Margriet de Moor: Sturmflut

Zwei Schwestern treffen die sonderbare Vereinbarung, dass die eine, die andere auf der Geburtstagsfeier des eigenen Patenkinds vertreten möge, was diese auch tut. Nur eben am 31. Januar 1953, dem Tag einer katastrophalen Sturmflut in den Niederlanden, die rund 2000 Menschen das Leben kostet. Zunächst war ich nach der Lektüre des Klappentextes etwas skeptisch, ob dieser Stoff, die Kraft haben würde, seine Leser zu fesseln. Diese Skepsis war ohne jeden Zweifel unberechtigt. Margriet de Moor schreibt eindrucksvoll, mit starken Bildern, die im Kopf bleiben. Sie erzählt die Geschichte von Armanda, die versucht, das Leben ihrer verschwundenen Schwester zu führen und dazu sogar deren Mann heiraten muss. Stets und ständig merkt man diesen Charakteren an, wie sich die Frage nach der Schuld in ihre Hirne brennt. Zugleich, mit einer bemerkenswerten erzählerischen Distanz und Kraft, wird der Fortgang der Katastrophe und der sanfte Tod durch Erfrieren ihrer Schwester Lidy geschildert. Die beiden Schicksale bleiben stets miteinander verwoben, bis an ihren nahen Ende Armanda Zwiesprache mit dem Geist von Lidy hält. Ein faszinierendes, kraftvolles Buch.


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