Hamburg Freezers – ist der Knoten endlich geplatzt? 4:3 gegen Nürnberg

Der Knoten scheint endlich geplatzt zu sein, oder doch nicht? Dass man beim gestrigen Spiel der Hamburg Freezers gegen den Tabellenführer Nürnberg das eine oder andere anders machen wollte, symbolisierten bereits die Klatschpappen, die fein säuberlich in der O2 Word ausgelegt waren. Es war Fremdschämen-Tag angesagt. Die Mottospieltage bei den Freezers sind eine Tradition und das Niveau befindet sich in der “Ladies Night” dabei besonders dicht auf Bodennähe.

Nun denn. Es geht ja eigentlich um den Sport. Die Gastgeber kamen entschlossen aufs Eis. Zweikampfverhalten, Einsatz und Spielzüge – die ersten Minuten des ersten Drittels waren das beste Spiel der Freezers der bisherigen Saison, wenn nicht sogar der vergangenen zwei Jahre. Den Nürnbergern steckte entweder die Anfahrt in den Knochen, oder die Sorge davor, ein Tor zu kassieren. Jedenfalls hatten sie offensichtlich nicht mit soviel Gegenwehr gerechnet. Der Einsatz wurde belohnt. Ausgerechnet im Powerplay (!) gelang es ausgerechnet Phil Dupuis (!) den Puck im Netz zu platzieren. Die Halle bebte und Spieler und Publikum zeigten sich zufrieden. Nürnberg machte nun etwas mehr Druck und konnte sich durchaus Chancen erarbeiten. Der bis zu diesem Zeitpunkt sicher wirkende Caron pflückte im Zweifel die Schüsse auf seinen Kasten aus der Luft.

Im zweiten Drittel wurde nicht schlecht gespielt. Aber wie so oft zeigten die Hamburger Nerven und einen Durchhänger in diesem Spielabschnitt. Individuelle Fehler schlichen sich ein und während die Nürnberger deutlich aggressiver spielten, wurden auf Hamburger Seite viel zu wenig Checks zu Ende gefahren. Insbesondere bei Roy ist zu erkennen, dass der Mann noch nach seiner alten Form sucht. Kevin Lavallee wird die wohl niemals finden. Es ist durchaus nichts schlechtes, wenn ein Verteidiger ungern Checks zu Ende fährt. Dann muss er aber eine sichere, spielerische Lösung finden, wie etwa Kevin Schmidt. Nur wenn beides nicht kommt und die Position an der blauen Linie ständig aufgegeben wird, wird es eng in der Verteidigung.

Die Bemühungen Nürnbergs wurden belohnt und so stand es nach 32 Minuten 1:1.

Thomas Oppenheimer, wochenlang mit der regelrechten Seuche am Schläger, schaffte glücklicherweise bereits drei Minuten später die erneute Führung. Bei ihm scheint der Knoten tatsächlich geplatzt. Das würde man inzwischen auch Garret Festerling und David Wolf wünschen. Beide mühen sich und ackern, aber bisher kommt zu wenig Zählbares heraus. Wobei Garret im Bruderduell gegen Brett bisher immer etwas blass aussah. Mit 2:1 ging es in die Pause. Und diese Führung war auch verdient. Die Freezers wirkten deutlich engagierter als der bisherige Ligaprimus.

Nachdem erneut spärlich bekleidete Männer auf den Tribünen versuchten, den anwesenden Frauen einzuheizen, begann das 3. Drittel, das ganz im Zeichen von Duvie Westcott stand. Es begann mit einem haarsträubenden Fehler unserer Abwehrkante, der einen schnellen Konter erlaubte. Glücklicherweise war Caron zur Stelle. Mit ordentlich Wut im Bauch konnte Westcott in der 46. Minute ein absolut sehenswertes Tor erzielen. Trocken von der blauen Linie abgezogen.

Wenige Augenblicke später jedoch verhakte sich der Schlittschuh unseres AC im Eis. Und wie das so ist, wenn ein Fuß in die eine Richtung will, der stämmige Körper eines Athleten in eine andere, wurde Westcott niedergestreckt und war auch nicht mehr in der Lage, ohne Hilfe aufzustehen. Blaulicht vor der O2-World. Selten ein gutes Zeichen. Bisher konnte wohl nur ein Bruch des Knöchels ausgeschlossen werden. Was die Bändern abbekommen haben, wird sich am Montag zeigen. Gut sah die Haltung des Schlittschuhs jedenfalls nicht aus.

Es ist nur menschlich, wenn eine Mannschaft auf die schwere Verletzung eines Kollegen mit einem Schock reagiert. Die Schockstarre währte nur kurz, aber mit 64 Sekunden lang genug, um den Nürnbergern den Ausgleich zu ermöglichen. Wieder konnte eine Führung nicht professionell heruntergespielt werden, sondern wieder liess man den Gegner zurückkommen. Ob der Knoten wirklich geplatzt ist? Beim 3:3 sahen jedenfalls Abwehr und Caron gleichermaßen nicht gut aus. Und ausgerechnet Pollock, der sich in den 50 Minuten vorher eher durch eine ausgefeilte Technik des Stockschlagens ausgezeichnet hatte, durfte sich über den Ausgleich für seine Mannschaft freuen.

Die Nürnberger witterten Morgenluft, die Freezers wirkten nervös, aber gaben den Spielstand nicht her. Es ging in die OT. Ein aus Nürnberger Sicht unnötiger Puckverlust, ein wacher Dupuis (!) und der zweite Punkt konnte auf das Hamburger Konto gebucht werden.

Ganz klar. Die Hamburger Freezers haben einen riesigen Schritt nach vorn gemacht und dies nicht nur in der Tabelle. Es wäre natürlich zu wünschen, wenn die beiden Tore bei Phil Dupuis die gleiche Wirkung hätten, wie bei Thomas Oppenheimer und das Selbstvertrauen zurückkehrt. Auch einige der AL-Spieler, von denen man schon annehmen durfte, dass sie gar nicht mehr mitspielen, gaben sich mehr Mühe und wirkten engagierter. Dazu zählen Matt Pettinger und auch Morton Madsen. Letzterer ist aber momentan von der Erwartungshaltung, die DEL zu beeindrucken, schon noch ein weites Stück entfernt. Alles in allem haben die Hamburg Freezers aber einen Punkt verloren. Denn bis zum Ausfall Westcotts hatten die Männer um Benoit Laporte die Partie eigentlich im Griff.

Gut in Form: Dupuis, Oppenheimer, Schmidt, Westcott
Schlecht in Form: Jakobsen, Rinke

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