Diagnose Burnout: Zwei Buchtipps

Man fühlt sich schlapp und ausgelaugt. Ist häufiger als sonst krank und dann kommt der Zusammenbruch. So das gängige Klischee und die allgemeine Beschreibung eines Burnouts in den einschlägigen Medien. Und tatsächlich: So ist es auch, wenn auch das unmittelbare Erleben ganz anders, viel stärker und bedrohlicher ist, als sich aus den Texten im Internet so herauslesen lässt. Man fällt in ein großes Loch und irgendwie aus dem Leben heraus. Bedrohliche Gedanken machen sich plötzlich breit im Kopf – Gedanken, die man so noch nicht kannte. Auch ich bin mit der Diagnose Burnout konfrontiert.

Für mich eine interessante Erfahrung der Umgang des mehr oder weniger engen eigenen Netzwerks. Sprachlosig- und Hilflosigkeit der eigenen Freunde, das Schweigen in der Welt der Selbstdarstellung wie Twitter und anderen Communitys. Und die Erfahrung plötzlicher Nähe von Menschen, die man so nicht eingeschätzt hat. Nach gut 5 Wochen des Nachdenkens und Selbstreflektierens geht es mir etwas besser, ich finde immerhin wieder die Kraft viele Dinge in Angriff zu nehmen, höre aber noch sehr besorgt und ängstlich auf innere Stimmen und meinen Körper. Und weil Lesen nun einmal eine Gewohnheit ist, die ich seit bald 40 Jahren täglich übe, habe ich auch etwas zum Thema gelesen.

Miriam Meckel hat mit „Brief an mein Leben“ natürlich das abgeliefert, was Literaturkritiker gern mit spitzen Fingern und verzogenem Mundwinkel als „Betroffenheitsliteratur“ bezeichnen. Eine eigene subjektive Wahrnehmung der eigenen Person und ihrem Weg in einen Burnout. Die Lektüre dieses Buches war an vielen Stellen nicht ganz leicht, denn ich habe mich an vielen Stellen auch selbst beschrieben gefunden. Ihr Buch soll kein Ratgeber sein, sondern schildert ihre Selbstreflexionen während eines Klinikaufenthalts und schlaglichtartige Erinnerungen an die Zeit davor. Ein wichtiges und mutmachendes Buch, das sich auch als Lektüre eignet, wenn Sie nicht das Gefühl haben, unmittelbar von einem Burnout betroffen zu sein.

Anders sieht es da schon mit dem Buch „Wege aus dem Burnout“ von Jörg-Peter Schröder aus. Das kleine Buch will Ratgeber sein und verspricht, Möglichkeiten der nachhaltigen Veränderung zu schildern. Natürlich ersetzt ein solches Buch keine Therapie oder eine solide ärztliche Behandlung. Aber Schröder gelingt es in seinem kleinen Buch sowohl die Hintergründe der Krankheit, deren Symptome und damit den Weg in den Burnout nüchtern und nachvollziehbar zu beschreiben. Der zweite Teil des Buches ist dann natürlich von seinem eigenen Therapieansatz geprägt. Mehr als Denkanstöße, welche Wege es gibt, nach einem überwundenen Burnout Maßnahmen gegen einen Rückfall in alte Verhaltensmuster zu ergreifen, kann ein so knappes Büchlein natürlich nicht liefern. Das macht der Autor aber sehr gut. Damit eignet sich das Buch aus meiner Sicht auch sehr gut für alle Betroffenen, die noch auf eine Sitzung bei einem Therapeuten warten oder auf der Suche nach einem Klinikplatz sind.

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