mannschaft geht.

Die Halle ist der Fanblock

Zunächst mal in Richtung der Hamburger Fans, die sich oft genug auf Facebook & Co das Leben selbst schwer machen. Auch der Düsseldorfer verlässt seinen Platz einen Moment früher, wenn sein Team verliert oder man den Eindruck hat, dass das Spiel nicht mehr gedreht wird.

Auf der anderen Seite: Ich muss es leider schreiben. Die Stimmung ist besser. Das liegt aus meiner Sicht schlicht daran, dass in Hamburg einfach zu viel geboten wird.

  • Hamburg Film
  • Einlauffilm
  • Fan Announcer
  • Zig verschiedene Fangesänge mit zum Teil echt schwierigen Texten, die noch dazu nirgend öffentlich nachzulesen sind.

Besonders der letzte Teil macht aus meiner Sicht den Unterschied. Mit dem Ergebnis, dass über die Spieldauer einfach mehr Alarm gemacht wird. Es gibt zwei oder drei Schlachtrufe und das Altbier-Lied, zu dem die Halle schunkelt. Und fertig.

Das ist nicht originell, aber wirkungsvoll und sorgt für Stimmung. Denn gerade weil es so einfach ist, macht auch die Halle mit und nicht nur ein kleiner Abschnitt hinter dem eigenen Tor.

Dazu trägt dann auch bei, dass der Hallensprecher mit dem Publikum interagiert und etwa auch mal deutlich macht, dass die Mannschaft jetzt jeden Zuspruch braucht.

Um es direkt zu sagen. Hier wird mit den Fans zusammen Stimmung gemacht und nicht darauf gewartet, dass die Fans Stimmung machen.

Ein kleiner, aber ebenfalls bemerkenswerter Unterschied.

Dass es in der O2 World auch nach mehr als 10 Jahren Freezers immer noch so oft mucksmäuschenstill ist. Vielleicht liegt das eben auch daran, dass es für Neueinsteiger so schwierig ist, überhaupt mitzumachen, da nicht klar wird, was gerade dran ist.

Ups, das Auto kann man tatsächlich gewinnen

Seit Jahren gibt es bei den Freezers den »Superschuss«. Ich möchte nicht unken, aber ich glaube, inzwischen dürfte auch der letzte Fan verstanden haben, dass es nahezu unmöglich ist, den Wagen zu gewinnen. Selbst ein Eishockey-Profi dürfte Schwierigkeiten haben, einen Puck von der blauen Linie in ein Loch zu versenken, dass kaum größer als der Puck selbst ist. Für den Sponsor ist das natürlich toll. Es kostet ihn nix und er wird ständig genannt. Für regelmäßige Zuschauer ist das Spielchen aber auch ermüdend.

Bei der DEG gab es just diesen Abend ein Auto zu gewinnen. Verlost unter allen Inhabern einer Dauerkarte. Gleiche Chance für alle und netter Ansporn, als DK-Inhaber bei der Stange zu bleiben.

Diese Zeilen werden wahrscheinlich nichts ändern. Aber aus meiner Sicht kann das Marketing der Freezers von der DEG und deren emotionalen Werbeauftritt eine Menge lernen.

Und mir bleibt an der Stelle nur nochmals, danke DEG zu sagen!

Vorne top, hinten Flop – Rekordsieg der Freezers gegen Iserlohn (25.1.15)

Ein Klischee im Sport sagt, dass Verteidigung Meisterschaften gewinnt. Das ist übrigens gar nicht so, wie die auch aus anderen Gründen extrem lesenswerte Webseite Freakonomics herausgefunden hat.

Eigentlich müssten die Hamburg Freezers aus der jüngsten Vergangenheit wissen, dass man Siege gegen einen geschwächten Gegner nicht überbewerten sollte. Aber das ist natürlich kein Gesichtspunkt, wenn es in erster Linie lediglich um Spiele für die Galerie und ein volles Haus geht. Vollmundig wird also der »höchste« Heimsieg der Clubgeschichte gefeiert. Mit 9:4 wurden die Iserlohn Rooster wieder ins Sauerland geschickt. Nach einem Spiel, das durchaus auch den Verfasser dieser Zeilen zu unterhalten wusste, der zu den 12.800 Zuschauern gehörte. Ein Spiel, das gerade das Event-Publikum begeistert haben dürfte.

