Zu Besuch bei der DEG – und was Hamburg draus lernen könnte (Update)

Regelmäßige Leser dieses Blogs werden sich vielleicht an den Spielbericht zur Begegnung gegen die DEG erinnern. Der Nachmittag fing damals für meinen Sohn nicht sonderlich gut an, als ihn ein Puck auf dem Kopf traf.

Es folgte ein munterer Dialog mit der Düsseldorfer EG auf Twitter, der schließlich in einer Einladung meines Sohnes plus Begleiter (da hatte ich dann einfach mal laut »Hier« geschrien) gipfelte. Update: Die Einladung umfasste die Eintrittskarten zum Spiel. Nicht die Reise und das Hotel. Die DEG ist ja nun auch nicht Krösus.

In der vergangenen Woche war es dann so weit.

Das wird kein Spielbericht. Wir haben ein spannendes und schnelles Spiel gesehen. Am Ende hatten die Krefelder Pinguine die Nase vorn, somit konnten wir auch leider keinen Eindruck davon gewinnen, wie denn dort am Rhein ein Sieg gefeiert wird. Aber 9 Tore in einem Spiel sind ja schon einmal für den Zuschauer etwas.

Interessant fand ich einmal den Einblick in eine so ganz andere Atmosphäre und damit den direkten Vergleich zur O2 World in Hamburg, wo wir ja Dauerkarten für die Spiele der Hamburg Freezers besitzen.
Für den schnellen Leser: Ich glaube, dass Hamburg als Eishockey-Standort eine Menge von Düsseldorf lernen könnte. Trotz der Unterschiede im Temperament, die sich kaum abstellen lassen werden.

DEG Treff – eine wirklich hübsche Idee

Die Einladung der DEG umfasste nicht nur die reinen Eintrittskarten, sondern auch Zutritt zu einem geschlossenen Bereich in der Arena, dem DEG Treff. Das mag erst einmal nach Bierseligkeit klingen, ist aber ein mit eigenem Eingang versehener Abschnitt im ISS Dome. Hier kann man sich eineinhalb Stunden vor dem Spiel, während der Pausen und nach dem Spiel nicht nur nett unterhalten. Es gibt Getränke und ein leckeres und reichhaltiges Buffet. Man greift einfach zu und isst und trinkt, soviel man eben schafft.

Den Besuch des Fantreffs kann man offensichtlich auch separat zu seiner Karte zubuchen. Mir hat dabei sehr gut gefallen, dass man nicht einen eigenen VIP-Bereich für sich hat, oder in einer Loge geparkt wird.

Das Publikum kann sich direkt ein Bild davon machen, was die Besucher für einen Spaß dort haben und wie es hier zugeht. Da dürften mögliche Hemmschwellen gar nicht erst aufkommen lassen und gute Werbung dafür sein.

Erste Reihe im ISS-Dome – man sieht mehr

Wer sich in der Hamburger O2 World in die erste Reihe setzt und eher von kleinerem Wuchs ist, wird überrascht sein, wie tief er denn sitzt. Und gerade Kinder sehen in der ersten Reihe nichts, weil ja gleich über der Bande auch noch ein breiter Streifen mit Sponsorenaufschrift die Sicht verdeckt.
Die erste Reihe im ISS Dome, für die wir Karten hatten, ist eher mit der Reihe 2 oder 3 in Hamburg zu vergleichen. Nichts verdeckt die wirklich ausgezeichnete Sicht. Achja. Nett bei den Plätzen war, dass die Trainer oder auch Herr Köberle direkt durch diesen Bereich zur Spielerbank gehen. Das ist alles insgesamt familiärer als in Hamburg.

Dichtere Atmosphäre – dank eines einfachen Tricks

Bereits beim Hinsetzen hatte ich den merkwürdigen Eindruck, näher am Geschehen als in Hamburg zu sein. Faktisch eigentlich kaum möglich. Des Rätsels Lösung: Da der Oberrang vollständig abgehängt wurde, also die Karten zunächst für den Unter- und Mittelrang verkauft werden, um diesen zu auszubuchen, entsteht eine dichtere Atmosphäre. Einfach, aber wirkungsvoll.

