Woran viele Startups scheitern

Wer einmal in der Branche war und ist, erhält ja doch ab und an einen Businessplan zu sehen. Interessant aus meiner Sicht: Einerseits lesen sich die Vorhersagen genauso wie vor zehn Jahren. Die Umsätze sind zwar als deutlich niedriger vorhergesagt, aber der Steigerungsfaktor pro Jahr dürfte identisch sein und die graphische Darstellung immer noch eine Steigung von 45 Grad zeigen 🙂

Das ist natürlich verständlich, denn schließlich wollen skeptische Geldgeber ja auch davon überzeugt werden, genügend Mittel in eine Idee zu stecken. Was aber nach wie vor in jedem Businessplan eines Startups zu finden ist, sind geradezu lächerlich geringer Personalaufwendungen. Ganz klar: Wer noch kein Kapital bilden konnte und über Drittmittel seine Unternehmensidee verwirklichen will, muss sparsam mit Ressourcen aller Arten umgehen. Das versteht sich von selbst. Allerdings scheinen die meisten Gründer nicht nur davon auszugehen, sich selber ausbeuten zu müssen, sondern planen überwiegend mit Einstiegsgehältern und Praktikantenlöhnen.

Genau das, läßt aber aus meiner Sicht viele tolle Ideen scheitern. Wer sich genauer in Gründerunternehmen umsieht, dem bietet sich meist das gleiche Bild: Mitte oder gar Ende Dreißig sind immer nur die Gründer, die ein Heer an Absolventen, Studenten und Berufseinsteiger um sich versammeln, weil die jungen Leute ja viel kreativer sind. Nun müsste mir erst einmal jemand diesen viel größeren Grad an Kreativität beweisen. Ich persönlich habe oft das Gefühl, dass „kreativ“ in diesem Zusammenhang eher ein Euphemismus für „preiswert“ ist.

Was fehlt sind meist Managerpersönlichkeiten, die bereits Erfahrungen sammeln konnten. Erfahrungen, welche grundlegenden Strukturen bereits einmal funktioniert haben und die genügend Zeit hatten, Fehler zu machen um aus diesen zu lernen. Dies ist kein Plädoyer für Startups, die nur aus erfahrenen Mitarbeitern bestehen, auch wenn der Verfasser bereits selber auf die 40 zugeht. Allerdings fehlen in einem „jungem“ Unternehmen die Erfahrungen oder anders formuliert: Das was bei den Gehältern eingespart wird, gibt das Unternehmen durch Fehlentscheidungen wieder aus und verliert auch noch Zeit, die es für die Umwege und Wirrungen unerfahrener Manager aufwenden muss. Ich bin gespannt, wann ich den ersten Businessplan lesen werde, der sich mit erfahrenen Mitarbeitern schmückt.

 

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