Hamburg Freezers – das Saisonfazit 2013/14 aus meiner Sicht

Die Hamburg Freezers haben die erfolgreichste Spielzeit ihrer Geschichte hinter sich. Und wer die Spiele zu Beginn der Saison gesehen hat (oder die Beiträge in diesem Blog gelesen), wäre wohl kaum auf die Idee gekommen, dass dies am Ende der Spielzeit 2013/2014 das Fazit ist.

Die Freezers können sich zwar für den Titel »Hauptrundensieger« sportlich nichts kaufen, aber sie haben eine beachtliche Leistung gezeigt. Das verdient Respekt.

Respekt verdient auch, dass – soviel sei hier einmal verraten –  zu Beginn der Saison der Leiter der Geschäftsstelle sogar in einer Mail dem Autor dieser Zeilen auf einige Kritikpunkte direkt geantwortet hat. Damit hätte ich nicht gerechnet.

Wie sieht mein persönliches Fazit aus? Es mag hart klingen, aber die Freezers waren dieses Jahr (erneut) noch nicht reif für die Playoffs. Bereits die Spiele gegen Iserlohn waren viel zu eng und die Souveränität der Hauptrunde verschwunden. Dass sich abseits der Bande die Iserlohn Roosters als extrem unsportlicher Gegner erwiesen, hat mich, nebenbei gesagt, sehr überrascht. Aber in allen Begegnungen mit den Roosters gab es Szenen, die leicht auch zu deren Sieg hätten führen können.

Gegen Ingolstadt wurde dann spielerisch kein Mittel gefunden. Die erste Heimpartie aus meiner Sicht zu leichtfertig hergeschenkt. Dass ich es persönlich für ein sportliches Unding halte, dass der 9. Platz in der DEL um die Meisterschaft spielen darf, habe ich im ersten Beitrag einer kleinen Serie schon geschrieben. Die während der Saison so gelobte Tiefe des Kaders – von ihr war in den Playoffs nichts mehr zu sehen und zu spüren.

Und nichts charakterisiert die Serie gegen Ingolstadt besser als die letzte Begegnung vor Ort. Ein Traumtor und Führung! Dann ein böser Fehler von Caron (der sich wenig Fehler in der Saison leistete) und die Jungs waren zu nervös, um sich wieder zu fangen.

Aber: Alle Spieler dürfen stolz darauf sein, was sie gemeinsam erreicht haben. Vom letzten Tabellenplatz zum Vorrundensieger zu werden. Das müssen andere Mannschaften auch erst einmal schaffen.

Zum Abschluss dieser schönen Saison darf natürlich meine völlig individuelle Bewertung aller Spieler nicht fehlen.