Rein sportlich war das dagegen alles andere als begeisternd, wenn man an die in wenigen Wochen bevorstehenden Playoffs denkt. Die Freezers zeigten zwei Gesichter. Im Angriff druckvoll, in der Verteidigung auf Niveau der Regionalliga.

Es ist traurig, aber bei der Schilderung des Spieles muss ich auf die Seite der Iserlohner verweisen. Denn die Begegnung, die dort beschrieben wird, habe ich ebenfalls gesehen. Ein Teil der hiesigen Lokalpresse war wohl eher 30 Minuten auf der Toilette oder beim Catering.

Nur als Ergänzung zum Spielbericht der Roosters:

  • Es war für Daniar Dshunussow ein Tag zum Vergessen. Das bereits in der ersten Minute kassierte Tor brachte den Iserlohner Keeper dermaßen aus dem Konzept, dass in den nächsten 10 Minuten bei ihm nichts mehr zusammenlief. Kaum ein Puck wurde festgehalten. So hatten die Hamburger leichtes Spiel und nach 13 Spielminuten stand es bereits 3:1 für die Gastgeber. Der eingewechselte Lange durfte ebenfalls gleich hinter sich greifen. Zur Pause stand es dann 4:1. Eigentlich ein beruhigender Vorsprung aus Hamburger Sicht.
  • Die Roosters kamen wie die Feuerwehr aus der Kabine und waren plötzlich dran. Binnen 10 Minuten fiel die Hamburger Abwehr wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Unzufriedenheit mit der Situation stand den Spielern ins Gesicht geschrieben. Gerade der erfolgreiche Bauerntrick gegen Dimitri Kotschnew, der diesen Fehler aber später mit einem sehr guten Save bei einer 1:1-Situation wieder wettmachte, gab den Spielern vom Seilersee wieder Auftrieb. In dieser Phase zeigten die Hamburger das zweite Gesicht dieses Nachmittags. Ein Verhalten in der Defensive, das nicht einmal für die DEL2 langen würde. Mit 6:4 ging es in die zweite Pause.
  • Im letzten Dritteln ging den Rooster (denen 5 Leistungsträger fehlten) dann doch die Puste aus. Und die Freezers konnten alles zum Rekordsieg klar machen.

    Das 9:4 wird dem Spielverlauf nicht gerecht, zumal nach meiner Zählung allein 3 Treffer der Hamburger eher als Eigentore der Roosters zu sehen sind. Über die gesamte Spielzeit geht der Erfolg der Freezers aber in Ordnung. Die Roosters trafen einige Male das schon leere Tor nicht. Und zum Siegen gehört eben auch das Einnetzen.

13 Tore in einem Spiel erfreuen zwar das Publikum und Fernsehzuschauer. Sie sind im modernen Eishockey auch aber ein sicheres Zeichen dafür, dass da etwas nicht stimmt und es reichlich Arbeit für die Trainer gibt. So auch in Hamburg (wenn man dort die blaue Brille abnimmt): Wenn es Serge Aubin nicht in den nächsten vier Wochen gelingt, die Defensive zu stabilisieren, sind die Hamburger nicht bereit für die Playoffs. Denn zu einem Fortkommen in den Finalrunden gehört neben Offensive eben auch eine starke Defensive. Das zeigt auch die oben empfohlene Website.

Ich bin mir sicher, er wird sich erkennen. Deswegen ein kleiner Hinweis. Einige Beiträge dort werden insbesondere von fettleibigen und zur Rechthaberei neigenden Sportschreiberlingen schwer zu verstehen sein, diese sollten es nicht aufgeben, die Materie intellektuell zu durchdringen.

Freezers unterliegen bissiger spielender DEG (2.11.2014)

Es dürfte jedem bewusst gewesen sein, dass die sensationelle Serie der Hamburg Freezers einmal reißen würde. Gerissen ist sie leider in dem psychologisch unglücklichen Moment vor der Länderspielpause und mit einer ganz schlechten sportlichen Leistung.

Der Nachmittag fing für den Chronisten bereits misslich an, als die Düsseldorfer Nummer 9, Davies, wohl aus einem Missverständnis heraus, einen Puck über die Bande warf, wohl im Glauben, dass jemand diesen sammeln wollte. Wodurch nun auch immer ermutigt, flog die Gummischeibe über das Glas und traf meinen Sohn mitten auf dem Kopf, der mit diesem Anflug so gar nicht gerechnet hatte.