Denn damit gibt es auch nicht die vielen Lücken, die mich bei weniger stark besuchten Begegnungen in Hamburg immer stören und es schwer machen, dass der Funke überspringt, wenn es um das Anfeuern der Mannschaft geht.

Die Halle ist der Fanblock

Zunächst mal in Richtung der Hamburger Fans, die sich oft genug auf Facebook & Co das Leben selbst schwer machen. Auch der Düsseldorfer verlässt seinen Platz einen Moment früher, wenn sein Team verliert oder man den Eindruck hat, dass das Spiel nicht mehr gedreht wird.

Auf der anderen Seite: Ich muss es leider schreiben. Die Stimmung ist besser. Das liegt aus meiner Sicht schlicht daran, dass in Hamburg einfach zu viel geboten wird.

  • Hamburg Film
  • Einlauffilm
  • Fan Announcer
  • Zig verschiedene Fangesänge mit zum Teil echt schwierigen Texten, die noch dazu nirgend öffentlich nachzulesen sind.

Besonders der letzte Teil macht aus meiner Sicht den Unterschied. Mit dem Ergebnis, dass über die Spieldauer einfach mehr Alarm gemacht wird. Es gibt zwei oder drei Schlachtrufe und das Altbier-Lied, zu dem die Halle schunkelt. Und fertig.

Das ist nicht originell, aber wirkungsvoll und sorgt für Stimmung. Denn gerade weil es so einfach ist, macht auch die Halle mit und nicht nur ein kleiner Abschnitt hinter dem eigenen Tor.

Dazu trägt dann auch bei, dass der Hallensprecher mit dem Publikum interagiert und etwa auch mal deutlich macht, dass die Mannschaft jetzt jeden Zuspruch braucht.

Um es direkt zu sagen. Hier wird mit den Fans zusammen Stimmung gemacht und nicht darauf gewartet, dass die Fans Stimmung machen.

Ein kleiner, aber ebenfalls bemerkenswerter Unterschied.

Dass es in der O2 World auch nach mehr als 10 Jahren Freezers immer noch so oft mucksmäuschenstill ist. Vielleicht liegt das eben auch daran, dass es für Neueinsteiger so schwierig ist, überhaupt mitzumachen, da nicht klar wird, was gerade dran ist.

Ups, das Auto kann man tatsächlich gewinnen

Seit Jahren gibt es bei den Freezers den »Superschuss«. Ich möchte nicht unken, aber ich glaube, inzwischen dürfte auch der letzte Fan verstanden haben, dass es nahezu unmöglich ist, den Wagen zu gewinnen. Selbst ein Eishockey-Profi dürfte Schwierigkeiten haben, einen Puck von der blauen Linie in ein Loch zu versenken, dass kaum größer als der Puck selbst ist. Für den Sponsor ist das natürlich toll. Es kostet ihn nix und er wird ständig genannt. Für regelmäßige Zuschauer ist das Spielchen aber auch ermüdend.

Bei der DEG gab es just diesen Abend ein Auto zu gewinnen. Verlost unter allen Inhabern einer Dauerkarte. Gleiche Chance für alle und netter Ansporn, als DK-Inhaber bei der Stange zu bleiben.

Diese Zeilen werden wahrscheinlich nichts ändern. Aber aus meiner Sicht kann das Marketing der Freezers von der DEG und deren emotionalen Werbeauftritt eine Menge lernen.

Und mir bleibt an der Stelle nur nochmals, danke DEG zu sagen!

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6 Antworten auf Zu Besuch bei der DEG – und was Hamburg draus lernen könnte (Update)

  1. DEGler 29/1/2015 at 11:46 #

    …wobei man aber erwähnen sollte, dass die Stimmung bei diesem Spiel gegen Krefeld überdurchschnittlich war und nicht der Standard 😉

    • Stephan Lamprecht 29/1/2015 at 14:40 #

      Hallo,

      das vermag ich natürlich nicht zu beurteilen. Ich kann mir vorstellen, dass es bei Spielen gegen die Vereine aus der direkten Nachbarschaft sicherlich etwas lebhafter als gewöhnlich ist. Aber mir ging es ja insgesamt auch um einen Vergleich, wie das Spektakel Eishockey präsentiert werden kann und wird. Schön, dass es den Düsseldorfern gefällt. 🙂 Zugleich ist das aber auch als Kritik an den Hamburg Freezers.

