Clipmarks: Immer diese Umlaute

Während Services zum Speichern von Bookmarks eine Weile wie Pilze aus dem Boden zu sprießen schienen, sind Angebote zum Ablegen ganzer Webseiten eher die Ausnahme. Mit Furl dümpelt seit Jahren ein immer noch recht populärer Dienst technologisch dahin, weswegen ich mich Ende 2005 für Clipmarks entschieden habe. Inzwischen haben die Anbieter eine neue Version ihrer Toolbar für den Firefox herausgebracht, und eine Reihe neuer Funktionen entwickelt.

Besonders gespannt war ich auf die Blog-Funktion. Damit markieren Sie nicht nur eine Webseite oder Teile davon, um den Inhalt in das persönliche Archiv zu stellen, sondern können zu diesem Clipping auch einen Beitrag für Ihr Blog verfassen. Die Einrichtung meines Blogs war auch problemlos möglich. Aber bei einem Testposting musste ich dann leider feststellen, dass Clipmarks ganz böse Probleme mit den deutschen Umlauten (zumindest UTF kodiert) hat. Und damit hatte sich der Test dieser schönen Funktion auch wieder erledigt. Schade, denn nach wie vor, gefällt mir Clipmarks ausgesprochen gut.

Lovely Books – Plattform für Bücherfreunde

Wer ein Benutzerkonto bei Buchpfade unterhält, wechselt nun bald zu Lovely Books, einem Portal, dass notorischen Viellesern und Büchersammlern eine Heimstatt im Netz geben will.

Geboten werden die üblichen Elemente, die bereits aus meinem Favoriten Reliwa bekannt sind. Nach der Eröffnung eines Kontos befüllen Sie Ihr persönliches Buchregal. Ganz komfortabel geht dies, wenn Sie eine der vielen zur Verfügung gestellten Listen einsehen. Dann genügt es, den Titel mit der Maus in Ihr eigenes Regal zu ziehen. Ajax macht es möglich.

Zum Hinzufügen eines Buches steht eine Suchfunktion zur Verfügung, über die Sie den Datenbestand von Amazon (wem sonst) abfragen. Zu jedem Titel kann eine Rezension und Bewertung abgegeben werden. Zur besseren Orientierung und Organisation weisen Sie den Büchern Tags zu.

Während meines Besuches zeigte sich Lovely Books aber technisch nicht gerade auf der Höhe. Abfragen führten ins Leere und bereits die Einrichtung einer Leseliste wurde vom System nicht mehr beantwortet. Da ich mich bei Reliwa sehr wohl fühle, sehe ich nach wie vor keinen Grund zum Wechsel, auch wenn sich dort schon seit geraumer Zeit hinsichtlich neuer Funktionen nicht viel getan hat.

Blogbadge bei Lovely Books

Juli Zeh: Spieltrieb

Schon längere Zeit lag „Spieltrieb“ auf meinem SUB (Stapel Ungelesener Bücher) und wartete darauf, mit Aufmerksamkeit bedacht zu werden. Nun habe ich es endlich gelesen. Der Leser der Rezensionen und Klappentexte erstarrt zunächst fast in Ehrfurcht. Zwei Dickschiffe des Feuilletons „Spiegel“ und „Zeit“ überschlagen sich fast des Lobes.

Mein klares Votum: Spieltrieb ist keinesfalls ein Roman, den alle Schüler und Lehrer lesen sollten, wie es die Zeit postuliert. Wer der Meinung ist, dass dieses Buch ein „helles Bild unseres dunklen Zeitalters“ zeichnet, kennt dieses dunkle Zeitalter nur aus der Literatur und dem Fernsehen.

Als Labor dient Juli Zeh ein Gymnasium mit angeschlossenen Internat. Hier gehen Alev und Ada zur Schule und begegnen sich schicksalhaft. Aus Spieltrieb schläft Ada auf Wunsch von Alev mit einem Ihrer Lehrer, eine Handlung die Alev heimlich filmt, um nun den Lehrer erpressen zu können. Klar, dass es zu einem Eklat kommen muss und kommt.

Diese Handlung breitet Zeh sprachlich gekonnt und stellenweise durchaus fesselnd vor dem Leser aus. Die Meisterschaft von Juli Zeh liegt aber darin, die Handlung durch allerlei psychologische Erkenntnisse und Schilderungen von Nebensächlichkeiten auf diese Seitenzahl aufzublähen.

Wenn etwas in dem Buch passiert, liest sich das authentisch und spannend. Getrübt wird der Lesespaß lediglich durch den viel zu gravitätischen Stil, dem ich einem Thomas Mann noch abgenommen habe, Juli Zeh aber nicht.

links for 2007-03-06