  • Johan Ejdepalm: Ich war von dieser Verpflichtung überrascht und meine Befürchtungen wurden noch übertroffen. Johan hatte zwar zu Beginn der Saison Pech mit Verletzungen. Das kann dann aber nicht als Grund für die Leistung im Rest der Saison herhalten. In Zweikämpfen in aller Regel zu langsam und der Unterlegene, überraschte er mich doch auch einmal mit einem Tor. Ich befürchte aber, es wird schwer für ihn werden, einen neuen Verein zu finden. Note: 4-
  • Morten Madsen: Stark begonnen, stark nachgelassen, zum Schluss wiedergekommen. Ein wechselvolles Jahr an der Elbe. Aber ganz klar. Ich habe mir von Madsen deutlich mehr erwartet. Und die ersten Spiele in der ET gegen Berlin gaben ja auch Grund zur Hoffnung. Geniale Spielzüge, Scheibenglück, Einsatz. Alles stimmte. Danach tat sich das dänische Dynamit aber dann doch schwer. In den Playoffs empfand ich ihn wieder präsenter. Note: 3+
  • Christoph Schubert: Mir ist unser Schuby wirklich sympathisch. Ich mag die Ruhe, die er ausstrahlt, ich mag sein Körperspiel und ich machte mir große Sorgen, dass seine Karriere durch den dreckigen Check an die Bande zu Ende sein könnte. Aber bei aller Sympathie muss ich doch gestehen, hat Schuby eine eher durchwachsene Saison gespielt. Von ihm hatte ich es am wenigsten erwartet, doch gerade Schuby verteilte in den Playoffs zweimal großartige Gastgeschenke und hätte den Assistpunkt für das gegnerische Tor verdient gehabt. Ein bisschen entschädigte das schöne Tor im letzten Heimspiel der Saison, aber bei seiner Erfahrung erwarte ich doch etwas mehr. Zu seinen Gunsten spricht aber, dass er sich zurückgearbeitet hat. Note: 3-
  • Garret Festerling: Hatte Mitte der Saison einen Hänger, was aber auch an der Schwangerschaft seiner Frau gelegen haben dürfte. Neigt oft leider zu sehr zum Schönspielen und man darf gespannt sein, wie er mit dem Weggang von Wolf zurechtkommt. Für die Leistung in der Saison verdient er aber die Note: 2.
  • Duvie Westcott: Wenn er präsent ist, voll da und eine Herausforderung für jeden Stürmer. Spielt aber nicht so konstant wie in der ersten Spielzeit hier. Vielleicht auch zu viele Babygeschrei in den eigenen vier Wänden. Ich glaube, er wird hier in Hamburg seine Karriere beenden. Note: 3
  • James Bettauer: Ich hatte vermutet, James würde in dieser Saison den nächsten Schritt gehen. Der blieb in des aus und seine Verteidigung zwar solide, aber auch farblos. Allerdings habe ich viel gelacht, als er auf Twitter ein Statement schrieb, der die Anschaffung eines Kickertisches bei den Freezers lobte, weil ihm das helfen würde, seine Hand-Augen-Koordination zu verbessern. James hatte im Spiel davor, einen Puck unhaltbar ins eigene Tor gedroschen. Note: 3-
  • Thomas Oppenheimer: Wenn es läuft, tolle Tore und Spielzüge, wenn es nicht läuft, kommt zu wenig rum. Und bei Oppi lief es in diesem Jahr zu wechselhaft. Hat definitiv einen Schritt gemacht, aber pünktlich in den Playoffs wieder in die Formkrise gerutscht. Ihm fehlt (noch) die Abgeklärtheit und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, eine Hundertstel Sekunde länger zu warten, um den Puck dann zu verwandeln. Neigt zu »Schön spielen«, was meiner Ansicht nach nicht seine Sache ist. Scheibe vors Tor bringen und auch mal schmutzig werden. Note: 2
  • Daniel Nielsen: Wurde im Laufe der Saison immer schlechter und lustloser. Teilweise haarsträubende Fehler, bereits in der Hauptrunde. Sein guter +/- Wert in der Hauptrunde verdankt er meines Erachtens einzig Glück. Note: 4
  • Phil Dupuis: Tat sich lange schwer, mit dem Eis, der Mannschaft, der Spielweise. Als »Spielmacher« angekündigt, tat er das nach meinem Geschmack viel zu selten. Auch wenn ab und an durchaus schöne Ideen aufblitzten und gerade zu Ende der Saison der Einsatz stimmt. Hatte mir deutlich mehr erwartet und hätte ihm persönlich keine Chance auf eine weitere Saison gegeben. Für den Ertrag zu teuer. Note: 3-