Ein hilfsbereiter Fotograf in der Pressebucht organisierte sofort kühlendes Eis, und auch Michael Davies startete durch und brachte ein Eispack aus der Düsseldorfer Kabine mit. Sichtlich unangenehm berührt, fuhr er auch noch ein paar Mal an der Bande vorbei und war erleichtert, als Sohnemann dann schon wieder lachen konnte.

Das war eigentlich auch bereits alles, was einen zum Lachen bringen konnte. Serge Aubin hatte für mich unerklärlicherweise Dimitri Kotschnew aufgestellt, als wolle er Sebastien Caron für seine Glanzleistung zwei Tage vorher bestrafen. Das inzwischen schon fast obligatorische frühe Kotschnew-Tor wurde den Düsseldorfern glücklicherweise aberkannt.

Die Freezers finden nicht in die Partie

Die Düsseldorfer erwiesen sich erneut als unangenehmer Gegner, der deutlich mehr Kampfeswillen als die Hamburger zeigte. Offensichtlich hatte man am Rhein Videos der Freezers gesehen und setzte auf ein intelligentes 2:3 System. Die Verteidiger drangen regelmäßig früh in das Angriffsdrittel vor, um die Stürmer an der blauen Linie ins Spiel zu bringen. Gegen den von Köln abgeschauten langen Pass, der die neutrale Zone überbrückte, fanden die Hamburger ebenfalls während der gesamten Partie kein probates Mittel.

So blieb der einzige Höhepunkt des ersten Drittels ein Faustkampf, den Mathieu Roy gegen Daniel Kreutzer deutlich gewinnen konnte. Vorangegangen war ein angeblicher Check gegen den Kopfbereich (der für mich eher wie ein verunglückter Check aussah, dem man eine Tendenz Richtung Kniecheck geben könnte) von Roy gegen Olimb. Den wird die DEL sich dann noch genauer ansehen.

15 Sekunden nach Anpfiff des zweiten Drittels konnten die Hausherren im Powerplay die Führung erzielen. Eine schöne Leistung von Pettinger. So ging es dann auch in die Pause. Selbstvertrauen hatten die Hamburger durch die Führung nicht gewonnen. Fehlpässe und individuelle Fehler häuften sich. Und den Düsseldorfern gelang es gut, die Hamburger Führungsspieler zu neutralisieren.

Das Schiedsrichterproblem der DEL

Indiskutabel war die Leistung von Schiedrichter Eric Daniels, der im zweiten Spiel in Folge unglücklich agierte. Und das hüben wie drüben. Eindeutige Fouls gegen die Hamburger wurden nicht geahndet, anschließend aber dann Düsseldorf der Vorteil eines Powerplays gewährt. Zweimal stolperten Hamburger Spieler über sich selbst, Daniels erkannte auf Strafen gegen Düsseldorf. Die DEL hat ein Schiedsrichterproblem, das wissen auch die Vereine, tun aber nichts dagegen. Das ist schade.

Düsseldorf mit mehr Biss in der Schlussphase der Partie

Nach knapp 5 Minuten im dritten Drittel konnten die Düsseldorfer den Ausgleich erzielen. Es folgte eine durchaus fragwürdige Straftzeit gegen die Freezers, die die Düsseldorfer in einem wirklich fulminant vorgetragenen Powerplay zur Führung nutzten.
Diese egalisierte zwar Thomas Oppenheimer nur zwei Minuten später. Doch statt nun auf den wichtigen Punkt zu bauen und sicher zu stehen, versuchten die Freezers offensiv zu bleiben. Und wurden mit einem (ebenfalls Kotschnew-Klassiker) späten Gegentreffer bestraft.

45 Sekunden vor Schluss netzte Turnbull ins verwaiste Hamburger Tor ein und machte den verdienten Sieg der Düsseldorfer klar.

In knapp zwei Wochen haben die Hamburger die nächste Chance, wieder zu glänzen.

Freezers besiegen zahme Augsburger Panther (31.10.2014)

Knapp 7700 Zuschauer strömten am Freitag in die Hamburger O2 World. Anlässlich von Halloween putzen sich auch die Stadionsprecher zünftig für die gastierenden Augsburger Panther heraus.

