{"id":2269,"date":"2012-03-12T16:00:46","date_gmt":"2012-03-12T14:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/news.lamprecht.net\/?p=2269"},"modified":"2012-03-12T16:39:58","modified_gmt":"2012-03-12T14:39:58","slug":"lust-und-frust-eines-hamburg-freezers-fans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news.lamprecht.net\/index.php\/2012\/03\/12\/lust-und-frust-eines-hamburg-freezers-fans\/","title":{"rendered":"Lust und Frust eines Hamburg Freezers Fan"},"content":{"rendered":"<p>Diesen Beitrag wollte ich schon lange geschrieben haben, aber die Z\u00e4sur vor der Endrunde der Meisterschaft in der DEL scheint endlich der richtige Zeitpunkt daf\u00fcr zu sein.<\/p>\n<p>Eishockey &#8211; das ist der schnellste, k\u00f6rperbetonste Mannschaftssport. Meine Eishockey-Sozialisation geht auf Kindertage zur\u00fcck, als ich einen Erich K\u00fchnhackl oder Gerd Trunschka gebannt auf der Mattscheibe verfolgte. Damals gab es Eishockey auch im \u00f6ffentlich-rechtlichen TV zu sehen und gerade in der ARD gab es einen Moderatoren, der auch Einsteigern regelm\u00e4\u00dfig geduldig das Regelwerk erkl\u00e4rte. (Falls einer meiner Leser den Namen parat hat, w\u00e4re ich dankbar. Es muss so zwischen 1978 und 1980 gewesen sein.) Und als Hamburger freue ich mich nat\u00fcrlich dar\u00fcber, dass ich Eishockey der 1. Liga in einer sehr sch\u00f6nen Arena sehen kann. Das soll \u00fcbrigens andere Mannschaften hier in Hamburg nicht schm\u00e4lern. Auch in Farmsen werden gute Spiele abgeliefert, aber wer die legend\u00e4ren K\u00f6lner Haie sehen will, muss schon in die gro\u00dfe Arena. Der Sport macht mir viel Freude bei Zuschauen, aber eben nicht nur. Hier also mal meine subjektive Lust-\/ Frust-Liste. Kommentare sind gern gesehen!<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Frust Nummer 1: \u00d6ffentliche Berichterstattung<\/strong>: Sie findet nicht statt. Einen der Tiefpunkte konnte ich gestern erleben. Da wurde der Mannschaftskapit\u00e4n der Freezers, Christoph Schubert, zur besten Eindruselzeit in eine Regionalsendung des NDR eingeladen. Schade, dass das Thema Eishockey so gar nicht das des Moderatoren war. Denn statt um den Sport, die aktuelle Tabellensituation, ging es in erster Linie um Verletzungen. \u00e2\u20ac\u0153Warum muss man denn Checks zu Ende fahren?\u00e2\u20ac\u009d Schon mal einen Fu\u00dfballer gefragt, warum diese oder jene Gr\u00e4tsche sein muss? Vielleicht liegt es an meinem Beruf, aber mir w\u00e4ren da auf Anhieb einige intelligentere Fragen zum Sport eingefallen. Aber \u00e2\u20ac\u0153Schubi\u00e2\u20ac\u009d hat sich gut aus der Aff\u00e4re gezogen, nur wenn mal als Fernsehsender keine Ahung von dem Sport hat, sollte man das dann lieber mal ganz sein lassen. Achja: Nat\u00fcrlich pr\u00e4sentiert sich Sky hier wieder als Retter des Sports, denn da kann ich ja DEL live sehen. Richtig. 1 Partie von 7 pro Spieltag. Die regionalen Zeitungen sind stets bem\u00fcht, aber wenn ich die Artikel zusammenstreiche, in denen nur die Trainerstimmen abgedruckt werden, leben die Freezers-Seiten der Hamburger Morgenpost eigentlich mehr von den Kommentaren der Leser. Schade. Und r\u00e4tselhaft zugleich. Denn als Hamburger Erfolge mit einer Hamburger Mannschaft feiern zu k\u00f6nnen, ist momentan ja eher nicht so h\u00e4ufig. W\u00e4hrend im Fu\u00dfball jede Bl\u00e4hung oder Inkontinenz eines Bundesliga-Legion\u00e4rs, deren Namen ich teilweise kaum noch aussprechen kann, seitenweise auf deren das Spiel beeinflussenden Charakter analysiert werden, findet Eishockey nicht statt. \u00dcbrigens ist das weltweit eher keine Randsportart.