  • Nico Krämmer: Er reift gerade. Das sieht man ihm und seinem Spiel an. Die Unbeschwertheit ist ein wenig verloren gegangen. Ein riesiges Talent, an dem wir alle hoffentlich noch viel Freude haben werden, der Einsatz stimmt jedenfalls immer. Note: 2-
  • Matt Pettinger: Hat seinen neuen Vertrag redlich erarbeitet. Teilweise unheimlich, wie gut er als »Aushilfe« in der Verteidigung spielte. Hat sich gegenüber der Vorsaison gesteigert, obwohl er es als Verteidiger natürlich schwer hat, durch Punkte zu überzeugen. Hat mir am Puck durch seine Entschlossenheit immer gefallen. Note: 3+
  • Kevin Lavalee: Kam als Aushilfe und spielte wie eine. Wenig zweikampfstark, teilweise wirklich schlecht an der blauen Linie, wenig körperbetontes Spiel. Note: 4-
  • Dimitrij Kotschnew: Hat sich nach seiner schweren Verletzung zurückgekämpft. Dafür gebührt Respekt. Ist aber optisch von den Bewegungsabläufen noch nicht wieder der alte. Nach meinem Geschmack zu Beginn und Ende der Spiele zu viele Unkonzentriertheiten. Gibt nach meinem Geschmack einen Puck oft zu schnell verloren. Auf lange Sicht (auch finanziell) eine bärenstarke Nummer 2 im Tor. Note: 2
  • Kevin Schmidt: Hatte nach dem Weggang von Köppchen angekündigt, mehr Verantwortung übernehmen zu wollen und mehr den Abschluss zu suchen. Hat gehalten, was er versprochen hatte. Wach und aufmerksam, versucht vieles technisch zu lösen (was zugleich seine Schwäche ist. Neigt dazu, Checks nicht zu Ende zu fahren), bot sich immer an und erzielte einige schöne Tore. Note: 2+
  • Julian Jakobsen: Hatte gehofft, er entwickelte sich zum Top-Scorer. Dies blieb aus. Er ist aber ein »Wühler«, ein Arbeitstier und scheut gerade an der Bande keinen (schmerzhaften) Zweikampf. Solche Stürmer braucht man auch und suchte teilweise sehr keck den Abschluss. Note: 3+
  • Sebastian Caron: Was für ein Keeper! Ihm eilte der Ruf einer Diva voraus, aber vielleicht lag ihm Iserlohn auch einfach nicht mehr. Spektakuläre Saves, gibt nie einen Puck verloren. Dürfte sich über die Fehler in den Playoffs selbst genug geärgert haben. Ist unmittelbar auf Betriebstemperatur. Absolute Nummer eins, um den die Liga derzeit die Freezers beneiden dürfte. Note: 1-
  • Mathieu Roy: Würde mir schon mal gefallen, wenn die meisten Fans in der Arena seinen Namen endlich korrekt aussprechen würden. Da er Frankokanadier ist, ist er eben kein »Reu«, sondern ein »Roah«. Wechselvolle Saison. Immer wieder unglückliche Verletzungen, musste sich dann zurück finden. Aber unangenehm zu spielen. Note: 3+
  • Adam Mitchell: Zu wenig Ertrag. Zu wenig Ideen. Aus meiner Sicht überschätzt und zu teuer. Hat eine süße Tochter, es macht auch Spaß ihn feiern zu sehen. Sportlich für mich die Enttäuschung der Saison. Note: 4-
  • Marius Möchel: Viel zu lange solide gearbeitet, aber zu unauffällig. Ingesamt hatte er die ganze Zeit in Hamburg mit mehr als unglücklichen Verletzungen zu kämpfen. War schön, wie der Knoten in der Mitte der Spielzeit platzte und man den Eindruck hatte, er entwickelte sich zum Knipser. Folgt seinem Stiefbruder in die alte Heimat. Hätte den nächsten Schritt aber gern in Hamburg machen dürfen. Note: 3+
  • David Wolf: Einsatz überzeugt, Wille überzeugt. Emotionen immer noch zu wenig im Griff. Trotzdem eine gigantische Saison gespielt und der Star der Playoffs. Schade, dass seine Zeit in HH so unrühmlich enden musste. Note: 1-
  • Jerome Flaake: In den Playoffs fiel Flaake irgendwie in ein Loch. Schade. Denn die Hauptrunde war gigantisch. Schlittschuhläuferisch einer der besten, die die Freezers haben. Note: 1-
  • Frederick Cabana: Wirbelt auf dem Wind, oft genug zu wenig Scheibenglück. Steigerte sich zunächst kontinuierlich, fiel aber ebenfalls »pünktlich« zu den Playoffs ab. Da erwarte ich mir in der kommenden Spielzeit mehr. Note: 3

Allen Spielern, den Verantwortlichen und allen Fans, die das hier lesen, wünsche ich eine schöne Sommerpause.
In der Spielzeit 2014/15 werde ich mit meinen Kindern auf jeden Fall wieder auf unseren Stammplätzen in der O2-World sitzen und hoffentlich erleben, wie diese Mannschaft den nächsten Schritt geht.

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