      Sportliche Grüße
      Stephan Lamprecht

  2. Fortuna-Ralle 29/1/2015 at 13:39 #

    Ein sehr schöner Bericht.

    Aber was die Stimmung etc. angeht gibt es zu Orten wie Hamburg, Hannover und so weiter einen ganz großen und entscheidenden Unterschied:

    Die DEG ist Gründungsmitglied der Eishockey-Bundesliga und er einzige Verein in der DEL, der nicht über gekaufte Lizenzen anderer Vereine, Übernahmen, Fusionen etc. dabei ist und ist auch keine Kunstprodukt eines Limonadenherstellers oder Softwarefuzzis. Einzig die 1971/72 als Abspaltung von KEK entstandenen „Rollmöpse“ lassen sich noch in diese Kategorie einordnen. Analog dazu sieht man ja die Stimmung bei den Werksteams und Kunstprodukten à la Hoppsenheim in der 1. und 2. Fußball Bundesliga.

  3. Stephan Lamprecht 29/1/2015 at 15:26 #

    Hallo Fortuna-Ralle,

    dass mit dem Gründungsmitglied ist mir durchaus bekannt. Ich bin leider ja auch schon a bisserl älter 🙂 Die Adler Mannheim (ehemals MERC) bezeichnest Du jetzt aber nicht als Kunstprodukt eines Softwarefuzzis, oder? Mein Beitrag dreht sich ja auch nicht nur um die Stimmung, sondern auch um eher „Kleinigkeiten“, die man auch in HH umsetzen lassen könnte, Um zum Beispiel mehr Publikum oder mehr DK zu verkaufen. Und die Freezers spielen jetzt seit 12 Jahren wo sie spielen. Und gemessen daran, ist da einfach zu wenig Stimmung. Darauf zielte meine Kritik, abgesehen davon, dass ich mich eben auch bei der DEG für die Einladung bedanken wollte.

    Sportliche Grüße
    Stephan Lamprecht

  4. ben 29/1/2015 at 16:56 #

    Da hattest du auch Glück das der K E V da war, die auch eine gute Stimmung machen.
    wir waren anfang Dezember bei euch, und da haben wir am Hauptbahnhof und in der O2 world eine gte Stimmung verbreitet

  5. Anstöße 30/1/2015 at 20:10 #

    In vielen Punkten magst du durchaus recht haben, bei einigen muss ich jedoch ein paar Anmerkungen machen:
    1. Abgehängter Oberrang:
    Dies war eine Zeit auch in Hamburg nicht komplett unüblich, selbst diese Saison bei den Spielen in der CHL wurde dies umgesetzt. Mittlerweile ist dies jedoch kaum mehr möglich, dies hat unterschiedliche Gründe:
    – Es gibt Zuschauer, die eine Dauerkarte für den Oberrang haben
    – Es gibt Zuschauer, die sich bewusst für den Oberrang entscheiden, nicht (nur) wegen des Preises, sondern da sich einem eine vollkommen andere Perspektive auftut.
    – Die Spiele sind in der Regel so gut besucht (nicht nur derzeit, wo die letzten Spiele über 10.000 Zuschauer anwesend waren), dass gar nicht genügend Platz im Unterrang verfügbar wäre