<\/li>\n<li><strong>Frust Nummer 2: Anschutz<\/strong>: Sagt Ihnen jetzt vielleicht nichts. In Kurzform. Eine Unternehmensgruppe gegr\u00fcndet von einem amerikanischem Herren mit teilweise merkw\u00fcrdigen politischen Ansichten, was man so lesen darf. Ihm geh\u00f6ren weltweit einige Arenen und damit auch Mannschaften. In Deutschland sind dies die beiden DEL-Mannschaften Hamburg Freezers und die Berliner Eisb\u00e4ren. Und genau diese Unternehmensgruppe hinterl\u00e4sst in Hamburg gerade keinen so g\u00fcnstigen Eindruck. Da ist es einer klug handelnden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung gelungen, aus meiner Sicht einen Wendepunkt zu erreichen. Aufbauarbeit zu leisten und einige junge Spieler sogar langfristig an den Verein zu binden. Und dann erhalten weder der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer noch der Trainer ihre Vertragsverl\u00e4ngerungen. Stattdessen wird in der Presse dann ein Satz lanciert, wie etwa \u00e2\u20ac\u0153Aus unserer Erfahrung spielt es f\u00fcr die Spieler keine Rolle, wer hinter der Bande steht\u00e2\u20ac\u009d. Sicher ist klar. Hat der sportliche Direktor bestimmt nicht als Teil des Paketes erw\u00e4hnt. Die Herren sollten vielleicht aufpassen, den Bogen nicht zu \u00fcberspannen. Denn mit rund 9000 Besuchern pro Spiel haben die Freezers auch gezeigt, dass an dem Standort etwas herauszuholen ist. W\u00e4re dumm, wenn die offensichtlich favorisierten Eisb\u00e4ren den Pokal dieses Jahr nicht holen. Und wie so eine Arena ohne Fans aussieht, durfte gerade ein anderer Teambesitzer mit eigenwilligen Ansichten in Hannover erleben.<\/li>\n<li><strong>Frust Nummer 3: Das Hamburger Jubelpublikum<\/strong>: Au weia. Hier k\u00f6nnte ich jetzt Seiten f\u00fcllen. Aber vielleicht machen Sie sich selbst mal ein Bild. Einfach mal die Pinnwand der Freezers auf Facebook betrachten. Zwischen \u00e2\u20ac\u0153Auf gehts\u00e2\u20ac\u009d und \u00e2\u20ac\u0153Der Norden sind wir\u00e2\u20ac\u009d gibt es dann gelegentlich auch mal einen Kommentar mit etwas Substanz von Menschen, die durchscheinen lassen, dass sie zumindest das Regelwerk verstanden haben. Schlimm ist es teilweise in der Halle. Am eindrucksvollsten vielleicht mal an einem Einzelbeispiel. Ich sitze momentan h\u00e4ufig in U7, 3 Reihe. Zwei Reihen hinter mir sitzt, nennen wir sie mal, Gertrud. Vielleicht erkennt sich die Dame ja sogar. Dauerkarteninhaberin, mit allen Zipp und Zapp ausgestattet, Trikot, Schal usw. Nur leider von jeder erdenklichen Grundkenntnis des Sports befreit. Aber nat\u00fcrlich wei\u00df sie, was genau in <strong>jeder einzelnen<\/strong> Situation zu tun ist. Da werden P\u00e4sse falsch gespielt (ja, das sehe ich auch, wenn sie beim Gegner landen), und der Torh\u00fcter h\u00e4tte den doch halten m\u00fcssen. Hat sich der Goalie in dieser Situation sicherlich auch gedacht, nachdem er die Scheibe aus dem Netz holte. Besonders abgesehen hat sie es auf Christoph Schubert, den sie immer unseren \u00e2\u20ac\u0153NHL Profi\u00e2\u20ac\u009d nennt. Das muss besonders verwerflich sein, dass dieser jetzt nicht die amerikanische Spielweise mit nach Deutschland gebracht hat. Achja, und Alexander Polaczek ist in ihren Augen auch ein totaler Versager. Schade, dass sie dann ein regul\u00e4res Icing genauso wenig erkennt, wie ein v\u00f6llig deutlich sichtbares Torraumabseits. Gertrud sein an dieser Stelle einmal zugerufen: Wenn man von dem Sport keine Ahnung hat, dann bitte einfach mal die Fresse halten. Bitte! Selbst mein J\u00fcngster, der sich seit einem halben Jahr intensiv f\u00fcr den Sport interessiert, hat Dich in Sachen Fachkenntnisse schon \u00fcberholt und beginnt unter Deinem Unsinn zu leiden!!! Aber Gertrud ist schlicht auch nur ein Synonym f\u00fcr die \u00e2\u20ac\u0153prima Stimmung\u00e2\u20ac\u009d in der Halle. Da schreit und turnt sich der Fanblock wund, alle gehen begeistert mit, nur wenn dann ein Breakout stattfindet, ist schnell wieder Ruhe. Aber genau das ist Eishockey. Wer nach vorne st\u00fcrmt, verliert mal den Puck und der Gegner l\u00e4uft aufs eigene Tor zu. Und in dieser Situation braucht die Mannschaft dann keine Unterst\u00fctzung?