Zäher Beginn im ersten Drittel

Hatten die Panther bei der ersten Begegnung in der ersten Minute bereits den Eindruck hinterlassen, noch im Bus zu sitzen, präsentierten sich die Augsburger deutlich angriffslustiger und fanden zu Beginn besser ins Spiel. Die Freezers zeigten sich (ob da tatsächlich ein Zusammenhang besteht, vermag niemand zu sagen) erneut an einem Mottospieltag nervös. Sowohl das körperbetonte Spiel der Augsburger als auch deren frühes Stören in der neutralen Zone brachten die Hamburger sichtlich aus dem Konzept. Es ging nicht viel zusammen und Thomas Oppenheimer etwa ließ nicht erkennen, wie der Abend weitergehen würde. Mit einem für die Hamburger durchaus schmeichelhaften 0:0 ging es in die Kabine.

Die sogenannte Leistung eines Roland Aumüllers

Hauptschiedsrichter war an diesem Abend Roland Aumüller. Dass ich kein besonderer Freund dessen Leistungen bin, zeigen diverse Beiträge hier. An dieser Stelle aber deutlich der Kommentar zu diesem Abend: Roland Aumüllers Art, an diesem Abend eine Partie zu “leiten” fängt an, die Gesundheit der Spieler zu gefährden. So stand Herr Aumüller dreimal (!) in unmittelbarer Nähe, als Brady Lamb ohne Einfluss auf das Spiel nehmen zu können, einen Hamburger Spieler per Crosscheck (2x) zu Boden streckte und einmal von hinten in die Bande donnerte. Die Reaktion des so genannten Unparteiischen bestand nicht in Anerkennung einer Strafe, sondern in dem in der Liga bekannten dümmlichen bauernschlauen Grinsen und der Geste, dass das schon nicht so schlimm gewesen sein konnte. Das ist schlicht unerträglich und eine Schande für die Liga.

Die Freezers wachen auf – die Gala des Thomas Oppenheimer

Sichtlich angriffslustiger kamen die Hamburger aus der Kabine. Es war Mathieu Roy, der die Freezers mit 1:0 in Führung brachte und im Powerplay ein schönes Tor von der blauen Linie erzielte. Dies war ein Dammbruch für eines dieser sportlichen Wunder, die im Eishockey nicht so selten sind. Denn jetzt folgte eine Gala des Thomas Oppenheimer. Erneut im Powerplay erzielte Oppi das 2:0 und lieferte mit seinen zwei Treffern im dritten Drittel einen lupenreinen Hattrick ab. Mit 4:0 entscheiden die Freezers die Partie für sich.

Während der Sieg aus meiner Sicht eindeutig in Ordnung geht, da die Panther am Ende doch zahn- und spielerisch etwas einfallslos wirkten, war das Ergebnis schmeichelhaft. Sebastien Caron lieferte eine sensationelle Partie ab und vereitelte in höchster Not zwei lupenreine Chancen der Panther.

Erstaunlicherweise wird der Keeper vom Hamburger Publikum nahezu ignoriert, während Kotschnew sich nur spektakulär auf den Puck werfen muss, um frenetisch mit Rufen wie “Dim-Dim-Dimitri” gefeiert zu werden.

Gut in Form an diesem Abend waren von Anfang an Sebastien Caron und (der etwas später in die Partie gekommene) Thomas Oppenheimer. Nicht unerwähnt lassen, sollte man aber auch den lupenreinen Faustkampf von Sam Klassen, der damit seine bereits in der EHCL gezeigten Fähigkeiten unterstrich.

Aua, das tat weh – Hamburg Freezers vs. EHC München 12.09.2014

Keine Frage – den Start in die neue DEL-Saison hätten sich Fans und Mannschaft der Hamburg Freezers sicher anders vorgestellt. Über 8.500 Zuschauer kamen in die O2-World und signalisierten: „Wir haben Bock auf Eishockey“ – es sollte ein durchwachsener Abend werden.

Vor dem Spiel

Etwas indisponiert präsentierte sich gleich zu Beginn der DJ. Ausgestattet mit rosa Kopfhörern schien er sich in anderen Sphären zu bewegen. Der Lärmpegel war so hoch wie seit Jahren nicht mehr.

