Buch 22/2006: TV-Skandale

Das bei UVK erschienene Buch wirft einen eingehenden Blick auf die Skandale im deutschen Fernsehen der letzten dreißig Jahre. Das transparente Kleid von Sarah Connor fehlt genauso wenig wie die Serie “Wünsch Dir was”. Das Buch ist aber keine belletristische Beschreibung der Histörchen, sondern wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des TV-Skandals, seiner Typologie und Instrumentalisierung. Auch dieser Band eignet sich weniger für den Nachttisch, bereitet aber durchaus intellektuelles Vergnügen.

Buch 21/2006: Die Google-Gesellschaft

Die Herausgeber Kai Lehmannn und Michael Schetsche haben in diesem Buch zahlreiche Experten gebeten, sich mit dem Wandel unserer Gesellschaft und dem Wandel des Wissens, den die Digitalisierung hervorruft, auseinanderzusetzen. Herausgekommen ist dabei ein sehr kluges und anregendes Buch, nach dessen Lektüre der Leser sich fragt, warum mehr als ein Jahr nach Erscheinen die Tatsache, dass Personaler sich über Google Informationen über einen Bewerber besorgen, solches Aufsehen erregt. Natürlich schaut das Buch auch ein wenig hinter die Kulissen von Google und beleuchtet den Datenkraken kritisch. Es geht aber auch um viel wesentlichere Fragestellungen, wie dem Problem, Daten über einen längeren Zeitraum zu speichern, um nicht eines Tages vor einem Nichts an Erinnerungen zu stehen. Ein anregendes, ein aufregendes, ein politisches Buch!

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Buch 20/2006: Edgar Hilsenrath: Nacht

Es gibt Bücher, die sind so gewaltig, da verschlägt es einem sprichwörtlich die Sprache. Nacht von Edgar Hilsenrath gehört dazu. Vorweg: Dies ist keine Lektüre für den Nachttisch, sondern harte Lesearbeit. Hilsenrath schildert auf mehr als 600 Seiten den Überlebenskampf in einem jüdischem Ghetto während des 2. Weltkriegs. Er beschreibt die existentiellen Nöte der Menschen, den Hunger, die Verrohung. Die Handlung braucht keine Nazis, hier werden die Opfer oft genug selber zu Tätern, was sie zu Opfern macht. Hilsenrath beschreibt, wie den an Entkräftung oder Typhus Gestorbenen die Goldzähne herausgebrochen werden, um diese auf dem Schwarzmarkt gegen verfaulte Kartoffeln einzutauschen. Wer sich auf diese 600 Seiten einlässt, macht eine Grenzerfahrung, eine die sich lohnt. Wie es auch im Nachwort steht: Hier hat ein Autor den Kaddisch für sein Volk geschrieben.