<\/li>\n<li><strong>Frust Nummer 4: \u00dcberzogene Erwartungen<\/strong>: Die Stimmung in der Halle wird aber auch durch deutlich \u00fcberzogene Erwartungen aus dem Umfeld der Hamburg Freezers selbst gesch\u00fcrt. Nat\u00fcrlich muss es Aufgabe sein, die Halle zu f\u00fcllen, um zum wirtschaftlichen Erfolg beizutragen. Und f\u00fcr die, die sich nicht so gut auskennen. Die Mannschaft f\u00e4hrt zu Ausw\u00e4rtsspielen per Bus oder dem ICE. Und wer einmal hinter die Kulissen der einen oder anderen Arena geblickt hat, wird vielleicht verwundert feststellen, dass die Umkleider\u00e4ume so mancher Kreissporthalle technisch moderner sind. Wir reden hier also nicht von einem Millionen-Business. Aber bei aller Begeisterung, die Homepage oder das Arena-Magazin \u00e2\u20ac\u0153FaceOff\u00e2\u20ac\u009d so ausstrahlen: Es geht in der ersten Runde der Playoffs gegen Mannheim. Eine Mannschaft, die sich \u00fcber das Jahr gesehen, wenig Schw\u00e4chen gegeben hat. Von daher w\u00e4re es geradezu seine Sensation, wenn es den Freezers gel\u00e4nge, ins Halbfinale einzuziehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber neben dem ganzen Frust, gibt es auch schlicht viele tolle Dinge und Momente, die mich rund um die Hamburg Freezers begeistern:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Radio Planet Ice<\/strong>: (Noch?) Bin ich nicht verr\u00fcckt genug, um Kind und Kegel einzupacken, um Ausw\u00e4rtsspiele zu gucken. Von daher kann ich das Engagement von <a href=\"http:\/\/www.radio-planetice.de\/\">Radio Planet Ice<\/a> nicht genug loben. Hier kann ich daheim vor dem Rechner sitzen und mir die Ausw\u00e4rtsspiele anh\u00f6ren. Das ist spannend, packend. Die Jungs machen einen unheimlich guten Job.<\/li>\n<li><strong>Unsere Nummer 89<\/strong>: Es macht Spa\u00df, David Wolf spielen zu sehen. Der Junge gibt keinen Puck und keinen Zweikampf verloren. Und ist abseits des Eises auch ein unheimlich sympathischer Typ, wie ich j\u00fcngst bei der ersten Autogrammstunde meines Lebens (mein J\u00fcngster wollte so gern sein Trikot signiert haben) erleben durfte. Ich bin mir sicher, dass David noch eine ganz gro\u00dfe Karriere vor sich hat, bef\u00fcrchte aber, dass ihn uns die NHL schneller wegschnappt, als uns allen lieb sein d\u00fcrfte. Nur ein bisschen das Kampfschwein-Image sollte er noch ablegen, denn mit fast 3 Stunden auf der Strafbank in einer Saison, hilft er der Mannschaft nur sehr begrenzt.<\/li>\n<li><strong>Famili\u00e4re Atmosph\u00e4re in der O2 World<\/strong>: Leute, geht mit Euren Kindern zum Eishockey! Auch wenn 12.000 Menschen da sind, habe ich nie das Gef\u00fchl, meine Kids nicht allein zur Toilette gehen lassen zu k\u00f6nnen. Es gibt am Eingang keine Hundertschaften von Polizei, keine Schl\u00e4gereien und gerade Personal, Ordnungskr\u00e4fte und andere Besucher nehmen auf die Kids wirklich R\u00fccksicht.<\/li>\n<li><strong>Teamgeist der Freezers<\/strong>: An einem guten Tag k\u00f6nnen die Freezers wirklich jeden Gegner, zumindest daheim, schlagen. Dies liegt einerseits daran, dass die Liga sehr sehr eng ist. Zum anderen aber sieht man, dass diese Truppe gern miteinander spielt und bereit ist, zu k\u00e4mpfen. Und dieser Teamgeist ist toll zu beobachten. Bisher gab es diese Saison erst ein Spiel zu Hause, bei dem dieser Geist verschwunden schien und da gab es von den Trib\u00fcnen Pfiffe. Und nachwie vor glaube ich, zurecht. Denn der Teamgeist der Mannschaft ist ein tragendes Element der Mannschaft und eine wichtige Br\u00fccke zwischen Team und Fans.<\/li>\n<li><strong>Das Spiel, das Spiel, das Spiel<\/strong>: Eishockey ist schnell, es ist emotional. Der 4.3.2012 war Werbung f\u00fcr den Sport pur. Ausverkauftes Haus. Eine Schweigeminute f\u00fcr die viel zu fr\u00fch verstorbene Mitgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin bei den Hamburg Freezers und dann ein Spiel, in dem binnen Minuten Treffer um Treffer fiel. W\u00e4hrend sich beim Fu\u00dfball eben noch ein St\u00fcrmer nach einer Schwalbe vom Boden rappelt, k\u00f6nnen im Eishockey in der gleichen Zeit zwei Tore fallen. Die Jungs spielen nicht weniger hart, als die Kollegen mit dem Ball, verdienen und jammern nur weniger.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Also Leute, geht zu den Hamburg Freezers!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Beitrag wollte ich schon lange geschrieben haben, aber die Z\u00e4sur vor der Endrunde der Meisterschaft in der DEL scheint endlich der richtige Zeitpunkt daf\u00fcr zu sein. Eishockey &#8211; das ist der schnellste, k\u00f6rperbetonste Mannschaftssport. 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