Chronistenpflicht ist beim ersten regulären Saisonspiel natürlich auch, ein Wort zur Einlaufshow zu verlieren. Das Marketing scheint sich gedacht zu haben, dass eine Kombination aus den Elementen perfekt sein müsste, bei denen das Publikum in der Vergangenheit laut grölte. Herausgekommen ist die aseptischste Schau seit Jahren. Ein paar Fitnessbilder, die Landkarte rund um die Hansestadt, ein paar rockige Klänge.

Unfassbar suchen die Hamburger Freezers im 11. Jahr immer noch ihre Identität. Dazu passte das vom Fan-Announcer völlig verpatzte Hereinholen der Mannschaft. Und wie immer – wenn es eine neue hochmütige Folge von „Freezers Street“ gibt, gehen die Freezers baden. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

Die Stadionsprecher lernten vielleicht besser Englisch oder die Regeln des Spiels, statt bemüht witzig zu sein. Die „gedankliche Linie“ befindet sich beim Hybrid Icing nicht unmittelbar hinter der blauen Linie. Wäre auch albern, weil man statt der gedachten Linie dann ja gleich die vorhandene, blaue, nehmen könnte. In den Pausen könnte nach 3 Jahren vielleicht langsam auch mal etwas anderes passieren, wenn man denn unterhalten will.

Das Spiel

Zum Spielverlauf: Die Männer um Benoit Laporte wollten es besser als in der CHL machen. Sie gingen beherzt und mit Kraft zur Sache. Und wurden belohnt. Das 1:0 nach knapp 5 Minuten im Powerplay. Das sah so gut wie seit Jahren nicht aus. Viel Bewegung und schöne Kombinationen.

30 Sekunden später gab es dann aber auch bereits den Ausgleich. Nach einem Geschenk der Freezers. Und solche Geschenke gab es an diesem Abend noch häufiger. Wann immer der Puck nicht sofort aus dem eigenen Drittel herausbefördert werden konnte, wurde es gefährlich. Denn hinter dem eigenen Tor war das Fehlen von Schubert und Westcott deutlich spürbar.

Ab Mitte des zweiten Drittels war der Spielstand dann eigentlich nur noch Makulatur. Statt geordneten Spiels brannte es nach dem Ausscheiden von Brett Festerling lichterloh in der Abwehr. Ein glänzend aufgelegter Caron mühte sich nach Kräften, aber zum Schluss waren die Beine schwer und die Mannschaft um Schadensbegrenzung bemüht. 16 zu 56 Schüssen sagen über den Spielverlauf eigentlich alles aus. Der Sieg der Münchner geht vollkommen in Ordnung. Dessen Höhe schmerzt und erweckt den Eindruck eines völlig eindeutigen Spielverlaufs. Ganz so einfach war es dann aber für den neuen Luxus-Kader aus der bayerischen Landeshauptstadt doch nicht.

Meine Spielerwertung

Gut drauf waren: Caron, Krämmer, Jakobsen. Besonders das Zusammenspiel zwischen diesen beiden scheint sich immer mehr zu finden. Und Lars Brüggemann leitete die Partie souverän wie lange nicht mehr.

Kevin Schmidt stand gefühlt zum Schluss nur noch auf dem Eis und ackerte sich nach Kräften ab. Auch Klassen macht einen sehr stabilen Eindruck.

Der Penalty geht zwar auf die Kappe von Matt Pettinger, aber der Mann zeigt es teilweise in Sachen Zweikampf den jungen Spielern und steht überdurchschnittlich oft einfach richtig.

Das Tor von Sertich darf meiner Ansicht nach nicht darüber hinwegtäuschen, dass er und Clark derzeit noch zu wenig Spielzüge kreieren. Gerade bei Clark muss noch mehr kommen, zumal er sich ganz offensichtlich beim Back-Checking mehr als unwohl in seiner Rolle fühlt.

Ebenfalls unter ihren eigentlichen Möglichkeiten spielen derzeit Oppenheimer und Flaake.

Für mich derzeit die absolute Enttäuschung ist jedoch Patrick Pohl. Schwach in den Zweikämpfen, spielt er weder ein besonders intelligentes noch fehlerfreies Eishockey und meidet offensichtlich körperliche Härte. Da muss noch deutlich mehr kommen.

Man darf gespannt sein, wie sich der jetzt erneut dezimierte Kader der Hamburg Freezers am Sonntag gegen Düsseldorf schlagen wird. Eines ist sicher: Nach dem gestrigen Debakel wird es die DEG besser machen wollen. Das wird eine harte Aufgabe für die Hamburger Jungs.