    2. Stimmung:
    Das es hier ein Derby war, wurde schon angesprochen, da ist die Stimmung, ähnlich wie wenn Berlin bei uns ist, eine ganz andere. Ich selbst war bspw. beim Heimspiel gegen unsere Freezers in Düsseldorf gewesen und war von der Stimmung stark enttäuscht. Der Hamburger Gästeblock war eindeutig tonangebend, die Düsseldorfer kamen meist nur nach Aufforderung oder gemeinsamen Aktionen (die von Hamburg gestartet wurden) wie einer Welle aus den Löchern. Es geht hier also auch ganz anders.
    In der Regel ist es aber schon so, dass die Stimmung doch besser ist als die in Hamburg. Ein Blick in die Zuschauerzusammensetzung zeigt einen auch schnell die Ursache. In Hamburg trägt der Fanblock und die direkt angrenzenden Blöcke Trikots und zeigen Farbe. Der überwiegende Rest, der von manchen auch als „Kuchenblock“ beschimpft wird, ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in zivil unterwegs. Während Hamburg für den Eventzuschauer sehr beliebt ist und Probleme zu haben scheint, diese als Fans zu behalten, hat Düsseldorf, bei denen gefühlt das halbe Stadion mit Trikot anwesend war, ein Problem, die Eventzuschauer anzuziehen. Auch dies war auffällig beim Spiel gegen Hamburg, 02.01., Freitag, die halbe Welt hatte gefühlt Urlaub, Köln und Krefeld ohne Heimspiele, somit keine Konkurenz für neutrale Zuschauer, kein Fußball parallel, der Tabellenzweite zu Gast, trotzdem konnten keine Zuschauer gewonnen werden.

    3. Fangesänge:
    Ich selbst sitze nicht im Fanblock, sondern bin selbst auf Höhe der blauen Linie zu Gast. Bei manchen Gesängen muss ich dir vollkommen zustimmen, „Dem Morgengrau/tau entgegen…“, du merkst, ich verstehe nicht einmal den Anfang. Das das Lieder sind, die sich nicht in der kompletten Arena durchsetzen, das ist vollständig verständlich. Aber auch bei den einfachsten Liedern macht die Allgemeinheit nicht mit, lediglich geklatscht wird. Ganz auffällig ist es, wenn die Reihen hüpfen. Warum hüpfen die Reihen zumeist nicht mit? Es ist nicht so, dass sie nicht wissen, was sie machen sollen. Es ist nicht so, dass sie nicht wissen, dass sie dran sind. Beim letzten Heimspiel habe ich das ganze beobachtet. Überall in meiner Umgebung konnte ich beobachten, wie sich Zuschauer zweifelnd angeguckt haben wenn sie dran waren, nach links und rechts geschaut, gefragt, ob man sich trauen solle und sind dann sitzen geblieben, einige, die anfänglich sogar gehüpft sind, haben sich nach 3-4 Sekunden schnell wieder hingesetzt. Als dann die letzte Reihe ankam, konnte ich hören, wie von Zuschauern, die vorher zweifelnd sitzen geblieben sind, gesagt wurde „Gleich können wir endlich auch hüpfen, dann hüpfen alle!“
    Die Zuschauer sind teilweise textsicher, die wissen, was sie tun müssen, sie trauen sich einfach nur nicht! Und das ist denke ich auch ein wenig die hamburger Mentalität, wie heißt es so schön im Gedicht, „das wir erst fühlen, dann denken und dann reden“.
    Bei uns hatten die Stadionsprecher übrigens schon einmal versucht, sich bei der Stimmung zu beteiligen, dies wurde im Fanblock aber nicht gut aufgenommen, dort herschte die Auffassung, dass man selbst für die Stimmung verantwortlich sei und man sich dies nicht nehmen lassen wolle.

    Die Stimmung in Hamburg ist wahrlich nicht die beste, dies hat neben den von dir teilweise auch aufgeführten Gründen beispielsweise auch noch in der Positionierung der Fanblöcke seine Ursache (der von Hamburg unten, die Gesänge werden nicht getragen, der Gästefanblock singt direkt unters Dach, was eine viel bessere Akkustik hat), eine Uneinigkeit im Fanblock inklusive Spaltung, die mittlerweile größtenteils schon überwunden ist, an deren Folgen man jedoch noch zu knabbern an, in der bereits erwähnten hamburger Mentalität mit dem großen Anteil an Eventfans, daran, dass die großen Erfolge bisher ausblieben und man in den schlechten Jahren viele verloren hat und auch an der großen Konkurrenz in den anderen sportlichen Bereichen, Hamburg ist, bzw. war lange Zeit einfach keine Eishockeystadt. Aber auch wenn wir es immer gerne so sehen, auf der anderen Seite ist das Gras auch nicht immer grüner, aber gerade, wenn man im Frühling unterwegs ist, kann einem dies schnell mal so vorkommen 😉

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